Quarantäne

Unsere Landschaft aus der Fichtenperspektive

Hallo René,

Masha hat sich Fuchsräude eingefangen, eine Hautkrankheit die von Milben verursacht wird, welche kleine Gänge in die Haut graben um dort ihre Eier abzulegen. Die Folge ist eine allergische Hautreaktion mit extremem Juckreiz, Haarausfall und massiver Schuppenbildung.

Die Räude ist recht leicht zu behandeln – die Tablette die Masha zur Zeckenprophylaxe bekommt tötet nämlich auch die Grabmilben. Wir brauchten also nur ein wenig früher als geplant damit beginnen. Es wird aber noch einige Wochen dauern bis sich die Haut wieder erholt hat und der Juckreiz ganz verschwindet.

Trotz erfolgreicher Behandlung muss sie sich nun einen Monat lang von anderen Hunden fernhalten, da die Räude sehr ansteckend ist – und wenn Infektionen dazukommen, kann das für einen Hund durchaus tödlich ausgehen.

Die Isolation von ihren Freunden ist für Masha natürlich eine schwere Strafe – einerseits ist sie das nicht gewöhnt, zum anderen versteht sie natürlich überhaupt nicht worum es geht.

Und natürlich braucht sie sie nicht zu sehen um zu wissen wer von ihnen wo ist und was sie gerade machen – wenn der Wind richtig steht, wittert sie sie hunderte Meter weit, und sie hört Bamse zuhause kläffen wenn wir oben auf der Bingorunde spazieren gehen – immerhin gut zwei Kilometer entfernt!

Dazu kommt noch das ”Facebook für Hunde”, dass sie dreimal täglich an jeder Straßenecke, jeder Laterne, jedem Baum, Stein oder Zaunpfahl liest, sowie die unsichtbaren Pfotenabdrücke im Gras oder auf dem Weg denen sie hunderte Meter weit folgen kann wenn man sie lässt – ich sehe gar nichts, aber sie weiß genau wer wann dort entlang gelaufen ist.

Da sie also weiß dass die anderen da sind, und wo sie sind, schnaubt sie mich entrüstet an wenn wir da nicht hingehen. Wieso denn nur nicht? Hängende Ohren, hochgezogene Augenbrauen…herrjeh, es ist wirklich gemein immer wieder ”Nein” sagen zu müssen ohne es erklären zu können.

Hinter der alten Möbelfabrik in Sandslätt

Gleichzeitig – quasi um die Sache gerecht zu machen – hat sich die Coronavirus-Epidemie aus Wuhan zu einem weltweiten Corona-Festival ausgeweitet. Alles ist Corona – Corona mit Mango, Corona-Eis, Corona-Salat, Corona-Schuhe, Corona-Likör…Pandemie!

Restaurants, Kinos, Läden, Schulen, Fabriken werden geschlossen, ebenso die Grenzen. Der größte Teil des Flugverkehrs wurde eingestellt, in einigen Ländern gibt es Ausgangssperren. Die Wirtschaft bricht zusammen, Börsenkurse fallen ins Bodenlose. Toilettenpapier ist ausverkauft.

Moment…Was? Toilettenpapier? Wieso eigentlich ausgerechnet Toilettenpapier?

Wir sind (noch) nicht krank. Gleichwohl sind wir in einer Art Quarantäne, mit riesigem Bewegungsfreiraum zwar, aber dennoch ziemlich isoliert. Auf jeden Fall bis Masha wieder mit Bamse spielen darf.

Unsere Versorgungslage ist aber gut. Wir haben ja immer unsere Vorräte, und vorletzte Woche habe ich obendrein noch ein halbes Wildschwein von einem Jäger in Sandslätt bekommen.

Auch findet sich genug Beschäftigung. Wir haben damit begonnen einen Zaun ums gesamte Grundstück zu ziehen, damit wir Masha während der Gartenarbeit frei laufen lassen können ohne dass sie unangekündigt zu den Nachbarn spielen oder im See baden geht. Und dann gibt’s eben genau das: jede Menge Gartenarbeit.

Ja, und natürlich die täglichen langen Wanderungen mit Masha. Zur Möbelfabrik und zurück ist dabei inzwischen die ”kleine” Runde – mit ihren gerade mal fünfeinhalb Kilometern.