Monat: Oktober 2019

Silberner Oktober

Laut Wetterstatistik war die erste Oktoberwoche die wärmste Oktoberwoche seit vierzig Jahren.

Das war’s dann aber auch damit – kein goldener Oktober. Die zweite Woche des Monats war komplett grau und verregnet, zeitweise stürmisch. Binnen weniger Tage waren die Bäume kahl und das schöne bunte Laub nur noch ein Haufen Blättermatsch.

Und dann wurde es kalt, mit Nachttemperaturen deutlich unter Null, und Tageswerten nur wenig darüber. Morgens ist die Landschaft nun immer mit Reif bedeckt, und die Pfützen mit einem Eispanzer überfroren.


Die überwinternden Habaneros sind inzwischen wieder ins Fensterbrett gezogen, um Nässe und Kälte zu entkommen.

Diese Früchtchen haben es wirklich in sich: nach vorsichtiger Testung haben wir eine Dosierung von etwa 1/10 Schote auf einen Topf (sechs Portionen) Linsencurry als gerade noch tolerabel befunden.

Die Habaneros schmecken eigentlich erst einmal sehr gut – fruchtig, süss-aromatisch, besser noch als gewöhnliche Paprika.

Nach einigen Sekunden beginnt dann aber das Capsaicin zu wirken, erst nur ein leicht scharfer Nachgeschmack, der dann aber immer stärker und stärker wird und in ein heftiges Brennen übergeht dass sich rapide ausbreitet bis das ganze Gesicht in Flammen steht. Als Gegenmittel eignet sich übrigens Crème fraîche (kein Wasser! – das macht’s nur schlimmer).

Vorsicht ist geboten nachdem man die Schote mit blossen Händen angefasst hat – dann bloß nicht die Tränen aus den Augen wischen! Sonst nehmen selbige nämlich kein Ende.


Inzwischen befasse ich mich weiter mit der Welpenerziehung. Wir lernen gerade dass es Menschen gibt die Hunde nicht mögen oder sogar vor diesen Angst haben.

Angst vor Hunden ist im Grunde berechtigt – ein großer, erwachsener Hund kann einen Menschen schwer verletzen oder sogar töten. Ihr Gebiss und die zugehörige Muskulatur sind dazu gemacht Fleisch zu zerfetzen und Knochen zu brechen, und sie haben genug Aggressivität, Kraft und schnelle Reflexe um auch mit wild kämpfender oder um sich schlagender Beute fertigzuwerden.

Zwischen diesem brutalen Raubtierverhalten und dem sanften, freundlichen und respektvollen Umgang mit Menschen stehen lediglich soziale Instinkte und Erfahrungen des Hundes, sowie Erziehung und Training. Eine angeborene Sicherung gegen Aggressivität gegenüber Menschen gibt es beim Hund nicht.

Aggressives Raubtier? Nja…eher ein überdimensionaler Teddybär, in diesem Fall.

Anders als Katzen sind Hunde aber keine Einzelgänger, sondern leben in Gruppen – und tun instinktiv alles um sich in die Gruppe zu integrieren und akzeptiert zu werden. Dass ihr „Rudel“ häufig vor allem aus Menschen besteht ist dabei für die Hunde sogar vorteilhaft.

Hunde studieren intensiv die Hierarchie und Verhaltensregeln des Rudels, und versuchen sich aktiv am Gruppenleben zu beteiligen. Dabei lernen sie, wie sie sich in verschiedenen Situationen – zum Beispiel Begegnungen mit anderen Menschen oder Tieren – zu verhalten haben, und zwar nicht nur um selbst zu überleben, sondern eben auch um das Rudel zu schützen und diesem nützlich zu sein.

Und genau dadurch können Hunde auch lernen freundlich und respektvoll mit anderen Menschen und Tieren umzugehen – und eben auch Menschen mit Angst vor Hunden in Ruhe und mit viel Raum vorbeiziehen zu lassen.

Das funktioniert ganz gut – inzwischen wartet Masha bei anderen Menschen auf eine Einladung bevor sie sich ihnen nähert. Nun muss sie noch lernen auch meine Erlaubnis abzuwarten – oder überhaupt erst einmal danach zu fragen. Nun ja – eins nach dem anderen.

Hundespiele

Masha’s Lieblings-Spielkamerad ist Bamse.

Bamse ist zwar kein Bär, sondern ein Golden Retriever – wird dem Namen aber ansonsten wirklich gerecht: ein weißer, zotteliger Koloss mit Bärenkräften (vermutlich ist er als Welpe mal in den Zauberhonig gefallen), und supersanftem Gemüt.

Wenn die beiden spielen, muss man in fünfzig Meter Umkreis alle zerbrechlichen Sachen in Sicherheit bringen – einschliesslich herumstehender Frauchen und Herrchen – und ganz schnell die Leinen abmachen, damit man nicht mitgeschleift oder damit gefesselt wird.

Hundespiele: Masha jagt Bamse

Dann jagen sie sich, wälzen sich raufend im Gras, und Bamse lässt Masha auf seinen Rücken klettern oder auf seinem Bauch herumhüpfen – und all das ganz leise, kein Knurren oder Bellen, von keinem der beiden.

Höchstens mal ein Scheppern, wenn doch noch ein ungesicherter Blumentopf irgendwo herumstand.

Und sie spielen – Verstecken!

Das hat einen gewissen Aberwitz: wenn Masha in die Büsche springt, ist sie ja praktisch unsichtbar – und Bamse muss tatsächlich seine Nase einsetzen um sie zu finden. Bamse dagegen kann sich im Gebüsch so gut verstecken wie eine Kuh hinter einem Besenstiel. Aber er versucht es trotzdem.

Es dauert eine ganze Weile bis sie beide japsend im Gras liegen und sich anhimmeln. Wieder zuhause angekommen legt sich Masha dann auch gleich direkt hinter der Haustür hin und schnarcht selig eine gute Stunde. Groggy, aber glücklich.

Es gibt viele Tiere die miteinander spielen – besonders atemberaubend sind die Flugspiele der Nebelkrähen.

Aber das Sozialverhalten der Hunde ist doch etwas Besonderes, denn es bringt Menschen zusammen, ganz besonders bei zwei Energiebündeln wie diesen beiden – da bleibt kein Auge trocken.

Ganz plötzlich ist man miteinander im Gespräch, mit einem heiteren und entspannten Thema – selbst wenn man sich sonst eigentlich gar nicht kennt. Man lacht zusammen, freut sich zusammen…und wundert sich anschliessend warum das sonst – also ohne Hunde – oft so schwierig ist.

Da haben wir den Salat

Ich habe gelesen dass man den Salat im Garten vor Rehen schützen kann wenn man dort den Hund markieren lässt.

Das stimmt – seit Masha regelmässig ihre Runde im Garten macht, machen die Rehe einen Bogen um unser Grundstück.

Nun muss ich herausfinden wie man den Salat vor dem Hund schützt.

Apfel-Spätlese

In diesem Jahr hatte ein später Frost die Blüten der frühen Apfelbäume weitgehend zerstört – also im Prinzip alle unserer Bäume bis auf die zwei jüngsten die spätblühend, aber eben auch noch klein sind. Insgesamt hatten wir am Ende ganze zwölf Äpfel.

Auch im weiteren Umkreis zeigt sich dasselbe Bild: etwa die Hälfte der Bäume trägt überhaupt nicht, die andere Hälfte dagegen gut. Bei den letzteren handelt es sich durchgehend um späte Sorten – und so ist es erst jetzt richtig Apfelzeit.

Die meisten Leute (die ich gefragt habe) mögen ihre Äpfel nicht essen – vor allem nicht die späten, sauren Sorten – und so, obgleich sich in beinahe jedem Garten im Dorf Apfelbäume finden, landen doch die meisten der Früchte auf dem Kompost, oder werden von den Jägern an die Elche verfüttert.

Nun ist es bei uns eine Familientradition im Spätsommer und Herbst das Fallobst einzusammeln, und viele Dorfbewohner sind froh wenn sie ihre Äpfel loswerden bevor sie unter dem Baum verrotten und ihren schönen Rasen verunstalten. Deshalb, auch wenn wir dieses Jahr so gut wie keine eigenen Äpfel hatten, haben wir dennoch körbeweise davon.


Neben frischen Äpfeln, Apfelkompott, Apfelmus, unzähligen Sorten Apfelkuchen und diversen anderen Leckereien machen wir daraus auch Apfelsaft – der um diese Jahreszeit Standardzubehör bei jedem Frühstück ist.

Dazu verwende ich eine einfache keramische Spiralpresse mit elektrischem Antrieb – das geht zwar langsam und erfordert ein vorheriges Kleinschneiden der Äpfel, aber der Aufwand lohnt sich und schliesslich sind ja die Äpfel gratis.

Fallobst eignet sich hierzu genauso gut wie die Früchte vom Baum. Ein paar braune Stellen schaden nicht – im Gegenteil: sie geben dem Saft ein bisschen extra Süsse, und bräunlich wird der Saft sowieso.

Da die Presse nur einen Grobfilter hat, wird der Saft trüb – winzig kleine Bruchstücke vom Fruchtfleisch schweben darin, und setzen sich nur langsam nach und nach am Boden der Karaffe ab – mal mehr, mal weniger, je nach Sorte, Reifegrad und Wetter.

Im Kühlschrank hält sich der Saft dann ein paar Tage bis eine Woche – aber bis dahin ist er ohnehin ausgetrunken.

Auf den Hund gekommen

Wir haben seit gut einem Monat ein neues Familienmitglied – und das war auch der Grund für die lange Blogpause: bei uns ist nämlich eine kleine Hündin eingezogen.

Kleine Hunde brauchen viel Zeit und Aufmerksamkeit, und da ich weder Erfahrung noch besonders viele Kenntnisse über Hundehaltung habe, umso mehr.

Dieser kleine braune Fellsack mit Eigensinn und hohem Tempo soll vor allem Begleiter und Helfer bei meinen verschiedenen Außenaktivitäten sein.

Und damit das funktioniert, müssen wir sehr viel Zeit miteinander verbringen – spielen, lernen und trainieren.

Nun ja – die ersten Wochen mit dem kleinen Hundemädchen verliefen – erwartungsgemäß – etwas anders als erwartet 😉 Stubenreinheitserziehung beispielsweise fand nicht statt, da sie von Anfang an darauf bestand ihr Geschäft im Garten erledigen zu dürfen.

Auch die erwarteten Schäden an Schuhen und Möbeln blieben aus – statt dessen musste ich feststellen dass ein Teil meiner üblichen Kleidung zwar für meine übliche aufrechte Körperhaltung und -bewegung ausreichend stabil, aber den vielfältigen Belastungen beim Umgang – vor allem beim Spielen – mit dem Welpen nicht gewachsen war.

Das teure Hundebett ist auch erstmal nicht aktuell. Am liebsten schläft Masha auf einer harten und kühlen Unterlage, idealerweise mit „Dach überm Kopf“. Nur für den Kopf darf es eine etwas weichere Unterlage sein.

Schlafende Hunde soll man nicht wecken…

Allerdings – solange nicht gleichzeitig ein Mensch dort schläft und ein leichter Luftzug darüber hinwegweht, kann man zur Not auch mal ein kurzes Nickerchen auf dem Gästebett machen.

…sondern fotografieren.

Eine anderer, nicht ganz so erwarteter Charakterzug ist Masha’s Affinität zu Wasser. Dieser Hund ist ständig nass – jede noch so kleine Wasseransammlung erfordert zumindest einen Badeversuch, und zwei nasse Pfoten sind zwei zuwenig. Regen ist kein Hindernis, sondern ein Grund spazieren zu gehen.

Wasser ist toll, in jeder Form und aus jeder Richtung, und am allerbesten ist Wasser mit Wellen, denen man hinterherjagen kann.

Ein eigenes Badehandtuch erwies sich somit als notwendiges Accessoir – in erster Linie um uns selbst und die Wohnung trocken zu halten, da sich Hundchen patschnass kein bisschen unwohl fühlt und ihr Glücklichsein gerne mit allen teilt.




Nun, wie man sieht, haben wir uns binnen weniger Wochen schon weit von dem niedlichen Hundebaby entfernt. Inzwischen ist der Fellsack gut mit Muskeln ausgefüllt, und das Herumtragen auf dem Arm fällt wegen Unhandlichkeit und Gewicht inzwischen komplett aus.

Unsere beiden hausangestellten Katzen können ihr inzwischen auch nicht mehr davonrennen. Deren einzige Rettung ist nunmehr die Vertikale – und Masha ist nach wie vor komplett verwirrt wenn die Katze vor ihrer Nase einfach abhebt und plötzlich seelenruhig, unerreichbar, gut anderthalb Meter höher irgendwo sitzt – oder wenn sie ihre rasante Flucht einfach senkrecht die grosse Birke hinauf fortsetzt.

Insgesamt denke ich dass ich doch ganz gut mit Masha klarkommen werde, auch wenn ich eigentlich kein Hunde-Mensch bin, und die ihr zugedachten Aufgaben scheinen ganz auf ihrer Linie zu liegen. Ihre Qualitäten beim Suchen und Holen von Dingen sowie bei der Orientierung im Gelände hat sie hier und da schon durchblicken lassen. Sie ist sehr arbeitswillig, ausdauernd und lernt schnell.

Allerdings ist sie auch noch Kind, wild und verspielt.

Mal sehen was daraus noch wird 🙂