Monat: Juli 2016

Campingausflug

Letzte Woche waren wir mal wieder zum Camping – dieses Mal ganz weit weg.

Na ja – also „ganz weit“…wir sind jedenfalls gut zehn Stunden mit dem Auto immer nach Norden gefahren, und trotzdem nur bis etwa zur Mitte des Landes gekommen. Und ganz oberflächlich betrachtet war die Landschaft dort immer noch genau dieselbe wie Zuhause: Wald und Wasser, Wasser und Wald, und noch mehr Wald und noch mehr Wasser.

Allerdings fehlten schon etwa ab der Hälfte des Weges die Eichen und Buchen, und auch die bei uns zuhause so weit verbreiteten und oft gigantischen Mantelfichten wurden immer seltener und sahen eher klein und mager aus. Am Ende des Weges wurde die Landschaft von dünnen Kiefern, Espen und Birken beherrscht, dafür aber oft mit dichtem Unterholz und meterhohem Gras.

Die Stämme der Bäume dort im Norden erscheinen mir auch sehr viel deutlicher gefärbt – die Kiefern im typischen kräftigen Orange, und die Birken in strahlendem Weiss, wie frisch gewaschen. Zuhause sind sie meist eher grau und von Moos und vor allem Flechten überzogen, aber dort sind sie oft völlig frei von jeglichem Bewuchs.

Unser Campingplatz lag an einem kleinen Teich, und war sehr gemütlich:

Was ich gar nicht bedacht hatte war dass es dort um diese Jahreszeit überhaupt nicht dunkel wird, etwa so wie bei uns um Midsommar herum – das Foto oben sieht vielleicht aus wie nachmittags um die Kaffeezeit, ist aber um Neun abends aufgenommen. Zwischen Elf Uhr abends und Ein Uhr morgens herrschte so etwas wie Dämmerung, also mit der Sonne ganz knapp unter dem Horizont – aber immer noch hell genug um ohne irgendwelches künstliches Licht draussen zu sitzen und ein Buch zu lesen. Zu allen anderen Zeiten schien die Sonne.

Das verwirrt natürlich wenn man nachts um halb Drei aufwacht weil einem die Sonne direkt ins Gesicht scheint 😀

Der Campingplatz ist auf einer Halbinsel gelegen die sich in südlicher Richtung ins Bottenmeer erstreckt. Die gesamte Halbinsel ist mit Wasserflächen übersät – auf die knapp zehn mal sieben Kilometer kommen mindestens fünfzehn Seen und kleinere Teiche.

Die Wege sind zwar nicht befestigt, aber durchgehend gut befahrbar.

Die Halbinsel wird schon seit Tausenden von Jahren von Fischern bewohnt und bewirtschaftet – allerdings hatte sie während der Bronzezeit nur etwa ein Drittel ihrer heutigen Grösse. Die vielen kleinen Seen und Teiche sind nämlich Überreste des Bottenmeeres: nach dem Ende der Eiszeit begann sich das Land, vom Gewicht des Eises befreit, aus dem Meer zu heben, etwa einen Meter pro Jahrhundert, wodurch die ursprünglichen Buchten vom Meer abgeschnitten und zu Seen wurden.

Besonders eindrucksvoll zu sehen ist das anhand alter Grabrösen (Steinhaufen). Die Fischer legten diese Grabrösen nämlich am Strand oder auf vorgelagerten Inseln an – heute allerdings liegen sie zwanzig bis dreissig Meter über dem Meeresspiegel, mittem im Wald:

Einige der Grabstätten hatten eine enorme Grösse. Diese hier liegt etwa 30 Meter hoch über dem Bottenmeer (ist also etwa 3000 Jahre alt):

…und besteht aus tausenden von Felsbrocken, die die Fischer mit ihren Booten auf eine vorgelagerte Insel geschafft hatten, um ihren Toten diese Ruhestätte zu errichten:

(Gut zu sehen in den Bildern oben ist wie klein und mager die landschaftsprägenden Kiefern aussehen)

Ebenfalls am Südende der Halbinsel haben die Fischer im 18. Jahrhundert diese kleine Kapelle gebaut:

Sie ist komplett in aus Holz gebaut – auch das Dach ist mit Holz gedeckt – alles in Handarbeit. Und nicht etwa grobe Zimmermannsarbeit, sondern hingebungsvolle Handwerkskunst, die das Auge eine ganze Weile beschäftigt:

Jede Bank trägt das Zeichen einer ortsansässigen Familie, und alles ist handbemalt, einschliesslich Decke, Wände, Altar und die kleine Kanzel. Hier wurden – und werden immer noch – Hochzeiten gefeiert, Andachten für die Verstorbenen gehalten und natürlich für gutes Wetter, guten Fang und Gottes Segen gebetet 😉 in welcher Rangordnung auch immer. Ein brilliantes Stück Handwerk, und ein wunderbarer Ort.

Die etwa ebenso alte Domkirche gute zwanzig Kilometer weiter nördlich (Härnösand) ist natürlich sehr viel grösser und prachtvoller:

…wenn auch weit weniger familiär. Letzteres aber nur baulich – beim Betreten der Kirche nahm uns dort sofort eine ältere Diakonisse in Empfang und führte uns durch das gesamte Haus, die Kapellen und die Sakristei und erklärte uns alles was es über diese Kirche zu wissen gab, und noch ein bisschen dazu 🙂 Einfach so.

Die Stadt rund um die Domkirche ist typisch nordisch – auf einer vorgelagerten Insel gebaut (somit leicht zu verteidigen), mit Yachthafen und feinen Stadthäusern. Schön anzusehen, vor allem weil sie nach dem Stadtfest vor knapp zwei Wochen immer noch prächtig geschmückt war.


Und als Sahnehäubchen obendrauf gab’s noch ein (privates) Auto-Museum, mit Karossen aus den 1920er Jahren, US Autowahnsinn aus den 50ern und 60ern, europäischer Auto-Kleinkunst nach der Ölkrise der 70er, Ost-Autos, alte Feuerwehren, und logischerweise jede Menge Volvo und Saab aus allen Zeitaltern, einschliesslich dem allerersten Volvo. Alles aus der Nähe, zum Dranschnuppern, und manche auch zum Anfassen oder sogar Probesitzen (Mann, so ein alter T-Ford war wirklich ausgesprochen unbequem!).

Alles in allem – ein schöner und interessanter kleiner Urlaub. Na ja, von der langen Autofahrt mal abgesehen…nächstes Mal nehmen wir besser wieder die Bahn 😉

Was essen wir heute?

Wieder einmal Wochenende.

Wir beginnen mit einem Stück warmgeräucherten gepökelten Schweinerücken – auch bekannt als Kassler Rücken. Leider wird unter diesem Namen auch allerlei Murks verkauft, brrr… – aber ich habe ein sehr gutes Stück bekommen 🙂

Dazu Kartoffelbrei, und grüner Spargel. Fehlt noch was? Eine leichte Pfeffernote vielleicht?

Zeit mal in den Wald zu traben…

Für diese leichte Pfeffernote braucht man nun weder Glück noch gute Augen, und wenn man nicht völlig am Wald vorbeiläuft, wird man um diese Jahreszeit dort gleich von diesen kleinen gelben Freunden umringt:

Nimm mich mit! Nimm mich mit! Mich auch!

Nein, Scherz beiseite – sie laufen einem ja nicht hinterher, sondern man muss sie schon einsammeln. Aber komplizierter als so ist es nicht – Pfifferlinge sind unverwechselbar, sind schon von Weitem auszumachen und stehen immer in Gruppen zusammen.

Ja, na gut, und man muss sie natürlich saubermachen – ein kleines Stück Wald kommt ja immer irgendwie mit.

Ich entferne den groben Schmutz mit dem Pinsel, und wasche sie dann mit klarem Wasser gründlich ab. Grössere werden noch halbiert und auf Madenbefall kontrolliert – solcher ist aber sehr selten.

Dann ab in die Pfanne für zehn Minuten, anschliessend mehlen, angiessen, abschmecken und einkochen lassen. Eine Prise Kümmel für die Verdauung, aber nicht so viel dass man ihn herausschmeckt. Fertig.

Kassler Schweinerücken mit Pfifferlingen, grünem Spargel, und Kartoffelbrei. Passt.

Schinkenpremiere

Dieses Mal habe ich ein Karréstück verwendet (ist also eigentlich gar kein Schinken).

Es ist um einiges zarter noch als das Schinkenstück vom letzten Mal, und hat eine fantastische Fettmaserung.

Die Würzmischung war wieder dieselbe, allerdings fällt der Geschmack aufgrund des grösseren Fettanteils und der längeren Pökeldauer erheblich kräftiger aus. Also kann ich bei diesen Stücken die Gewürzmenge durchaus ein wenig reduzieren, um den Eigengeschmack des Fleisches besser zur Geltung kommen zu lassen.

Mir gefällt besonders die leichte Knoblauchnote, die sich fantastisch kombinieren lässt mit Salat oder Früchten.

Die Rauchmenge war wohl genau richtig – wiederum vier Durchgänge á 10 Stunden Rauch und 10 Stunden Lüften.

In jedem Fall ist das wieder eine ausgesprochen leckere Angelegenheit, und die Sauerkirschen (übrigens auch Premiere) sind hier nicht nur Dekoration, sondern passen auch geschmacklich perfekt dazu.

Kirschen in unbegrenzter Menge

Wir haben in unserem Garten einen grossen Süsskirschenbaum.

Er ist etwa acht Meter hoch und hat gute zwölf Meter Kronendurchmesser – mit vier dicken Hauptästen an einem nur etwa eineinhalb Meter langen Stamm.

Jedes Jahr Anfang Mai verwandelt sich der Baum in einen riesigen, summenden weissen Lampignon, der den ganzen Garten mit einem betörenden Mandelduft erfüllt. In den meisten Jahren ist der Zauber nach zwei Wochen vorbei, und die allermeisten der Abertausenden von Blüten verschwinden spurlos – und dennoch werden es am Ende immer mehr Kirschen als wir essen können.

Dabei handelt es sich um eine helle Sorte unglaublich saftiger und süsser, allerdings nicht sehr aromatischer Kirschen, die sich nicht wirklich konservieren lassen.

Einmal gepflückt kann man sie maximal zwei Tage aufbewahren, Einfrieren oder Einwecken verwandeln sie nur in ein relativ geschmacksneutrales Zuckerwasser, und zum Kuchenbacken sind sie auch ungeeignet. Für Marmelade muss man sie kombinieren (z.B. mit Stachelbeeren oder Grapefruit), aber dann liefern sie kaum mehr als ihre Süsse während der Kombinationsparter den Geschmack völlig dominiert.

Einzige beinahe brauchbare Variante ist sie süss-sauer einzulegen – aber wer braucht schon grosse Mengen süss-sauer eingelegte Süsskirschen?

Nun ja – in diesem Jahr jedenfalls verschwanden die Blüten nicht spurlos. Mindestens ein Drittel aller Blüten wurden Kirschen, in Gruppen zu zwanzig, dreissig Stück an jedem noch so kleinen Zweig.

Egal wie viele wir abpflücken, es werden einfach nicht weniger. Man pflückt und pflückt und pflückt, bis der Korb voll ist, dann tritt man einen Schritt zurück – und nichts hat sich geändert. Der Baum hängt genauso voll wie zuvor. Die Äste hängen bis auf den Boden herab unter dem Gewicht – glücklicherweise sind sie aber bei dieser Sorte sehr stark und elastisch und halten das problemlos aus.

Nun ja, die meisten der Kirschen werden wir den Möwen überlassen, die übrigens unglaublich geschickte Kirschenpflücker sind. Einen Teil werden wir noch verschenken, und ansonsten bei jedem Vorbeigehen naschen bis uns die Bäuche wehtun.

Ein flüchtiger Zauber – aber ein mächtiger solcher 🙂

Mittlerweile ist es auch Zeit sich dem Beerengarten zuzuwenden. Diese kleinen Freunde sind zwar nicht so gross – obgleich mindestens ebenso viele – dafür aber um Grössenordnungen aromatischer, und vor allem haltbarer als die Kollegen am Baum:

Schwarz ist natürlich mein Favorit, aber solo macht das nur halb so viel her wie gemischt.

Leider geht weder Duft noch Geschmack über’s Internet – also müsst ihr euch den Teil zur Geschichte dazudenken: Sommerabend auf der Terrasse, gemischtes Eis, eine Handvoll frische Johannisbeeren, und darüber eine Sosse aus schwarzen Johannisbeeren und Felsenbirne mit einem kleinen Schuss Rum. Minzeblatt freilich, aus dem Kräutergarten.

Recycling (Forts.)

Ihr erinnert euch vielleicht noch an dieses Bild:

Ich hatte eine alte Transportpalette auseinandergenommen, und die Bretter aufgearbeitet um daraus eine weitere Holzkiste anzufertigen – als Geschenkverpackung, oder zur Aufbewahrung persönlicher Schätze.

Mittlerweile gibt es drei dieser Kisten – den Prototypen den ich bereits vorgestellt hatte, und zwei weitere aus dem Erlenholz der Palette. Hier noch mal der Werdegang der letzten, und kleinsten:

Ausgangspunkt waren, wie gesagt, ein paar wiedergewonnene Bretter – nicht gerade sehr schön anzusehen:

Nach dem Säubern und Glatthobeln kam aber ein wunderbares Farbspiel zum Vorschein, das eine Rolle als sichtbare Front verlangte:

Nicht einfach, denn das Brett war gewunden und die brauchbare Länge zu kurz um das komplette Muster einzubeziehen, und Geradehobeln hätte ausgerechnet die schönsten Stellen abgetragen. Hmm – was tun?

Dann kam mir aber die Idee das Brett so zu teilen dass sich das Muster über die Seite fortsetzt. Durch diese Teilung würde die Krümmung nicht so sehr ins Gewicht fallen, und ich könnte das Muster erhalten.

Ein weiteres Problem war das Verleimen des Deckels – die Kanten der Bretter quollen durch den Leim so ungleichmässig auf dass der Deckel eine kräftige Wölbung bekam (über 1cm!), noch bevor ich ihn einspannen konnte.

Bei solch einer Verformung hätte einfaches Pressen die Fugen schlicht wieder auseinander gerissen – also war ich gezwungen den Deckel über mehrere Tage immer wieder mit einem nassen Tuch anzufeuchten, und mit Steinen zu beschweren bis die Wölbung weitgehend verschwunden war, und ich den Rest glatthobeln konnte.

Um ihm Stabilität zu verleihen, entschied ich mich ausserdem den Rahmen aus Eichenholz anzufertigen.

Eine Quälerei, kann ich euch sagen: die Eiche ist hart aber spröde, und die Fasern liegen kreuz und quer, kräuseln sich, und überstehen vorsichtige Schnitte oft völlig unbeschadet – als hätte man das Werkzeug nicht mal dran gehabt. Aber ein Schlag zu kräftig – und das Werkstück bricht der Länge nach, aber nicht glatt, sondern unregelmässig und damit meistens irreparabel. Für kleinere Details ein ungeheur schwieriges – wenngleich dankbares – Material. Beeindruckende Stärke, wunderbares Muster, aber keine Manieren.

Aber wo ein Wille ist…

Nun ist das Erlenholz ja roh ziemlich blass, und man kann das Muster das mich so begeistert hatte kaum erkennen. Aber mit einer kräftigen orange-roten Beize kann man sie gut herausarbeiten.

Und mit ein bisschen Lack und Politur (und ein Tröpfchen Phantasie, wenn zur Hand) wird das hässliche Palettenholz als lavaspeiender Vulkan wiedergeboren:

🙂 Schick, oder?