Osterwandertage

Småland kann richtig schön sein…

Wenn einem im Moment das Wetter nicht gefällt, muss man einfach nur zehn Minuten warten – und dann aber schnell sein. Strahlend blauer Himmel mit wärmendem Sonnenschein an einer Straßenecke…und schwarzgraue Wolken, eisiger Wind und Schnee oder Graupelschauer an der nächsten.

Es ist unmöglich, sich wettergerecht anzuziehen und dann wettergerecht angezogen zu sein.

Warm draußen? Ne, echt jetzt?

Eben bin ich mit Masha von der Abendrunde gekommen – ein schöner, warmer und sonniger Frühlingsabend im Wald. Jetzt rieselt vor dem Fenster wieder leise der Schnee…

Ja, ja – ich weiß, das nennt man Aprilwetter. Diesen Spruch habe ich in den letzten fünf Tagen mindestens hundert Mal gehört, und vor lauter Volksweisheit dennoch vergessen das Kalenderblatt zu wechseln. Ach ja: es ist ja nicht nur Aprilwetter, sondern auch April…und Eierversteckfest.

Wie versteckt man mit Speckschwarte auf Hochglanz polierte Eier, wenn man einen Labrador im Haus hat? Richtig – zwischen Speckschwarten, oder genauer gesagt: zwischen massenweise Duftmarken von Speckschwarten. Dieses Mal hatte ich meine Lektion gelernt, und es hat auch weitgehend funktioniert. Ein einziges Ei hat Masha lokalisiert, alle anderen blieben für die Zweibeiner zu finden.

Masha und ich probieren wieder neue Wanderrouten aus – heute ging es vom Ingelstorp zum Dackeleden und wieder zurück, eine recht kurze Runde von etwa sieben Kilometern.

Die Strecke führte zuerst durch eine lichte Kiefernplantage, dann durch älteren Fichtenbestand und schließlich über einen ausgedehnten Kahlschlag. Definitiv keine Sommerrunde – das wird viel zu warm, und abgesehen von einem kleinen Bach den wir zweimal kreuzten, gibt es keine Wasserstellen. Auf der Karte ist linkerhand zwar ein Sumpfgebiet ausgewiesen – wir haben aber heute keinen Weg dorthin finden können. Na ja, vielleicht beim nächsten Mal.

Eine andere Strecke, die wir nun endlich mal erforscht haben, ist die größere Buxryd-Runde. Man geht bei Buxryd vom Pianovägen nach Süden, und hält sich auf dem Waldweg immer rechts, bis er auf einen Querweg mündet. Geht man diesen nach rechts, kommt man zurück nach Buxryd Gård – geht man allerdings nach links, endet der Weg nach etwa einem halben Kilometer plötzlich.

Letzte Woche haben wir uns davon nicht stoppen lassen und sind einfach mal geradeaus weiter durchs Gehölz gegangen, und tatsächlich beginnt nach nicht einmal hundert Metern wieder ein Weg – zunächst nur ein halbverwildeter, schmaler Pfad, der dann aber immer deutlicher und breiter wird, bis man plötzlich – genau in der Schußlinie eines Jägerstands – aus dem dichten Wald auf einen alten Fahrweg tritt, der einmal mit Schotter befestigt war.

Rechterhand liegt dort ein ausgedehntes Sumpfgebiet mit vielen Wasserstellen, und diverse kleine Bäche kreuzen den Weg. Links steht sehr junger Wald, durchsetzt von einzelnen, riesigen Kiefern und Espen. Der Weg ist gemütlich, mit sonnigen und schattigen Abschnitten und einigen Sitzgelegenheiten zum Verweilen und Kaffeetrinken – und ein paar faszinierenden Wegmarken.

Auf halbem Weg zurück steht beispielsweise eine schiefe Kiefer – sicher dreißig Meter hoch, und fast 45 Grad geneigt. Sie lehnt gegen nichts, sondern steht in ihrer absurden Neigung völlig frei, als hätte jemand beim Umstürzen die Pausentaste gedrückt und vergessen den Film weiterlaufen zu lassen. Und der Weg führt genau dort entlang wo der Stamm aufschlagen würde – aber sie scheint völlig intakt und stabil zu stehen, und schwingt frei im Wind. Logischerweise haben wir diese Kiefer ”Schiefer” getauft.

Noch ein Stück weiter, auf einem kleinen Hügel wie auf einem Podest, und umringt von Babyfichten, steht der Überrest einer einst riesigen Fichte, mit ungefähr einem Meter Stammdurchmesser. Der vielleicht sechs Meter hohe, silbergraue Stammrest hat keine Rinde mehr, und ist übersät mit -zigtausenden Insekten-Bohrlöchern, dicht and dicht – ein Hochhaus! Wir haben es ”Grand Hotel” getauft, und es ist unmöglich zu übersehen.

Nach dem Grand Hotel erreicht man nach gut einem Kilometer wieder den Pianovägen, ungefähr einen Kilometer westlich von Buxryd. Eine wirklich schöne, und absolut sommertaugliche Runde.