Pilzsaison

Trotz der Trockenheit dieses Sommers scheint es auch in diesem Jahr wieder eine reiche Pilzsaison zu werden.

Besonders auffällig sind die ungeheuren Mengen von Pfifferlingen – ein Pilzsammler aus einer benachbarten Region hatte letzte Woche im Laufe eines Vormittags satte siebzig Kilogramm eingesammelt. Was zum Geier macht man denn mit siebzig Kilo Pfifferlingen?

Seit ich Masha im Frühsommer für das Aufspüren der Gelblinge belohnte, lässt sie es sich nicht nehmen mich auf fast jeder Waldrunde zielsicher zu ihnen zu führen – obwohl man sich inzwischen schon Mühe geben muss keine zu finden. So habe auch ich inzwischen begonnen den Überschuss zu verschenken.

Meinen Geheimfavoriten dagegen findet Masha nicht: Russula vesca (Speisetäubling) ist geruchlos, und der fleischfarbige Hut macht ihn auf dem chaotisch gefleckten Waldboden für einen Hund weitgehend unsichtbar.

Russula vesca

Dieser Speisetäubling ist am ehesten daran zu erkennen dass die Huthaut nicht ganz bis zum Rand reicht, und die Lamellenspitzen dadurch wie eine Art ”Zähnchenkante” darüber hinauswachsen – im Bild gut zu sehen.

Die Hutfarbe variiert, insbesondere bei feuchter Witterung – sie wäscht sich sozusagen aus. Von dunklem Rotbraun bis zu blassem Altrosa ist alles dabei. Dadurch ist er leicht mit anderen Täublingen zu verwechseln.

Allerdings sind die Täublinge, die man tatsächlich zu essen fertigbringt, allesamt essbar. Bei den ungenießbaren Sorten genügt oft schon eine Berührung mit der feuchten Zungenspitze um zu erklären warum sie nicht essbar sind: ihr teuflisch brennend-bitterscharfer, ausgesprochen unangenehmer Geschmack verbietet sich von selbst.

Bei sehr flüchtigem Hinsehen könnte man den Speisetäubling auch mit dem Fliegenpilz oder dem Pantherpilz verwechseln – aber einen solchen Fehlgriff würde man schnell erkennen wenn man sich den Stiel genau anschaut: der Stiel des Täublings ist glatt, gerade ohne erkennbar abgesetzen Fuß, fest, und bricht ”wie eine Möhre” quer ab. Der Stiel beim Fliegenpilz oder Pantherpilz ist weich, beinahe schwammig, weist in aller Regel Hüllenreste auf (Ringe, Warzen, ”Söckchen”), hat einen verdickten Fuß (”Knolle”), und reißt ab statt zu brechen, wobei er oft faserig ausfranst.

Der Speisetäubling ist mein Favorit weil er beim Kochen weitgehend seine feste Konsistenz behält – er schmeckt angenehm, leicht nussig, und harmoniert gut mit anderen Pilzen und Gemüsen. Er eignet sich, ähnlich dem Champignon, auch gut für Salate.

Und – er kommt häufig vor, wird aber selten gesammelt. Leichte Beute, nur eben nicht für Hundenasen 😉

Kindergarten

Inzwischen sind die Katzenkinder acht Wochen alt – der Raubtierkindergarten hat damit ein Stadium erreicht, wo er quantenphysikalischen Prinzipien unterliegt.

Man kann den momentanen Aufenthaltsort der Katzenkinder lediglich als Verteilungsfunktion angeben, sie können massive Wände durchtunneln, sich auf beiden Seiten einer Tür gleichzeitig aufhalten, in einem Schuh verschwinden und in einem anderen wieder auftauchen, und gemäß der Heisenbergschen Unschärferelation ist es unmöglich gleichzeitig festzustellen wo genau sie gerade sind – und welche Art Unfug sie gerade treiben.

Was Schrödinger lediglich als Gedankenexperiment formulierte, lässt sich problemlos praktisch beobachten: der Blumentopf befindet sich also sowohl heil auf der Fensterbank, als auch in tausend Scherben auf dem Boden – bis man erschrocken hinrennt, und inmitten der Sauerei eine kleine Katze entdeckt die krampfhaft versucht in der verstreuten Blumenerde ihre frischen Exkremente zu vergraben.

Gleichzeitig begreift man mit Entsetzen dass dieselbe Zustandsüberlagerung ja auch für das in der Panik unbeaufsichtigt zurückgelassene Butterbrot in der Küche gilt.

Zum Glück ist die Katzenmama (Nicky also) ja eine Katze – und kann sich somit die in wilden Brownschen Bahnen durch’s Haus zischenden Minitiger mit blitzartigen Sprüngen immer mal aus der Luft fischen. Anschließend setzt sie ihr ganzes Körpergewicht ein um die zappelnden, mit ausgefahrenden Krallen fuchtelnden und um sich beißenden Knirpse an den Boden zu pinnen und zumindest halbwegs sauberzulecken.

Mittlerweile haben wir auch die Geschlechter bestimmt – es sind drei Kater und ein Kätzchen – und ihnen Namen gegeben. Der helle graurote Kater heißt Stanley, der fuchsrote Findus, der mit dem blaugrauen Frack heißt Tom, und ihre schwarz-bunte Schwester heißt Crypto.

Stanley

Masha hat den Tigerzoo als Spaßquelle und Herausforderung entdeckt, und bemüht sich als Kindergärtnerin. Sie springt mit den Kleinen im Garten herum, lässt sich fangen, als Trampolin gebrauchen und den Schwanz zerkauen, macht ihnen die Nasen sauber, und lässt sie ankuscheln und bei sich schlafen, während Nicky draußen auf Jagd ist, oder in der anderen Zimmerecke döst.

Stanley, Findus und Tom haben sich zu Masha gekuschelt während Mama Nicky auf Jagd ist

Generell ist Masha sehr behutsam, aber beim Spielen ist sie Tom schon mal auf die Hinterpfote getreten – woraufhin dieser entsetzlich losgequiekte. Masha erschrak, war sofort sehr besorgt, leckte die kleine Katzenpfote, versuchte ihn wieder auf die Beine zu stellen, und als das nicht richtig klappte, suchte sie Hilfe bei mir. Allerdings hatte auch Nicky das Geschrei gehört, und hatte das Problem bereits mama-magisch dadurch gelöst dass sie ihm dreimal über den Kopf leckte, dann konnte er wieder umherspringen als wäre nichts passiert.

Noch gut einen Monat werden die Katzenkinder bei uns sein – dann ziehen sie aus, hinaus in die Welt und in ihre neuen Zuhause. Nicky wird froh sein, aber für uns wird’s wohl kein leichter Abschied…

Water for dogs

You think Labrador Retrievers are naturally born swimmers? They’re not.

For a couple of weeks now, Masha has a new fried – a yellow Lab called Indra, whose human family, an elderly lady, just moved here.

Indra is a year older than Masha, and also the more fidgety, high-energy type of Lab, a superfast sprinter, fearless and frontal – and at the same time extremely kind and gentle, especially with humans.

She’s also very obedient – unlike Masha, to the point where she would wait for a command even in situations that demand urgent, independent decisions and responses. Her total lack of stubborness makes her very comfortable to walk with, but also a bit helpless and disoriented when the human fails to give clear directions, or makes obvious errors of judgment.

However, as we discovered today: Indra can’t swim.

It’s not that she doesn’t want to – she’s drawn to the water, and as long as her paws have contact with the ground, she enjoys every splash and drop. But in deeper waters, she struggles, paddling desperately to keep herself afloat, using only her front legs and therefore failing.

When we realized she cannot swim, we were a bit dumbfounded. Ever since Masha had discovered that the water would support her, there have been no limits to her swimming. Nobody has ever tought her – and to us, this was just natural: she’s a Lab after all, and they are known to be powerful, enduring swimmers from early puppyhood, and are often hard to keep out of the water.

So how can it be that Indra can’t swim? Apparently, she’s never learned how.

Masha seemed much less surprised, and much more vigilant, maybe because she already knew – and when Indra lost ground contact, Masha was quickly at her side and under her to bring her, piggyback, back into shallow water. Now we have seen her doing that before, with both humans and dogs, and I know her sense of distress in others is very reliable.


Another rather surprising difference between the two is that Indra looks around when searching for things, whereas Masha always only ”follows her nose”, quite literally. As a result, it is almost always Masha who finds first whatever we let them search for, like a heat-seeking missile – and it is also Masha who senses the presence of other animals or humans before anyone else does, and finds hidden treasures like sheep bones buried underground.

Why, though, would a dog search with her eyes while having a much more acute and precise sense available? In many ways, Indra seems to have learned her behavior primarily from humans, and much of her dog skills and powers seem suppressed and underdeveloped.

We’ll see how this develops when she’s spent a little more time with Masha. We’re taking her out two times a day, and let the dogs play and explore together.

Joker mit Quartett

Nicky hat vorgestern und gestern insgesamt vier Kätzchen zur Welt gebracht, und jedes davon mit einer anderen Farbe und Fellzeichnung.

Sie kamen paarweise, mit einer Pause von anderthalb Tagen dazwischen – und wie es scheint, haben sie paarweise verschiedene Väter, wobei der orange Streuner, den wir ja bereits in Verdacht hatten, offensichtlich für die ersten beiden rechts im Bild verantwortlich ist.

Geschlechter haben wir noch nicht bestimmt – allerdings ist das schwarze mit Sicherheit kein Kater, denn auf der Bauchseite ist es dreifarbig. Es ist auch das jüngste und kleinste, und das einzige dass Schwanz voran geboren wurde.

Nicky hat sich noch nicht wieder ganz erholt, und hängt noch ziemlich in den Seilen. Aber sie frißt normal und versorgt die Jungen, also warten wir erstmal ab wie es ihr in den nächsten Tagen geht.

Hundstage

Hundstage – so genannt weil…? Keine Ahnung.

Bei 32 Grad im Schatten wird aus dem Labrador eine Art Robbe – unsere Spaziergänge bestehen aus kurzen Sprints von einer schattigen Badestelle zur nächsten, und manchmal verlässt Masha dazu nicht einmal das Wasser: ich laufe am Seeufer entlang, während sie nebenher schwimmt oder watet.

Die Attraktion dieser Tage sind die Touristen, und ihre Hunde. Das Strandbad ist voll, überall wird gegrillt, es gibt so viel zu beschnüffeln und zu erforschen (und zu fressen)…völlig undenkbar dass wir uns im kühlen Haus verkriechen und die Hitzewelle aussitzen bzw. -liegen sollten.

Auf einer unbefestigten Straße am Waldrand steht ein mächtiger Volvo Kombi quer geparkt – dem Fahrer sind solche Straßen offenbar völlig fremd. Zu der feingekleideten Gesellschaft die aus dem Falschparker steigt gehört auch ein frischgewaschener und frisierter Springerspaniel, der sofort freudig loskläfft und im Kreis herumhüpft als er Masha entdeckt.

”Ich glaube er will lieber nicht Hallo sagen”…warnt das Frauchen mit dem Seidenschal, während sie Mühe hat die Leine zu halten. Ihr Hund ist ganz offensichtlich anderer Meinung – er kriegt das Maul nicht zu und kann die Pfoten vor lauter Schwanzwedeln kaum auf dem Boden halten.

Oh nein – er will viel mehr als nur Hallo sagen.

Er sieht vor sich einen wunderbaren Traum: Wasser, Wald, Freiheit und eine ebenso gut aussehende wie riechende Spielkameradin. Losrennen will er, mit einem Riesensatz von diesem Steg dort ins Wasser platschen, sich mit ihr im Schlamm wälzen, durch den Wald rennen…alles an ihm zeigt die große Sehnsucht, und das Glück ist so zum Greifen nahe.

Aber Frauchen ist nicht gekleidet für die Begegnung mit dem triefnassen, leicht modrig riechenden Labrador-Mädchen, das gerade ein dekoratives Muster von einer Million Schlammspritzern auf den auf Hochglanz polierten Volvo gezaubert hat. Frauchen’s Tochter hält sich erschrocken die Hand vor den Mund.

Ooops…

Vor sich hin fluchend, zerrt Frauchen Hund und Familie hinauf zum Uferweg, der eigens für solche Leute asphaltiert wurde. Auch gut…dann finden sie sicher auch den zugehörigen Parkplatz, der sich am anderen Ende des Weges befindet.

Stadtmenschen. Na denn…willkommen im Wald 😀

Beware – here there be wild things!

Schwangerschaftsgymnastik, cat-style

Nicky jagt Maikäfer, die korrekterweise vielleicht eigentlich Junikäfer heißen sollten – was in manchen Sprachen ja auch der Fall ist – denn sie treten immer um die Monatswende Mai-Juni auf.

Nicky ist momentan ein wenig hecklastig und rund um die Taille – wir sind noch schätzungsweise vier Wochen von einem Nest kleiner Wuschelbällchen entfernt.

Verantwortlich dafür zeichnet – vermutlich – ein orange gestreifter Streuner, der hin und wieder zum Fressen und Entlausen vorbeischaut. Der kleine Schwarzweisse von nebenan kommt zwar auch in Frage – oder tatsächlich, bei Katzen ist das möglich, sogar beide. Allerdings war der Streuner sehr viel übler zugerichtet, mit blutiger Nase, ausgerissenem Fell und geschlitztem Ohr, so ich tippe mal auf eher ihn.

Die Umstände halten sie aber nicht von ihrem halsbrecherischen Kung-fu ab um sich kurz nach Sonnenuntergang die orientierungslos herumbrummenden Krabbelviecher im Flug zu krallen und haufenweise zu vertilgen. Wenn erforderlich, klettert sie dazu sogar auf das Dach des Kaninchenstalls und springt von dort.

Auch ihre wilden Wettrennen mit Masha zieht sie nach wie vor durch: sie legt sich auf die Wiese, wartet bis Masha herankommt, lässt sich kurz von ihr beschüffeln, und springt dann plötzlich auf und sprintet Richtung Zaun – Masha natürlich hinterher – und dann mit einem Satz im hohen Bogen über den Zaun.

Dieser Trick verblüfft Masha jedesmal aufs Neue: wenn sie wollte, könnte sie problemlos hinterher springen, aber sie bleibt völlig fasziniert stehen und schaut mit heruntergeklapptem Kiefer der davonfliegenden Katze nach. Die hebt einfach ab!

So wachsen die kleinen Katzenbabys also in einem Jagdflugzeug heran, einschliesslich vorgeburtlichem G-Training. Na, mal sehen was das für welche werden…das kann ja lustig werden.

Oder auch nicht

Was habe ich da geschrieben – Dürre?

Am Tag nach meinem letzten Eintrag drehte der Wind auf Süd bis West, und brachte feuchte – wenngleich kalte – Luft zu uns, und es begann zu regnen. Und es regnete und regnete, den ganzen Mai über.

Fluss und See sind wieder gut aufgefüllt, und rundum ist es grün geworden. Vor allem den Bäumen hat der Wassernachschub sichtbar gut getan. Aber die Blüten liessen dank der Kälte auf sich warten – und viele Bienen, vor allem Solitärbienen, sind schlicht verhungert.

Jetzt, drei Wochen später als sonst, blüht deutlich mehr als in den meisten Jahren – allerdings sind es auch durchschnittlich andere Arten, die in diesem Jahr die Blütezeit dominieren.

Ich habe noch eine Linde gepflanzt.

Ursprünglich sollte an der Stelle ein Fächer-Ahorn wachsen, aber der hatte den Winter nicht überlebt. Die Wahrscheinlichkeit dass ein weiterer Versuch mit Fächer-Ahorn zum gleichen Ergebnis führt ist eher hoch – also haben wir uns nach etwas robusterem umgesehen, und dabei kamen wir auf entweder Birke oder Linde.

Eine Birke ist schön, aber kein sehr effektiver Schattenspender – doch genau darum geht es an diesem Platz: Mikroklima. Der Garten ist nach wie vor zu offen, es gibt fast keine Schattenplätze.

Eine erwachsene Birke deren lichte Krone irgendwo sieben, acht Meter über dem Boden beginnt, schafft auf Bodenniveau genauso viel Raum wie ein Fahnenmast. Peter hat so eine in seinem Garten: zwei Stämme, gut zwanzig Meter hoch, ein wunderbarer Baum – aber gegen Sonne, Wind und Regen so hilfreich wie eine Spitzengardine.

Eine Linde dagegen schafft schon als relativ junger Baum mit ihrer dichten Krone ein effektives Dach mit sowohl Sonnen- als auch Windschatten, und genau das braucht es hier.

Na ja, zugegeben – Linden sind schlicht meine Lieblingsbäume, und das war letztlich ausschlaggebend.

Nun, da wir jetzt zwei Linden haben, sollten wir ihnen Namen geben. Wer einen Namen hat, hat auch eine Geschichte – und aus Geschichten wird die Ewigkeit gemacht.

Vorschläge sind willkommen.

Dürre

Der Frühling, der sich vor einem Monat so stürmisch ankündigte, ist noch keinen Schritt weitergekommen. Es wurde wieder kalt, die Nächte oft frostig, und lange Zeit wehte ein kalter Ostwind.

Dazu kommt, dass es seit Anfang April nicht mehr geregnet hat. Die Wasserpegel sind wieder extrem niedrig, und an einigen Stellen liegt das Flussbett frei, nur ein schmales Rinnsal fließt zwischen den Steinen durch.

Auf der Morgenrunde am See

Früher herrschten hier westliche Winde vor, die warme Luft und öfter mal Regen brachten. Seit einigen Jahren ist Westwind aber Glückssache – die Hauptwindrichtung hat auf Ost gewechselt, und so ist es im Frühjahr kälter, und im Sommer heißer, und das ganze Jahr über viel zu trocken.

Leider scheint sich dieser Trend auch in diesem Jahr fortsetzen zu wollen.

Osterwandertage

Småland kann richtig schön sein…

Wenn einem im Moment das Wetter nicht gefällt, muss man einfach nur zehn Minuten warten – und dann aber schnell sein. Strahlend blauer Himmel mit wärmendem Sonnenschein an einer Straßenecke…und schwarzgraue Wolken, eisiger Wind und Schnee oder Graupelschauer an der nächsten.

Es ist unmöglich, sich wettergerecht anzuziehen und dann wettergerecht angezogen zu sein.

Warm draußen? Ne, echt jetzt?

Eben bin ich mit Masha von der Abendrunde gekommen – ein schöner, warmer und sonniger Frühlingsabend im Wald. Jetzt rieselt vor dem Fenster wieder leise der Schnee…

Ja, ja – ich weiß, das nennt man Aprilwetter. Diesen Spruch habe ich in den letzten fünf Tagen mindestens hundert Mal gehört, und vor lauter Volksweisheit dennoch vergessen das Kalenderblatt zu wechseln. Ach ja: es ist ja nicht nur Aprilwetter, sondern auch April…und Eierversteckfest.

Wie versteckt man mit Speckschwarte auf Hochglanz polierte Eier, wenn man einen Labrador im Haus hat? Richtig – zwischen Speckschwarten, oder genauer gesagt: zwischen massenweise Duftmarken von Speckschwarten. Dieses Mal hatte ich meine Lektion gelernt, und es hat auch weitgehend funktioniert. Ein einziges Ei hat Masha lokalisiert, alle anderen blieben für die Zweibeiner zu finden.

Masha und ich probieren wieder neue Wanderrouten aus – heute ging es vom Ingelstorp zum Dackeleden und wieder zurück, eine recht kurze Runde von etwa sieben Kilometern.

Die Strecke führte zuerst durch eine lichte Kiefernplantage, dann durch älteren Fichtenbestand und schließlich über einen ausgedehnten Kahlschlag. Definitiv keine Sommerrunde – das wird viel zu warm, und abgesehen von einem kleinen Bach den wir zweimal kreuzten, gibt es keine Wasserstellen. Auf der Karte ist linkerhand zwar ein Sumpfgebiet ausgewiesen – wir haben aber heute keinen Weg dorthin finden können. Na ja, vielleicht beim nächsten Mal.

Eine andere Strecke, die wir nun endlich mal erforscht haben, ist die größere Buxryd-Runde. Man geht bei Buxryd vom Pianovägen nach Süden, und hält sich auf dem Waldweg immer rechts, bis er auf einen Querweg mündet. Geht man diesen nach rechts, kommt man zurück nach Buxryd Gård – geht man allerdings nach links, endet der Weg nach etwa einem halben Kilometer plötzlich.

Letzte Woche haben wir uns davon nicht stoppen lassen und sind einfach mal geradeaus weiter durchs Gehölz gegangen, und tatsächlich beginnt nach nicht einmal hundert Metern wieder ein Weg – zunächst nur ein halbverwildeter, schmaler Pfad, der dann aber immer deutlicher und breiter wird, bis man plötzlich – genau in der Schußlinie eines Jägerstands – aus dem dichten Wald auf einen alten Fahrweg tritt, der einmal mit Schotter befestigt war.

Rechterhand liegt dort ein ausgedehntes Sumpfgebiet mit vielen Wasserstellen, und diverse kleine Bäche kreuzen den Weg. Links steht sehr junger Wald, durchsetzt von einzelnen, riesigen Kiefern und Espen. Der Weg ist gemütlich, mit sonnigen und schattigen Abschnitten und einigen Sitzgelegenheiten zum Verweilen und Kaffeetrinken – und ein paar faszinierenden Wegmarken.

Auf halbem Weg zurück steht beispielsweise eine schiefe Kiefer – sicher dreißig Meter hoch, und fast 45 Grad geneigt. Sie lehnt gegen nichts, sondern steht in ihrer absurden Neigung völlig frei, als hätte jemand beim Umstürzen die Pausentaste gedrückt und vergessen den Film weiterlaufen zu lassen. Und der Weg führt genau dort entlang wo der Stamm aufschlagen würde – aber sie scheint völlig intakt und stabil zu stehen, und schwingt frei im Wind. Logischerweise haben wir diese Kiefer ”Schiefer” getauft.

Noch ein Stück weiter, auf einem kleinen Hügel wie auf einem Podest, und umringt von Babyfichten, steht der Überrest einer einst riesigen Fichte, mit ungefähr einem Meter Stammdurchmesser. Der vielleicht sechs Meter hohe, silbergraue Stammrest hat keine Rinde mehr, und ist übersät mit -zigtausenden Insekten-Bohrlöchern, dicht and dicht – ein Hochhaus! Wir haben es ”Grand Hotel” getauft, und es ist unmöglich zu übersehen.

Nach dem Grand Hotel erreicht man nach gut einem Kilometer wieder den Pianovägen, ungefähr einen Kilometer westlich von Buxryd. Eine wirklich schöne, und absolut sommertaugliche Runde.

Garten Cup

Was ist lustiger als mit einem Labrador Retriever Fussball zu spielen? Mit zwei Labrador Retrievern Fussball zu spielen!

Das Spiel beginnt indem ein menschlicher Mitspieler den Ball aufs Feld bringt und ein wenig vor sich hin dribbelt. Wenn dann der Boden anfängt zu vibrieren, gibt es zwei Möglichkeiten zwischen denen er sich blitzschnell entscheiden muss: aus dem Weg gehen, oder den Ball spielen.

Ganz egal wie er sich entscheidet, das Spiel ist damit eröffnet. Das Prinzip ist folgendes:

Ist der Ball frei, wird er gejagt. Wer den Ball zuerst erreicht, hält ihn fest – während alle anderen versuchen ihn dazu zu bringen den Ball fallen zu lassen. Dabei sind alle Tricks erlaubt – außer Einbuddeln des Balls. Lässt er den Ball los, wechseln die Rollen. Die Rolle der menschlichen Mitspieler ist, den Ball zu befreien und wegzuschießen, womit dann die Jagd von vorn beginnt.

Im Unterschied zum menschlichen Fußballspiel wird hier aber nicht gegeneinander gespielt: der einzige Gegner auf dem Feld ist der Ball. Dessen Überlebenschancen sind verschwindend gering, aber die Stimmung ist phänomenal.

Beim Spiel gelten prinzipiell Hunderegeln: es wird geknurrt, gebellt, gezogen, geschubst, getreten, gehauen, gebissen – aber alles nur zum Schein. Es wird mit vollem Körpereinsatz gespielt, aber rücksichtsvoll so dass niemand verletzt wird. Keine Attacke kommt mit voller Kraft, und immer wieder wechseln die Rollen.

Gesten spielen dabei eine große Rolle – immer wieder versichern die Hunde ihren Mitspielern dass alles nur Spiel ist. Spielverbeugung, Blickwendung zur Seite, Augenzwinkern (mit beiden Augen), locker hängende Unterkiefer und im Fahrtwind flatternde Hundezungen. Und signalisiert einer der Spieler Ungemach oder Angst, wird das Spiel sofort unterbrochen und sich um ihn gekümmert.

Das Ziel des Spiels ist…zu spielen, nichts weiter. Die wilde Jagd und Rauferei ist kein Kräftemessen, sondern Zuwendung, Unterhaltung, Freundschaftspflege und schlicht Spaß miteinander.

Es gibt am Ende weder Gewinner noch Verlierer (vom Ball und ein paar Hosen einmal abgesehen), sondern nur zwei glückliche Labrador Retriever die hechelnd halb aufeinander im Gras liegen und ihre durchgeschwitzten und erschöpften zweibeinigen Spielkameraden zufrieden angrinsen.

Zeit für Kaffee.