Silberner Oktober

Laut Wetterstatistik war die erste Oktoberwoche die wärmste Oktoberwoche seit vierzig Jahren.

Das war’s dann aber auch damit – kein goldener Oktober. Die zweite Woche des Monats war komplett grau und verregnet, zeitweise stürmisch. Binnen weniger Tage waren die Bäume kahl und das schöne bunte Laub nur noch ein Haufen Blättermatsch.

Und dann wurde es kalt, mit Nachttemperaturen deutlich unter Null, und Tageswerten nur wenig darüber. Morgens ist die Landschaft nun immer mit Reif bedeckt, und die Pfützen mit einem Eispanzer überfroren.


Die überwinternden Habaneros sind inzwischen wieder ins Fensterbrett gezogen, um Nässe und Kälte zu entkommen.

Diese Früchtchen haben es wirklich in sich: nach vorsichtiger Testung haben wir eine Dosierung von etwa 1/10 Schote auf einen Topf (sechs Portionen) Linsencurry als gerade noch tolerabel befunden.

Die Habaneros schmecken eigentlich erst einmal sehr gut – fruchtig, süss-aromatisch, besser noch als gewöhnliche Paprika.

Nach einigen Sekunden beginnt dann aber das Capsaicin zu wirken, erst nur ein leicht scharfer Nachgeschmack, der dann aber immer stärker und stärker wird und in ein heftiges Brennen übergeht dass sich rapide ausbreitet bis das ganze Gesicht in Flammen steht. Als Gegenmittel eignet sich übrigens Crème fraîche (kein Wasser! – das macht’s nur schlimmer).

Vorsicht ist geboten nachdem man die Schote mit blossen Händen angefasst hat – dann bloß nicht die Tränen aus den Augen wischen! Sonst nehmen selbige nämlich kein Ende.


Inzwischen befasse ich mich weiter mit der Welpenerziehung. Wir lernen gerade dass es Menschen gibt die Hunde nicht mögen oder sogar vor diesen Angst haben.

Angst vor Hunden ist im Grunde berechtigt – ein großer, erwachsener Hund kann einen Menschen schwer verletzen oder sogar töten. Ihr Gebiss und die zugehörige Muskulatur sind dazu gemacht Fleisch zu zerfetzen und Knochen zu brechen, und sie haben genug Aggressivität, Kraft und schnelle Reflexe um auch mit wild kämpfender oder um sich schlagender Beute fertigzuwerden.

Zwischen diesem brutalen Raubtierverhalten und dem sanften, freundlichen und respektvollen Umgang mit Menschen stehen lediglich soziale Instinkte und Erfahrungen des Hundes, sowie Erziehung und Training. Eine angeborene Sicherung gegen Aggressivität gegenüber Menschen gibt es beim Hund nicht.

Aggressives Raubtier? Nja…eher ein überdimensionaler Teddybär, in diesem Fall.

Anders als Katzen sind Hunde aber keine Einzelgänger, sondern leben in Gruppen – und tun instinktiv alles um sich in die Gruppe zu integrieren und akzeptiert zu werden. Dass ihr „Rudel“ häufig vor allem aus Menschen besteht ist dabei für die Hunde sogar vorteilhaft.

Hunde studieren intensiv die Hierarchie und Verhaltensregeln des Rudels, und versuchen sich aktiv am Gruppenleben zu beteiligen. Dabei lernen sie, wie sie sich in verschiedenen Situationen – zum Beispiel Begegnungen mit anderen Menschen oder Tieren – zu verhalten haben, und zwar nicht nur um selbst zu überleben, sondern eben auch um das Rudel zu schützen und diesem nützlich zu sein.

Und genau dadurch können Hunde auch lernen freundlich und respektvoll mit anderen Menschen und Tieren umzugehen – und eben auch Menschen mit Angst vor Hunden in Ruhe und mit viel Raum vorbeiziehen zu lassen.

Das funktioniert ganz gut – inzwischen wartet Masha bei anderen Menschen auf eine Einladung bevor sie sich ihnen nähert. Nun muss sie noch lernen auch meine Erlaubnis abzuwarten – oder überhaupt erst einmal danach zu fragen. Nun ja – eins nach dem anderen.