Älter als die Geschichte selbst


Mein nächstes Projekt befasst sich wieder mit einem unpraktischen Küchenschrank.

Auch dieser ist zu schmal und zu tief – man muss die vorn stehenden Dinge erst herausnehmen um an die hinteren heranzukommen. Es liegt also nahe hier ein paar Schubkästen einzubauen, wobei wir aber die Tür erhalten wollen.

Erwartungsgemäss ist das Innenmass des Schranks an überall ein wenig unterschiedlich – es bleibt also nur Massanfertigung. Der Schrank an sich ist aber sehr solide gebaut, und das Holz – trotz schätzungsweise fünfzig Dienstjahren – tadellos erhalten.

Ich habe also schon mal angefangen – zunächst mit der untersten Lade, die auch die grösste wird.

Nun bin ich ja ein Anfänger in Sachen Holzarbeit, und habe daher viel zu wenig Erfahrung um ein sinnvolles Urteil über Werkzeuge in diesem Bereich abzugeben. Aber meine Erfahrung mit dieser Feinsäge (kanadisches Fabrikat) verdient trotzdem Erwähnung: sie ist superscharf, braucht fast keine Kraft und folgt ganz exakt ihrer eigenen schmalen Spur – als schneidet man mit einem Filetiermesser durch einen Apfel. Das macht einem die Sache wirklich leicht.

Allerdings muss man üben, denn wenn man Gewalt anwendet wird sie sofort bockig und blockiert. Sachte, sachte – lange, ruhige Züge ohne Druck, und mit möglichst vielen Zähnen zugleich. Geht fantastisch gut, wie Magie.

Für mich ist es zwar das erste Mal, aber tatsächlich ist diese Verbindungstechnik schon über 5000 Jahre alt:

Man kann sie natürlich mit der Maschine herstellen, aber sie von Hand zu schneiden gibt ein echtes Erlebnis von Mensch versus Holz. Es ist wirklich erstaunlich was eine Menschenhand alles fertigbringt, wie genau man jede Bewegung, jeden Muskel auf den feinsten Widerstand im Material abstimmen kann, um es zu formen ohne es zu zerstören.


Natürlich probiere ich verschiedene Varianten aus – aber hier halte ich mich erstmal ans Standard-Design. Die Verbindungen der Vorderseite sind also halb verdeckt und von vorn nicht zu sehen – die auf der Rückseite sind durchgehend.

Noch nicht perfekt – aber ich habe ja noch zwei weitere Schubladen zum Üben 😉