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Campingausflug

Letzte Woche waren wir mal wieder zum Camping – dieses Mal ganz weit weg.

Na ja – also „ganz weit“…wir sind jedenfalls gut zehn Stunden mit dem Auto immer nach Norden gefahren, und trotzdem nur bis etwa zur Mitte des Landes gekommen. Und ganz oberflächlich betrachtet war die Landschaft dort immer noch genau dieselbe wie Zuhause: Wald und Wasser, Wasser und Wald, und noch mehr Wald und noch mehr Wasser.

Allerdings fehlten schon etwa ab der Hälfte des Weges die Eichen und Buchen, und auch die bei uns zuhause so weit verbreiteten und oft gigantischen Mantelfichten wurden immer seltener und sahen eher klein und mager aus. Am Ende des Weges wurde die Landschaft von dünnen Kiefern, Espen und Birken beherrscht, dafür aber oft mit dichtem Unterholz und meterhohem Gras.

Die Stämme der Bäume dort im Norden erscheinen mir auch sehr viel deutlicher gefärbt – die Kiefern im typischen kräftigen Orange, und die Birken in strahlendem Weiss, wie frisch gewaschen. Zuhause sind sie meist eher grau und von Moos und vor allem Flechten überzogen, aber dort sind sie oft völlig frei von jeglichem Bewuchs.

Unser Campingplatz lag an einem kleinen Teich, und war sehr gemütlich:

Was ich gar nicht bedacht hatte war dass es dort um diese Jahreszeit überhaupt nicht dunkel wird, etwa so wie bei uns um Midsommar herum – das Foto oben sieht vielleicht aus wie nachmittags um die Kaffeezeit, ist aber um Neun abends aufgenommen. Zwischen Elf Uhr abends und Ein Uhr morgens herrschte so etwas wie Dämmerung, also mit der Sonne ganz knapp unter dem Horizont – aber immer noch hell genug um ohne irgendwelches künstliches Licht draussen zu sitzen und ein Buch zu lesen. Zu allen anderen Zeiten schien die Sonne.

Das verwirrt natürlich wenn man nachts um halb Drei aufwacht weil einem die Sonne direkt ins Gesicht scheint 😀

Der Campingplatz ist auf einer Halbinsel gelegen die sich in südlicher Richtung ins Bottenmeer erstreckt. Die gesamte Halbinsel ist mit Wasserflächen übersät – auf die knapp zehn mal sieben Kilometer kommen mindestens fünfzehn Seen und kleinere Teiche.

Die Wege sind zwar nicht befestigt, aber durchgehend gut befahrbar.

Die Halbinsel wird schon seit Tausenden von Jahren von Fischern bewohnt und bewirtschaftet – allerdings hatte sie während der Bronzezeit nur etwa ein Drittel ihrer heutigen Grösse. Die vielen kleinen Seen und Teiche sind nämlich Überreste des Bottenmeeres: nach dem Ende der Eiszeit begann sich das Land, vom Gewicht des Eises befreit, aus dem Meer zu heben, etwa einen Meter pro Jahrhundert, wodurch die ursprünglichen Buchten vom Meer abgeschnitten und zu Seen wurden.

Besonders eindrucksvoll zu sehen ist das anhand alter Grabrösen (Steinhaufen). Die Fischer legten diese Grabrösen nämlich am Strand oder auf vorgelagerten Inseln an – heute allerdings liegen sie zwanzig bis dreissig Meter über dem Meeresspiegel, mittem im Wald:

Einige der Grabstätten hatten eine enorme Grösse. Diese hier liegt etwa 30 Meter hoch über dem Bottenmeer (ist also etwa 3000 Jahre alt):

…und besteht aus tausenden von Felsbrocken, die die Fischer mit ihren Booten auf eine vorgelagerte Insel geschafft hatten, um ihren Toten diese Ruhestätte zu errichten:

(Gut zu sehen in den Bildern oben ist wie klein und mager die landschaftsprägenden Kiefern aussehen)

Ebenfalls am Südende der Halbinsel haben die Fischer im 18. Jahrhundert diese kleine Kapelle gebaut:

Sie ist komplett in aus Holz gebaut – auch das Dach ist mit Holz gedeckt – alles in Handarbeit. Und nicht etwa grobe Zimmermannsarbeit, sondern hingebungsvolle Handwerkskunst, die das Auge eine ganze Weile beschäftigt:

Jede Bank trägt das Zeichen einer ortsansässigen Familie, und alles ist handbemalt, einschliesslich Decke, Wände, Altar und die kleine Kanzel. Hier wurden – und werden immer noch – Hochzeiten gefeiert, Andachten für die Verstorbenen gehalten und natürlich für gutes Wetter, guten Fang und Gottes Segen gebetet 😉 in welcher Rangordnung auch immer. Ein brilliantes Stück Handwerk, und ein wunderbarer Ort.

Die etwa ebenso alte Domkirche gute zwanzig Kilometer weiter nördlich (Härnösand) ist natürlich sehr viel grösser und prachtvoller:

…wenn auch weit weniger familiär. Letzteres aber nur baulich – beim Betreten der Kirche nahm uns dort sofort eine ältere Diakonisse in Empfang und führte uns durch das gesamte Haus, die Kapellen und die Sakristei und erklärte uns alles was es über diese Kirche zu wissen gab, und noch ein bisschen dazu 🙂 Einfach so.

Die Stadt rund um die Domkirche ist typisch nordisch – auf einer vorgelagerten Insel gebaut (somit leicht zu verteidigen), mit Yachthafen und feinen Stadthäusern. Schön anzusehen, vor allem weil sie nach dem Stadtfest vor knapp zwei Wochen immer noch prächtig geschmückt war.


Und als Sahnehäubchen obendrauf gab’s noch ein (privates) Auto-Museum, mit Karossen aus den 1920er Jahren, US Autowahnsinn aus den 50ern und 60ern, europäischer Auto-Kleinkunst nach der Ölkrise der 70er, Ost-Autos, alte Feuerwehren, und logischerweise jede Menge Volvo und Saab aus allen Zeitaltern, einschliesslich dem allerersten Volvo. Alles aus der Nähe, zum Dranschnuppern, und manche auch zum Anfassen oder sogar Probesitzen (Mann, so ein alter T-Ford war wirklich ausgesprochen unbequem!).

Alles in allem – ein schöner und interessanter kleiner Urlaub. Na ja, von der langen Autofahrt mal abgesehen…nächstes Mal nehmen wir besser wieder die Bahn 😉