Die halbe Meile

Ich fahre mal fort mit ein paar Ortsansichten, aufgenommen wieder mal bei einem Spaziergang mit Masha.

Dass die Bilder etwas grau und düster wirken ist eine korrekte Abbildung der Wirklichkeit – es ist November, und da gibt es nicht gerade viel Tageslicht hier. Zudem ist der Himmel permanent wolkenverhangen, was die Stimmung noch etwas düsterer macht – aber auch das ist für diese Jahreszeit völlig normal.

Unsere Mittagsrunde am Dienstag führte zur alten Eisenbahnbrücke am Hinsaryd Göl, weiter nach Sandslätt und dann am Riksväg 125 entlang wieder zurück – eine schöne Runde von ungefähr fünf Kilometern, also eine halbe schwedische Meile.

Der Weg beginnt an der neuen Feuerwache, mit der jungen, bildschönen Roßkastanie davor – eine in dieser Gegend eher seltene Baumart.

Die neue Feuerwache von Alsterbro

Vor gut einem Jahrhundert verliefen hier noch Gleise – auf dem Bild oben sieht man hinter der Wache schon die Dachspitzen des ehemaligen Bahnhofsgebäudes.

Das Empfangsgebäude des vormaligen Bahnhofs – ein imposantes Bauwerk für einen so kleinen Ort. Steht schon lange leer und ungenutzt.

Von der Feuerwache aus marschieren wir Richtung Südosten, in etwa der ehemaligen Eisenbahnlinie folgend. Dabei kreuzen wir die Stammleitung Südost, das Rückgrat der regionalen Stromversorgung.

Hochspannungsleitungen kurz hinter dem Ortsende

Nicht weit davon befindet sich die örtliche Wasseraufbereitungsanlage, mit biologischem Reinigungswerk.

Im Frühjahr wurden hier Glasfaserkabel verlegt, und bei dieser Gelegenheit auch ein schon lange defektes Ventil an der Wasserhauptleitung endlich ausgetauscht. Um die Wasserversorgung des Orts sicherzustellen, wurde hier zeitweilig Wasser aus Tanks eingespeist.

Wasseraufbereitungsanlage mit biologischem Reinigungswerk

Hinter dem Wasserwerk folgen wir wieder der ehemaligen Bahnlinie, die heute nur noch ein – entsprechend schnurgerader – Waldweg ist. Dieser etwa einen Kilometer lange Weg ist die kürzeste Verbindung zwischen Alsterbro und Sandslätt: eben, wetterfest, weit abseits der Landstraße, und daher die bevorzugte Strecke für Fußgänger und Radfahrer.

Der Weg führt quer durch das Hinsaryd Göl, einem Sumpfgebiet mit einem kleinen See entlang des Alsterån (= des Flusses „Alster“).

Am Hindaryd Göl, Westseite des Weges
Hinsaryd Göl, Blick nach Osten zum Kraftwerk

Dort wo der Weg den Fluß kreuzt, befindet sich eine hübsche eiserne Bogenbrücke, die daran erinnert dass der heutige Waldweg einst eine Bahnstrecke war.

Alte Eisenbahnbrücke

Östlich der Eisenbahnbrücke sieht man das Wehr des örtlichen Kraftwerks.

Kraftwerk Sandslätt

Dieses Kraftwerk versorgte einmal eine Möbelfabrik und die zugehörige Arbeitersiedlung, die wir kurz nach der Brücke erreichen.

Die ehemalige Möbelfabrik in Sandslätt

Die Fabrik wurde schon vor Jahrzehnten aufgegeben – steht aber noch voller Maschinen und halbfertiger Möbel. Sieht man über den natürlichen Verfall hinweg, sieht es aus als wäre die Belegschaft nur auf einem Betriebsausflug und würde die Arbeit morgen wieder aufnehmen.

Entlang der Zufahrtsstraße zur Möbelfabrik erstreckt sich die Siedlung Sandslätt.

Sandslätt, Barklunds Väg, Blick von der Möbelfabrik nach Westen
In Sandslätt, Rosenströmsvägen

Von Sandslätt aus marschieren wir entlang des Riksväg 125 (Landstraße) in nördlicher Richtung zurück nach Alsterbro, vorbei an der Siedlung Hinsaryd.

In Alsterbro überqueren wir die Alsterbrücke, die unserem Ort seinen Namen gab. Wie früher schon einmal erwähnt, befindet sich auch hier ein Wehr samt Kraftwerk, das allerdings schon lange stillgelegt ist.

Ehemaliges Kraftwerk an der Alsterbrücke, Generatorhaus und Arbeitskanal

Es gibt hunderte solcher kleinen, lokalen Wasserkraftwerke im ganzen Land – aber nur wenige die noch in Betrieb sind. Einige davon werden als Museum erhalten und gepflegt, andere sind dem Verfall ausgeliefert.

Dezentrale Stromversorgung war einst Standard – aber der Betrieb und Unterhalt eines solchen kleinen Kraftwerks ist aufwändig, während seine Leistung für den heutigen Energiebedarf viel zu gering ist.

Außerdem schaden die Wehre der Artenvielfalt im und um den Fluss sowie einigen einheimischen Fischarten. Vor allem verschlimmern sie, jeweils flussabwärts, das Problem der extrem niedrigen Wasserstände bei anhaltender Trockenheit – die in den letzten Jahren immer häufiger auftritt.