Schnee von gestern

Obwohl diese Nacht fast zehn Grad wärmer ist als noch am vergangenen Wochenende, fühlen sich die -6°C heute deutlich kälter an.

Merkwürdig. Vielleicht funktioniert das Temperaturgefühl nur in einem bestimmten Bereich, und liefert außerhalb dessen gar keine brauchbaren Informationen? Bei -16°C habe ich jedenfalls nicht gefroren, nur das Atmen beim Laufen wurde etwas anstrengender.

Die Spaziergänge durch die eisigen, klaren Nächte boten gleichwohl ein interessantes Schauspiel: die gigantische Eisplatte auf dem See vibriert nämlich wenn der Wind darüber bläst, und gibt dadurch gespenstische, klagende Töne von sich, die aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen scheinen. Huhuuh.

Und dann, ganz plötzlich, bricht die durch Kälteausdehnung stark gespannte Platte mit krachendem Donner wie bei einem Gewitter, nur um an der Bruchkante gleich wieder zusammenzufrieren und weiter zu jaulen.

Eisbeben – faszinierend und gruselig zugleich.

Die steigenden Temperaturen und der viele Neuschnee haben den See nun zum Schweigen gebracht. Der Schnee ist schwer, und isoliert gleichzeitig das Eis von der kalten Luft, so dass das Tiefenwasser es von unten erwärmt. Die Spannung verschwindet, und mit ihr die Eisbeben, und egal wie zornig der Wind darüber pustet, er wirbelt nur Schnee auf und kriegt auf seinem Instrument keinen Ton mehr zustande.

Unter den Eichen auf der Wiese nebenan watschelt eine Gruppe Enten futtersuchend durch den Schnee. Von hier aus sieht es aus als würden sie über die Wiese schwimmen, und hier und da mal nach etwas Essbarem abtauchen.

Masha schaut eine Weile fasziniert zu.

Auf einer unserer Wanderungen hat sie entdeckt dass unter dem Schnee die Mäuse spazieren gehen – und seither ist das Schneetauchen superinteressant. Vielleicht fragt sie sich wonach genau die Enten dort suchen? Mäuse?

Nicky jagt lieber umherfliegenden Blättern hinterher, die der Wind ausgegraben hat – und verschwindet dabei selbst immer mal wieder in den Schneewehen. Dieses wilde Spiel – völlig lautlos – bringt mich zum Lachen, obwohl es keineswegs mehr komisch oder tapsig ist, sondern geschickt, treffsicher, superschnell und hochkonzentriert.

Das kleine Katzenkind ist ein gefährlicher Jäger geworden, ihrer Beute haushoch überlegen und absolut tödlich. Wie schnell das ging…