Der unsichtbare Elch

Tauwetter hat eingesetzt, auf dem Eis haben sich Pfützen und Rinnsale gebildet. Wo der Schnee festgefahren war, läuft es sich wie in einer Wasserrutsche – aber mit Spikes unter den Schuhen oder Krallen an den Pfoten geht es irgendwie.

Weiter oben im Wald ist der Schnee noch tiefer, und trägt teilweise noch. Als wir in den Seitenweg zum Skäresjön abbiegen, sehen wir eine frische Elchspur, rechts aus dem Wald kommend und links ins Dickicht führend.

Masha inspiziert die Abdrücke, rechts unten im Bild die kleinere Fährte

Der Abdruck ist ziemlich groß – verglichen mit meiner Schuhgröße 46 – und sinkt deutlich tiefer ein als ich. Ein großes, erwachsenes Tier also. Dazwischen sind kleine, flachere Abdrücke. Eine Kuh mit Kalb also?

Schuhgröße 46 zum Vergleich, mein Abdruck mit vollem Gewicht ist nicht einmal halb so tief

Masha ist ziemlich aufgeregt, und starrt gebannt in die Richtung wo die Spur verschwindet. Ich sehe und höre überhaupt nichts, aber Masha ist sich ganz sicher dass dort was zwischen den dicht stehenden Fichten ist.

Wir gehen ein Stück den Weg weiter, drehen aber nach einem kurzen Blick auf den See wieder um. Masha drängelt. Ich sehe und höre immer noch nichts. Noch einmal dieselbe Spur, und dann, ein paar Meter weiter, eine ganz frische Spur in die entgegengesetzte Richtung – dasselbe Pärchen, die eine groß und tief, die andere kleiner und flacher.

Wir folgen der Spur durchs Dickicht, bleiben immer wieder stehen, spähen, lauschen – aber kein Elch ist zu sehen oder zu hören. Also kehren wir um, schleichen wieder zurück zum Weg. Während wir zurücklaufen stelle ich fest dass eine weitere neue Elchspur wieder zurück zum Weg führt, nur einen Meter von der entfernt der wir ins Unterholz gefolgt waren.

Unmöglich – da müssten wir ja direkt an ihnen vorbeigelaufen sein! Oder die Elche in einer großen Schleife um uns herum, aber dann wären sie sehr schnell gewesen, und obendrein völlig lautlos.

Wir geben die Jagd nach dem unsichtbaren Elch schließlich auf.


Zuhause fand ich auf dem Telefon noch diesen Schnappschuß…

Wildkatz und Teddybär, und ein geklautes Paar Socken

Nicky ist nämlich darauf gekommen dass sich ein Hundehintern hervorragend als Kopfkissen für die Mittagspause eignet.

Badebombastisch

Ein deutscher Hersteller bietet Kugeln aus parfümiertem Bikarbonat unter dem Titel ”Badebomben” an – und auf der Rückseite der Verpackung findet sich folgende Beschreibung des Produktes:

””” Nicht nur Waldspaziergänge sind entspannend, sondern auch Kräutergartenbaden! Die Badebomben Kräutergarten mit natürlichen Avocado- und Traubenkernölen verwandeln das Badewasser in eine idyllische Oase der Gelassenheit. Egal ob Grünteeblätter, Rosenblüten oder Lavendelblüten oder alle drei. Jetzt fehlt nur noch das Vogelgezwitscher…”””

Dass es zunächst schwerfällt den Begriff ”Bomben” mit Entspannung und Gelassenheit zu verbinden, hat einen Grund – hier handelt es sich nicht um einen Werbetext, sondern um eine eindringliche Warnung vor dem Produkt:

Dem sachkundigen Wannengänger ist bekannt dass Entspannung in warmem Badewasser zu Blubberblasen führt – und nicht etwa andersherum – und dass die leibeigenen Wohlgerüche und die esotherischen Duftöle aus industriell hergestellten Badezusätzen eine Mischung ergeben, deren Anwendung im Krieg wegen ihrer besonderen Grausamkeit seit über hundert Jahren weltweit geächtet und verboten ist.

Daher weist der Autor gleich einleitend darauf hin dass ein Waldspaziergang eine möglicherweise sinnvollere Alternative statt der Anwendung dieses Produkts ist, und unterstreicht dies noch mit der vollkommen absurden Wortneuschöpfung des ”Kräutergartenbadens”, gefolgt von einem eigentlich unnötigen Ausrufezeichen zur Verdeutlichung der Dringlichkeit.

Und der letzte Satz, in all seiner abgebrochenen Tragik, verdeutlicht dann noch einmal die Gefahr die hier droht – fettgedruckt, halberstickt in drei Punkten der Verzweiflung und des Flehens. Oh- Jetzt fehlt nur noch das Vogelgezwitscher… hat weiss Gott das Zeug zum geflügelten Wort!

Du meine Güte! Hut ab! Was in aller Welt muss man studieren um einen solch bombastischen Nonsens verzapfen und in einer Produktwerbung unterbringen zu können, und obendrein dafür bezahlt statt verklagt zu werden?

Ein satirisches Meisterwerk – Applaus für den Autor! Er schafft es hier den völlig überfressenen und werbungsverblödeten Berufskonsumenten durch knietiefen Kakao zu schleifen, und dabei trotzdem den Eindruck zu hinterlassen er würde ein Produkt bewerben. Vegan. Ohne Mikroplastik. Natürlich!

Dass der Hersteller das hat durchgehen lassen zeugt entweder von grandiosem Humor, oder extremer Arroganz.

Dem Autor aber einen Blumenstrauß! Well done.

Schnee von gestern

Obwohl diese Nacht fast zehn Grad wärmer ist als noch am vergangenen Wochenende, fühlen sich die -6°C heute deutlich kälter an.

Merkwürdig. Vielleicht funktioniert das Temperaturgefühl nur in einem bestimmten Bereich, und liefert außerhalb dessen gar keine brauchbaren Informationen? Bei -16°C habe ich jedenfalls nicht gefroren, nur das Atmen beim Laufen wurde etwas anstrengender.

Die Spaziergänge durch die eisigen, klaren Nächte boten gleichwohl ein interessantes Schauspiel: die gigantische Eisplatte auf dem See vibriert nämlich wenn der Wind darüber bläst, und gibt dadurch gespenstische, klagende Töne von sich, die aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen scheinen. Huhuuh.

Und dann, ganz plötzlich, bricht die durch Kälteausdehnung stark gespannte Platte mit krachendem Donner wie bei einem Gewitter, nur um an der Bruchkante gleich wieder zusammenzufrieren und weiter zu jaulen.

Eisbeben – faszinierend und gruselig zugleich.

Die steigenden Temperaturen und der viele Neuschnee haben den See nun zum Schweigen gebracht. Der Schnee ist schwer, und isoliert gleichzeitig das Eis von der kalten Luft, so dass das Tiefenwasser es von unten erwärmt. Die Spannung verschwindet, und mit ihr die Eisbeben, und egal wie zornig der Wind darüber pustet, er wirbelt nur Schnee auf und kriegt auf seinem Instrument keinen Ton mehr zustande.

Unter den Eichen auf der Wiese nebenan watschelt eine Gruppe Enten futtersuchend durch den Schnee. Von hier aus sieht es aus als würden sie über die Wiese schwimmen, und hier und da mal nach etwas Essbarem abtauchen.

Masha schaut eine Weile fasziniert zu.

Auf einer unserer Wanderungen hat sie entdeckt dass unter dem Schnee die Mäuse spazieren gehen – und seither ist das Schneetauchen superinteressant. Vielleicht fragt sie sich wonach genau die Enten dort suchen? Mäuse?

Nicky jagt lieber umherfliegenden Blättern hinterher, die der Wind ausgegraben hat – und verschwindet dabei selbst immer mal wieder in den Schneewehen. Dieses wilde Spiel – völlig lautlos – bringt mich zum Lachen, obwohl es keineswegs mehr komisch oder tapsig ist, sondern geschickt, treffsicher, superschnell und hochkonzentriert.

Das kleine Katzenkind ist ein gefährlicher Jäger geworden, ihrer Beute haushoch überlegen und absolut tödlich. Wie schnell das ging…

Zu Fuß

Die Standardmethode der Fortbewegung bei Menschen ist das Laufen, und zwar üblicherweise auf zwei Beinen, wobei jeweils der ganze Fuß aufgesetzt bzw. mehr oder weniger abgerollt wird.

Menschen sind von Natur aus keine guten Sprinter – die Zweibein-Methode ist kompliziert, die Verteilung der Muskelkraft durch lange Hebel recht ineffektiv beim Vortrieb, und der Stützapparat notwendigerweise ziemlich steif, was Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit enge Grenzen setzt.

Dagegen sind Menschen aber extrem ausdauernde Wanderer. Bei niedrigem Tempo mit einigermaßen konstantem Schrittrhythmus kann ein Mensch im Prinzip den ganzen Tag laufen ohne müde zu werden – und auf diese Weise hunderte oder sogar tausende von Kilometern zurücklegen.

Das ist kaum überraschend, denn schliesslich hat das Wandern das Menschsein über hunderttausende von Jahren definiert – und wir sind physisch und mental am besten an ein nomadisches Leben angepasst.

Meine Schuhe allerdings nicht so:

Haglöfs Hiking Boots nach 2000km

Obwohl ausdrücklich als Wanderschuhe ausgewiesen, zeigen sie nach kaum acht Monaten und gerade mal etwa zweitausend Kilometern bereits deutliche Zeichen von Materialermüdung.

Das Oberleder ist rissig geworden und beginnt sich aufzulösen, und an einigen Stellen macht die Verschweißung der Sohle bereits schlapp.

Schwache Leistung für ein vielgelobtes Hightech-Produkt!

Winter

Vor drei Tagen ging der seit Wochen anhaltende Regen dann doch endlich in Schneefall über, und deckte die inzwischen völlig aufgeweichte, deprimierend matschgraue Landschaft mit einer hübschen weißen Decke zu.

Das sieht gleich viel ordentlicher aus, ist aber riskanter und schwieriger zu navigieren.

Einerseits hängen viele Äste unter der Schneelast bis zum Boden und versperren den Weg, und überraschen den darunter hindurchkriechenden Spaziergänger zuweilen mit kräftigen Lawinen aus nassem Schnee, und manchmal auch einem Eichhörnchen.

Andererseits verbergen sich unter dem Schnee viele knietief mit Wasser oder Matsch gefüllte Löcher, die dem unachtsamen Wanderer nicht nur die Schuhe klauen, sondern ihn obendrein auch noch mit der Nase voran in ganzer Länge in den Schnee plumsen lassen können. Ein langer Stab zum Vortasten ist also dringend zu empfehlen, auch wenn es so deutlich langsamer voran geht.

Ein Vorteil der Schneedecke ist dass die sonst unsichtbaren Spuren für die sich die Hunde stets begeistern nun auch endlich mal für die zweibeinigen Begleiter leicht erkennbar sind – abgesehen von Klauen-, Huf- und Pfotenabdrücken also vor allem die kleinen Löcher mit gelbem Rand, sowie Blutstropfen, und zertretene, plattgelegene Stellen mit verschiedenen Haaren.

Die Hunde sind ganz ausgelassen über die Aufmerksamkeit für ihre von uns sonst kaum beachteten Entdeckungen – und pflügen dafür extra gründlich mit ihren Nasen durch den Schnee.

Abgesehen davon findet zumindest Masha dass sich das weisse Zeug auch hervorragend naschen lässt – Eiskrem mit Waldgeschmack und Einlagen, in unbegrenzten Mengen!

Und natürlich kann man ungebremst und ausgelassen darin herumtoben dass das Zeug in alle Richtungen fliegt – gegen zwei mit Volldampf durch den Tiefschnee jagende Retriever ist eine Horde Kindergartenkinder richtig harmlos.

Der Schnürfel

Auf unserem Waldspaziergang bei Buxryd fanden wir heute einen Schnürfel.

Dabei handelt es sich um eine seltene, sechsflächige und völlig regelmässig geformte Variante des bekannten Schneeballs.

Ein echter Schnürfel

Der Schnürfel ist sehr empfindlich, und tritt nur bei gleichmässigem, leichtem Schnegen und Temperaturen knapp oberhalb des Gefrierpunkts auf.

Aufgrund seiner Seltenheit und des geringen Gewichts eignet er sich nur begrenzt als Wurfgeschoss. Dagegen ist er hervorragend zur Kühlung von kleineren Beulen oder auch Getränken geeignet.

Vorsicht übrigens: zu den natürlichen Fressfeinden des wilden Schnürfels gehören unter anderem unsere Haushunde (und Labrador Retriever ganz besonders). Für das Einfangen und Zurückbringen von flüchtenden Schnürfeln sind diese deshalb völlig ungeeignet.

Kleine Katze ganz groß

Endlich – 2020 ist vorbei! Hier ein kurzer Rückblick auf die Highlights des vergangenen Jahres:

.

Na gut, das soll genügen, ich fange ja schon an es schöner zu reden als es eigentlich war. Andere Jahre haben wir fröhlich ausklingen lassen, mit leuchtenden Augen noch einmal Revue passieren lassen…

2020 aber wurde in der Silvesternacht standrechtlich erschossen, aufgewischt, zusammengeknüllt und in den Mülleimer der Geschichte gestopft. Nichts davon ist wert besungen zu werden.

Obwohl – einen Moment mal…

In buchstäblich letzter Sekunde brachte das alte Jahr doch noch ein Statement das festgehalten werden sollte, und zwar in ganz und gar unerwarteter Form.

Das Feuerwerk hatte begonnen, und jeder der mit Hund und/oder Katze lebt kennt das Drama was sich in diesen Minuten abspielt: ein sonst furchtloser und stets gelassener Labrador bricht in Erwartung des bevorstehenden Weltuntergangs zu einem zitternden und wimmernden Häufchen Panik unter dem Couchtisch zusammen, die Katze verkriecht sich in ein unauffindbares Versteck dass nur ein Zehntel ihrer Größe hat, und es dauert den ganzen Neujahrstag die völlig verstörten Viecher wieder halbwegs in Balance zu kriegen.

Dieses Mal geschah aber etwas Unerwartetes.

Im Moment des allergrößten Lärms betrat ein kleines Katzenkind den Raum, horchte, fand den großen Hund unter dem Tisch, legte sich vor ihre Nase, begann zu schnurren und die überdimensionalen Hundepfoten zu lecken, und schmiegte sich dann laut schnurrend an ihren Kopf an.

Eine ganze Weile nach dem Ende des Feuerwerks entspannte sich Masha dann wieder und rollte auf die Seite – und erst dann suchte sich auch Nicky einen bequemeren und höher gelegenen Schlafplatz.

Nicky und Masha entspannen gemeinsam auf dem Sofa

Dass die beiden sich in dieser Art zusammentun um den größten Stress und Terror gemeinsam durchzustehen, spiegelt eine soziale Fähigkeit wieder die wir Menschen gern exklusiv unserer eigenen Art zuschreiben – und dann doch so oft nicht an den Tag legen, oder gar bewusst unterdrücken, obgleich sie einen Überlebensvorteil ist.

Und dieser Schlusspunkt gab dem vergangenen, ansonsten katastrophalen Jahr dann zu guter Letzt doch noch einen Sinn – einen Wink mit dem Zaunpfahl, möchte man das nennen.

Wie Hund und Katz…

Der kleine bunte Handfeger von Katze hat inzwischen den Namen ”Nicky” bekommen.

Seit sie vor anderthalb Wochen bei uns einzog, versucht Masha sich mit Nicky anzufreunden – aber dem gegenseitigen Verständnis steht einiges im Wege, und das beginnt mit den völlig entgegengesetzen Bewegungsfreiheiten.

Zum einen ist ein Hund ein bodengebundenes Wesen – das Beste was Masha entlang der Vertikalen aufzubieten hat sind Sprünge. Damit kann sie durchaus Hindernisse wie niedrige Hecken, Gartenzäune oder andere Hunde überwinden, vorausgesetzt sie hat ausreichend Platz davor und dahinter.

Nicky dagegen springt nicht nur ein Vielfaches ihrer eigenen Körperlänge senkrecht nach oben, sondern bleibt dann auch oft oben, und setzt mitunter die Vertikalbewegung sogar noch kletternd fort – selbst an nackten Wänden, sehr zu Masha’s Erstaunen.

Zum anderen ist Masha zwar recht wendig für ihre Größe, braucht dafür aber generell alle vier Pfoten auf dem Boden und, entsprechend der Masseträgheit, einen gewissen Planungs- und Bremsweg.

Nicky dagegen ist Bremsen völlig fremd. Sie hat kein Problem damit mitten im Sprung die Richtung zu ändern – und zwar in allen drei Achsen, so dass sie dann auf dem Rücken gleitend, mit allen Vieren in der Luft unter der Couch verschwinden kann.

Aus dem Stand seitwärts oder rückwärts rollen, vorwärts davonsprinten, mit einer Kralle am Türrahmen scharf nach links um die Ecke schlittern, und dann vor Masha’s Nase aus voller Fahrt auf dem Fleck wenden und unter dem großen Hund durchtunneln – und das alles in einem so atemberaubendem Tempo, dass Masha in der Kurve das Gleichgewicht verliert, den Teppich zusammenschiebt und mit der Nase an der Treppe anschlägt.

Ein anderer gravierender Unterschied sind die Sinne der beiden.

Masha ist, wie die meisten Hunde, ausgesprochen kurzsichtig und obendrein farbenblind. Da Nicky’s Fell ein total chaotisches Flecken- und Streifenmuster hat, wird sie auf dem Teppich, auf einem bunten Kissen oder im Herbstlaub für Masha völlig unsichtbar. Obendrein bewegt sie sich meistens völlig lautlos, und obwohl Masha eigentlich sehr gut hört, kann sie die Katze so nicht lokalisieren, selbst wenn sie direkt vor ihr läuft.

Nicky dagegen hört noch sehr viel besser als Masha, und weiß immer genau wo letztere sich gerade befindet, selbst wenn Hundchen in einem ganz anderen Teil des Hauses irgendwo still herumliegt. Wenn Masha sich in ihrer Nähe befindet, kann Nicky ihre Position und Bewegung ohne Sichtkontakt präzise genug abschätzen um sie hinterrücks anzuspringen.

Allerdings gibt es auch einen bemerkenswerten Vorteil auf Masha’s Seite: Intelligenz.

Wenn Nicky hinter oder unter einem Hindernis verschwindet, geht Masha um das Hindernis herum und sucht dahinter und/oder darunter – und wenn möglich und erforderlich, räumt sie das Hindernis auch einfach mal aus dem Weg, beispielsweise ein Kissen hinter dem das Kätzchen verschwand.

Außerdem hatte sie wohl ein paar Mal beobachtet wie ich das Katzenkind mit einem Schnürsenkel aus einer Ecke herauslockte – und als Nicky mal wieder unter der Couch verschwunden war, trabte Masha in den Flur, holte sich den Schnürsenkel, ging damit zur Couch und wedelte ein wenig damit herum…und prompt kam eine kleine krallenbewehrte Pfote zum Vorschein um sich das Spielzeug zu greifen.

Und natürlich gibt es einen enormen Klassenunterschied zwischen den beiden im Hinblick auf rohe Kraft und Ausdauer.

Das Kätzchen ist zwar blitzschnell und wendig, schafft es aber nicht einen Gummistiefel zur Seite zu drücken um an ein Stück Schnur heranzukommen dass dahinter gerutscht ist – da kommt der muskelbepackte Labrador zur Hilfe und rückt gleich das ganze Schuhregal zur Seite, einschließlich Kätzchen.

Und während Nicky nach ein paar Sprints müde ist und seelig in einem Blumentopf einschläft, will Masha erst einmal ein paar Kilometer durch den Wald rennen.

Allerdings, und das muss auch erwähnt werden, ist Masha ausgesprochen geduldig, rücksichtsvoll und sogar fürsorglich mit Nicky. Sie versucht sie sauber zu lecken soweit die nadelspitzen Krallen das zulassen, Futter wird geteilt, und wenn Kätzchen schläft, wird es in Ruhe gelassen.

Masha gibt sich auch viel Mühe die Kleine nicht zu verscheuchen oder versehentlich zu verletzen, macht sich klein und versucht auf alle Weisen freundlich und harmlos zu wirken. Dabei scheint sie sich zu merken worauf die Katze wie reagiert, und ihr Verhalten entsprechend zu modulieren: auf ihr erstes Wuff! bekam sie noch ein böses Fauchen mit angelegten Ohren, dann versuchte sie es erst leiser und in höherer Tonlage was ein wenig besser klappte, und inzwischen ist es nur noch ein gehauchtes Wuhuff? was Nicky toleriert.

Nicht einfach mit der Verständigung für Hund und Katz – aber wo ein Wille ist…und der ist ganz offensichtlich da, sehr zu unserer Freude.

A new family member

After losing our chief mouser and ”master of the shadows” Diego, we have decided to adopt a new cat – and today it was time to bring the baby home.

A funny animal, and a first challenge was to answer a friend’s question what it looks like. No point trying – someone has really had fun with the genes here.

If you want to know what it looks like – write down the descriptions of about twenty different cats you know, put the notes in a blender, run it for a minute, then throw the pieces up in the air, and what you see at that very moment…is a pretty accurate description.

The fur pattern is best described as completely and utterly chaotic – no symmetry, no regularity anywhere, and no two of the many different color patches looking even similar. Is it red? Yes. Is it black? Yes! Is it grey? Oh yes. White too? Of course. Stripes? Yapp. Spots? Sure. You name it.

Which also implies that it is a female, by the way.

In sharp contrast to all the cats I ever owned before, this one is a talker – and her vocabulary is just as diverse as the fur pattern. I’ve never heard so many different vocalizations from one and the same cat, especially not on the first day.

Something tells me that this is going to be a really interesting housemate.

Selektiver Allesfresser

Hunde sind Allesfresser, und Labrador Retriever ganz besonders.

Abgesehen vom Hundefutter, das ja kaum den Napf erreicht, frißt Masha im Prinzip alles was auch nur entfernt an etwas Essbares erinnert – wozu selbst Einkaufsnetze, Betonstückchen, Katzenkacke und Einlegesohlen rechnen.

Sie sucht regelmässig die Wiese nach kleinen Hasenkügelchen ab, schmatzt unverdrossen ein halbverwestes Kaninchen in sich hinein, leckt Vogelkacke vom Steg auf und, wenn sie die Gelegenheit bekommt, auch Erbrochenes, als ob zu beweisen dass ihr Magen das besser verträgt als der des ursprünglichen Essers.

Manchmal ist es zum Haareausraufen: nein, Masha, das kannst du nicht essen, spuck es aus! Manchmal spuckt sie es dann tatsächlich (kurz) aus, aber meist schaut sie nur erstaunt hoch: What do you man – I can’t eat this? …und kaut sachte und unauffällig, mit angelegten Ohren, weiter darauf herum, bis ich es ihr aus dem Maul nehme. Tauziehen mit einem halbverwesten Kaninchenfell.

Aber eine Tablette – oh nein, die spuckt sie fein säuberlich in hohem Bogen wieder aus, obwohl sie laut Beschreibung Fleischgeschmack hat, in Majonaise getaucht und in eine Scheibe Roastbeef eingewickelt ist. Natürlich leckt sie die Majonaise ab, aber die Tablette…nein, also das kann ein Hund nun wirklich nicht fressen, nicht mal ein Labrador Retriever.

Herrjeh…das erinnert mich an Terry Pratchett’s ”Wie man einer Katze eine Tablette gibt”, und den Ratschlag ”Zermahlen sie das verdammte Ding! Die Tablette also, nicht die Katze…”.

Und so ging es dann irgendwie: die Tablette feingemahlen und in die Majo gerührt, in eine neue Scheibe Roastbeef eingewickelt. Zwar versuchte sie trotzdem die Krümelchen wieder auszuspucken, aber dann hätte sie auch die Majonaise wieder ausspucken müssen…und in diesem extremen Ausnahmefall wählt der Labrador dann doch das kleinere Übel.