Die Grundierung der Einzelteile ging flott, verbrauchte aber eine Menge Öl – das alte Holz saugte sehr viel auf, als wäre es noch nie gestrichen worden. Das spricht allerdings dafür, dass es ordentlich trocken ist, was gut ist, denn dann arbeitet es nicht so viel dass der frische Anstrich gleich wieder Risse bekommt.
Nachdem alle Teile grundiert waren, habe ich heute die vier Baugruppen wieder zusammengesetzt – Rückenlehne, Sitz und Seitenteile. Das ging so…na ja…Nach der Verlängerung der Stuhlbeine waren meine Leimzwingen zu kurz, und zwar um genau so viel wie die Beine nun länger sind. Natürlich kann ich die Hobelbank als Langzwinge verwenden, aber das ist dann ja nur eine statt vier.
Und, herrjeh – natürlich hatte ich die Seiten zuerst verkehrt herum zusammengeleimt – solche Fehler sind typisch für die Endphase: man freut sich auf’s Ergebnis und wird ein wenig hektisch, und schon ist’s passiert, und dann dauert die Korrektur letztlich länger als wenn man es gleich mit Ruhe und Sorgfalt angegangen wäre.
Aber jetzt sitzt alles am richtigen Platz – nur…ein Bolzen fehlt! Ich muss also erst einmal die Werkstatt aufräumen…und saubermachen. Das ist ohnehin erforderlich, denn die vielen feinen Späne wären beim Lasieren eine echte Plage.
Und noch habe ich ja keine Entscheidung bezüglich Farbe getroffen – die Originalfarbe war dunkelbraun, und das würde vermutlich auch am Besten passen, aber es gibt andere Vorschläge wie etwa dunkles Mahagony, oder Oliv- oder Tannengrün. Mal sehen.
Die Farbe ist das Einzige was für diese Restaurierung kaufen muss, aber Einkaufen gehört leider nicht zu meinen starken Seiten. Das Angebot ist verwirrend und die Werbung überfordert, und am Ende gibt es dann sowieso nicht das, was ich eigentlich will. Die jugendlich wirkenden Kundenberater fragen, ob ich diese oder jede Marke möchte – können aber mit Begriffen wie ”Alkyd” und ”Lasur” nichts anfangen. Die Produktbezeichnungen beginnen alle mit ”Ultra-” oder ”Extra-” und enden mit ”-power” oder ”-magic”, sagen aber ansonsten überhaupt nichts aus. Und die Beschreibungen sind entweder so klitzeklein gedruckt, dass ich sie beim besten Willen nicht lesen kann – oder bestehen nur aus Symbolen, die auch keinen Aufschluss darüber geben, was sich eigentlich in der Dose befindet.
Verwirrend auch, dass es hier Farbe extra für Frauen gibt (”Lady Color”) – und die Werbung verspricht ”extra einfach” und ”sanfte Töne”. Als ob gewöhliche Ölfarbe oder Buntlack es nicht genauso gut täten, und überhaupt: wer streicht denn Frauen?


