Schulausflug der Hasen

Masha und ich gingen gerade den Nytorpsvägen hinunter, als kurz hinter der letzten Kurve plötzlich ein Hase mitten auf dem Weg saß. Wir gingen langsam auf ihn zu, aber er starrte uns nur an und rührte sich nicht vom Fleck.

In letzter Sekunde, als wir keine drei Meter mehr entfernt waren, sprang er plötzlich nach links in die Wiese und verschwand im hohen Gras. Ich schaute ein paar Sekunden hinterher, und Masha schnüffelte nach einer Spur, aber er war verschwunden. Wir sahen uns kurz an – ich erleichtert, Masha enttäuscht.

Als wir uns jedoch umdrehten um weiterzugehen, sahen wir uns einer Gruppe von vier Hasen gegenüber – keine zwei Meter von uns entfernt.

Die vier Langohren starrten uns verblüfft an, und wir starrten ebenso verdattert zurück. Ein paar Sekunden rührte sich niemand. Erst als Masha einen Schritt auf sie zu machte, rannten die Hasen in verschiedenen Bögen um uns herum dem ersten Hasen hinterher.

Ein paar Sekunden darauf kam noch ein kleinerer Hase aus derselben Richtung angerannt, machte aber keinerlei Anstalten uns auszuweichen, sondern sauste einfach weiter quer über den Weg den anderen hinterher, wobei er uns beinahe umrannte.

Irgendwie kam mir die Szene bekannt vor….Schulwandertag?

Granit

Der Boden in unserer Gegend ist nahezu durchgehend von Felsbrocken bedeckt. An manchen Stellen liegen sie unter einer dünnen Erdschicht, die aber nur selten mehr als einen halben Meter dick ist – doch meist liegen sie direkt an der Oberfläche.

Ein typischer Waldboden im östlichen Småland

Die Brocken bestehen aus Granit oder granitartigem Urgestein, identisch mit dem gewachsenen Fels der dicht – vielerorts sogar nur spatentief – unter der Oberfläche liegt.

Auffällig ist dass viele dieser Granitblöcke gerade Seitenflächen haben, als seien sie zurechtgesägt worden. Tatsächlich erkennt man aber hier und da dass es sich dabei um Bruchflächen handelt.

Ebene Bruchflächen

Auf großer Skala ist unsere Gegend völlig eben: eine gigantische Granitplatte, die – erstaunlich einheitlich – ganz leicht nach Osten geneigt ist, mit etwa 20-30cm Höhenunterschied auf 100 Meter.

Am See, wo man so etwas wie einen Horizont hat, erkennt man deutlich wie eben die Landschaft ist. Auch der See selbst bildet mit seinen maximal 12 Metern Tiefe keine nennenswerte Abweichung aus der Ebene.

Plattes Land: Seeufer und Horizontlinie verlaufen parallel

Mich würde interessieren wie diese unwegsame und für landwirtschaftliche Bodennutzung weitgehend unbrauchbare Landschaft zustande gekommen ist, und woher die vielen Felsbrocken stammen bzw. warum sie auf diese Weise über das Land verstreut liegen.

Beerologie

Ich bin mit Masha wieder einmal Pilze sammeln gegangen. Es wäre natürlich hilfreich wenn sie sie finden und mir anzeigen könnte – aber dafür habe ich sie bisher nicht interessieren können.

Aus dem Augenwinkel sehe ich sie an einem Himbeerstrauch herumschüffeln. Dann, ganz vorsichtig und voller Konzentration, zupft sie mit Zunge und Schneidezähnen eine Beere vom Strauch und schmatzt sie genüßlich in sich hinein. Wieder schnüffeln, und noch einmal wird eine Beere ganz vorsichtig abgezupft. Und dann noch eine…

Ich muss lachen: diese Szene könnte aus einem Cartoon stammen. Aber sie kann die roten Beeren ja nicht sehen, fällt mir da ein – und den Strauch auch nicht festhalten um sie zu pflücken. Und so artet das in Kunst aus…

Schade dass ich die Kamera nicht dabei hatte.

Handarbeit

Hallo René,

wie du weißt, kam ich in der Schulzeit im Handarbeitsunterricht nie über das Mittelmaß hinaus, und betrachtet man die folgende Bastelei unter ästhetischen Gesichtspunkten, wird schnell klar warum.

Aber hier geht es nicht um Ästhetik oder Mode, sondern um Kompatibilität.

Wir leben im Jahre 2020 AD, und da wird erwartet dass man ein Mobiltelefon bei sich trägt sobald man sich außerhalb des eigenen Heims bewegt – und tatsächlich ist das in gewisser Weise sogar der Sinn eines solchen Gerätes.

Nun sind Mobiltelefone aber schon lange keine mobilen Telefone mehr, sondern eigentlich mit (unter anderem) Telefonfunktion ausgerüstete mobile Personalcomputer im Taschenformat.

Ja – oder eben auch nicht Taschenformat.

Für die meisten Menschen ist es offensichtlich kein Problem ein solches Gerät, oder sogar zwei davon, ständig und überall mit sich herumzutragen. Aber wo lässt man es wenn man es gerade nicht benutzt, was bei mir 99.99% der Zeit der Fall ist?

In die Hosentasche ist riskant – es ist ohnehin zu groß dafür und kann herausfallen, und wenn man nicht daran denkt, setzt man sich vielleicht versehentlich darauf. Die Jackentasche ist eine Möglichkeit, die aber voraussetzt dass man eine Jacke trägt, und das tut man ja nun nicht immer, vor allem im Sommer nicht.

Ich habe versucht zu beobachten wie andere Leute das handhaben, wurde dabei aber nicht schlauer. Offenbar besteht bei mir eine Ausnahmesituation, denn die meisten meiner Zeitgenossen haben das Gerät permanent in der Hand – und vor der Nase – und brauchen bestenfalls nur mal kurzfristige Ablagemöglichkeiten, wozu die Hosentasche dann doch gut genug ist.

Dagegen brauche ich ständig meine beiden Hände und freie Sicht, insbesondere wenn ich mit Masha mal wieder im Wald unterwegs bin. Das Telefon in der Hand ist für mich eine seltene Ausnahme – ansonsten muss es verstaut werden.

Wohin also mit dem Ding? Bisher hatte ich es in der Regel schlicht zuhause gelassen, was aber dem Zweck eines mobilen Kommunikationswerkzeugs zuwider läuft, und außerdem werde ich zunehmend dafür kritisiert dass ich quasi nie erreichbar bin.

Die naheliegende Lösung ist ein Holster, also eine kleine Tasche die man am Gürtel trägt, und die das Telefon aufnimmt und gegen diverse Umwelteinflüsse schützt, und beim Bewegen im Gelände genausowenig stört wie beim Sitzen, ganz gleich ob man nun auf einem Baumstumpf oder im Gras sitzt.

Solche Holster gibt es zwar im Handel, aber eines zu basteln sollte ja nicht so schwer sein – ich hatte ohnehin noch ein Paar zerschlissene Jeans die eine neue Rolle brauchten.

Gesagt, getan.

Na ja – dachte ich jedenfalls. Es ist ziemlich lange her dass ich mit dem Nähzeug gearbeitet habe, und in dieser Zeit scheint das alles geschrumpft zu sein: meine Finger passen nicht mehr in die Griffe der Schere, die Nadeln sind winzig und verschwinden beim Nähen einfach aus meiner Hand – kurzum: nicht meine Art von Werkzeug. Fummelig.

Aber deine Schwester eilte zu Hilfe und gab mir die richtigen Tips – und mit viel Geduld und – ja – Spucke, bekam ich ein kleines Täschchen mit Schlaufen für den Gürtel zusammen.

Es ist gepolstert, hat ein Innenfutter aus weicherem Stoff, und lässt sich mit einem Druckknopf verschließen – so dass das Telefon leicht hinein-, aber nicht so leicht herausgleitet.

Na, und am Gürtel tragen lässt es sich natürlich auch, und verschwindet unauffällig unterm Pullover – bzw. bei Regen unter dem Umhang.

Hab’s heute gleich mal unterwegs getestet, einschließlich Unterholz-Parkour mit Masha, und es funktionierte genau wie ich es mir gedacht hatte: ich vergaß tatsächlich völlig dass ich das Telefon dabei hatte, und trotzdem nahm es keinen Schaden.

Die kleine Kleven-Runde

Lieber René,

Den schönen Sommersamstagsvormittag nutzten deine Schwester, Masha und ich für einen Ausflug nach Aboda-Klint, um wieder einmal die Runde um den Kleven-See zu wandern.

Der Rundweg ist knapp fünf Kilometer lang – er beginnt beim Café an der Skipiste und führt zunächst am Ufer entlang halb um den See, dann auf der anderen Seite durch den Wald, an der Mühle vorbei und wieder den Berg hinauf zurück zum Café.

Kleven vom Café Aboda-Klint aus gesehen.

Mit von der Partie waren dieses Mal deine Schwester, Masha und ich – und natürlich wieder der Rucksack mit Tee und Keksen für die Zweibeiner.

Paradoxe Mischung: ein junger Kiefernwald voller Eichensprösslinge.

Kurz vor der Mühle begegneten wir einem jungen Rehbock. Er stand nicht weit weg vom Weg und beobachtete uns eine Weile aufmerksam.

Da er windabwärts stand, und das Gras am Wegrand kniehoch war, bemerkte Masha ihn nicht. Er konnte sicherlich Masha wittern, machte aber zunächst keine Anstalten zu fliehen. Erst als ich nach der Kamera griff, verschwand er im Unterholz.

Neben einer Handvoll Pfifferlingen fanden wir auch dieses Kunstwerk:

Zunderschwamm (?) auf einer toten Birke – interessant ist die Richtungsänderung der Fruchtkörper, vermutlich durch das Umstürzen des Baumes hervorgerufen

Am Badeplatz stießen wir noch auf eine Ringelnatter, die erschrocken ins Wasser floh – Schlangen sind in diesem Jahr eine erstaunlich regelmäßige Erscheinung auf unseren Spaziergängen.

Masha ignoriert Schlangen – sie scheinen keinen interessanten Geruch zu besitzen, und liegen meist nur ruhig am Wegesrand. Wenn sich die Schlange allerdings bewegt, dann springt sie erschrocken an die Seite und macht einen Bogen darum.

Die ganze Meile

Hallo René,

im vergangenen Herbst hatten Masha und ich die halbe Meile zu unserer längeren Spazierrunde gemacht. Daneben gibt es inzwischen eine Handvoll weiterer Halbmeilen-Runden, so dass wir abwechseln können.

Wenn man vom Nytorpsvägen links auf den Waldweg abbiegt, kommt man nach etwa zwei Kilometern zu einem kleinen Waldsee – früher sind wir manchmal mit dem Fahrrad dorthin gefahren, um Steinpilze und vor allem Kiefernreizker zu sammeln.

Waldweg zum Lille Skäresjön
Am Lille Skäresjön, südöstliches Ufer

Geht man am See vorbei noch etwa anderthalb Kilometer weiter, verläuft der Weg in einer Doppelkurve – zunächst nahezu rechtwinklig nach Nordern, und wenige hundert Meter weiter ebenso rechtwinklig wieder Richtung Osten.

In der zweiten Kurve zweigt ein kleinerer, recht unscheinbarer Waldweg links vom Hauptweg ab, und führt weiter Richtung Norden durch dichteres Fichtenholz. Wir haben lange nach diesem Weg gesucht – Chris hatte uns einmal erzählt dass es ihn gibt, aber er ist auf keiner Karte eingezeichnet, aufgrund der dicht stehenden Bäume auch auf dem Satellitenbild nicht auszumachen – und eigentlich auch erst zu erkennen wenn man direkt davor steht.

Folgt man nun diesem Weg für etwa zweihundert Meter, kommt man auf eine schotterbefestigte Waldstraße die in Ost-West-Richtung verläuft – und folgt man dieser in westlicher Richtung für etwa einen Kilometer, so kommt man auf die andere Seite des kleinen Waldsees.

Wieder am Lille Skäresjön, dieses Mal am nördlichen Ufer

Die Straße führt dann weiter vorbei an einigen Kahlschlägen, über ein eiszeitliches Geröllfeld und durch einen Kiefernhochwald, an dessen Ende man dann wiederum die Hochspannungsleitungen kreuzt die auch über den Nytorpsvägen führen – nur etwa einen Kilometer weiter nördlich.

Kiefernhochwald mit von Gletschergeröll bedecktem Boden

Geht man von dieser Stelle noch gut zwei Kilometer weiter in Richtung Westen, endet die Straße wieder in Alsterbro, und zwar in Höhe der Firma Duobad – und von da ist es nur noch ein kurzer Weg an der Schule vorbei nach Hause.

Alles zusammen ergibt das ungefähr zehn Kilometer – also eine ganze schwedische Meile.

Masha gefällt die Runde sehr gut, vor allem weil man gleich zweimal baden kann. Und ich kann meinen neuen Wanderschuhen bescheinigen dass sie eine gute Wahl waren – keine schmerzenden Sprunggelenke mehr, trotz Masha-Marschgeschwindigkeit.