Thema: Werkstatt

Neugier

Na gut – ich gebe es zu. Ich war neugierig, wollte unbedingt sehen wie es fertig aussieht. Also hab ich doch erst einmal mit dem Färben und Lackieren der ersten Schublade weitergemacht.

Natürlich habe ich auch schon die Seitenteile der zweiten Lade zugesägt, und auch mit dem Zuschneiden der Fugen begonnen:

Mal sehen, vielleicht wird sie ja morgen schon fertig.

Fertigstellung der ersten Schublade

Da ist sie nun – die erste Schublade, fertig verleimt und mit Griffloch in der Frontplatte.

Die Seitenwände haben jeweils eine Längsnut erhalten für die seitlichen Laufschienen. Diese verhindert auch gleichzeitig das Kippen der Lade beim Herausziehen. Nach vorn wird die Nut durch die Frontseite abgesetzt, nach hinten bleibt sie natürlich offen damit man die Lade ganz herausnehmen kann.

Den Boden habe ich aus Sperrholz angefertigt, und schon mal alles feingeschliffen zum Färben und Lackieren – denn so soll sie ja nicht bleiben.


Und hier sind übrigens auch die Schienen auf der die Lade laufen soll – aus einer 15x27mm Leiste herausgefräst. Sie müssen noch gebohrt werden, für die Befestigung and der Innenwand.

Derweil mache ich mich erst einmal an die zweite Schublade – die wird nur etwa halb so hoch, aber im gleichen Design.

Älter als die Geschichte selbst


Mein nächstes Projekt befasst sich wieder mit einem unpraktischen Küchenschrank.

Auch dieser ist zu schmal und zu tief – man muss die vorn stehenden Dinge erst herausnehmen um an die hinteren heranzukommen. Es liegt also nahe hier ein paar Schubkästen einzubauen, wobei wir aber die Tür erhalten wollen.

Erwartungsgemäss ist das Innenmass des Schranks an überall ein wenig unterschiedlich – es bleibt also nur Massanfertigung. Der Schrank an sich ist aber sehr solide gebaut, und das Holz – trotz schätzungsweise fünfzig Dienstjahren – tadellos erhalten.

Ich habe also schon mal angefangen – zunächst mit der untersten Lade, die auch die grösste wird.

Nun bin ich ja ein Anfänger in Sachen Holzarbeit, und habe daher viel zu wenig Erfahrung um ein sinnvolles Urteil über Werkzeuge in diesem Bereich abzugeben. Aber meine Erfahrung mit dieser Feinsäge (kanadisches Fabrikat) verdient trotzdem Erwähnung: sie ist superscharf, braucht fast keine Kraft und folgt ganz exakt ihrer eigenen schmalen Spur – als schneidet man mit einem Filetiermesser durch einen Apfel. Das macht einem die Sache wirklich leicht.

Allerdings muss man üben, denn wenn man Gewalt anwendet wird sie sofort bockig und blockiert. Sachte, sachte – lange, ruhige Züge ohne Druck, und mit möglichst vielen Zähnen zugleich. Geht fantastisch gut, wie Magie.

Für mich ist es zwar das erste Mal, aber tatsächlich ist diese Verbindungstechnik schon über 5000 Jahre alt:

Man kann sie natürlich mit der Maschine herstellen, aber sie von Hand zu schneiden gibt ein echtes Erlebnis von Mensch versus Holz. Es ist wirklich erstaunlich was eine Menschenhand alles fertigbringt, wie genau man jede Bewegung, jeden Muskel auf den feinsten Widerstand im Material abstimmen kann, um es zu formen ohne es zu zerstören.


Natürlich probiere ich verschiedene Varianten aus – aber hier halte ich mich erstmal ans Standard-Design. Die Verbindungen der Vorderseite sind also halb verdeckt und von vorn nicht zu sehen – die auf der Rückseite sind durchgehend.

Noch nicht perfekt – aber ich habe ja noch zwei weitere Schubladen zum Üben 😉

Februar

Februar ist immer nichts Halbes und nichts Ganzes.

Die Tage werden zwar schon deutlich länger, und die Sonne kräftiger – aber die Bäume sind noch kahl, der See weiterhin zugefroren und die Nächte eisig. Für Aussenarbeiten ist es noch zu früh, und für Innenprojekte ist viel zu schönes Wetter.

Glücklicherweise haben mich aber eine Reihe von Kundenaufträgen in den letzten Wochen so in Anspruch genommen, dass ich für Wintermelancholie noch gar keine Zeit hatte.

In der Werkstatt stehen die üblichen Routinearbeiten an – das heisst vor allem Reparaturen, wie zum Beispiel dieses Kinderfahrrad mit Sturzschaden am Hinterrad:

Na ja, nicht so dramatisch. Ein bisschen zurechtbiegen, aufpolieren, und eine kleine Portion Lackfarbe…schon erledigt.

Übrigens ist so ein Reparaturstativ ausgesprochen praktisch:

Damit kann man in Ruhe – und vor allem aufrechtstehend – demontieren, reinigen, reparieren und wieder zusammenbauen. Und wenn man’s gerade nicht braucht, kann man es zusammenklappen und es ist kaum grösser als ein einfaches Rohr.

Am Wochenende wartet wieder ein neues Möbelprojekt – wieder für die Küche. Und ausserdem geht es endlich los mit der Gartensaison, nämlich Pflanzen vorziehen für’s Gewächshaus.

Gut dass der Februar vorbei ist 🙂

Kleine Bastelarbeit nebenbei

Was schenkt man Freunden zu ihrer neuen Wohnung? Hmm…

Wie der Name schon sagt, ist ein Schlüsselbrett ein Brett in Form eines Schlüssels. Oder?

Eine kleine Bastelarbeit mit Figursäge, Schleifpapier, ganz viel Lack und ein wenig Geduld. Mal sehen ob’s ihnen gefällt…

Einweihung

Nach einem Monat Arbeit wurde der neue Küchenschrank nun feierlich seiner Bestimmung übergeben, während nebenan schon ein herrlich duftender Sonntagsbraten und eine Pfanne voll Wurzelgemüse im Ofen brutzelten.

Geschirrtücher, Servietten, Handtücher, Kerzen, Wasserkocher, Kochbesteck – obgleich schmal, spielt dieser Schrank doch eine wichtige Rolle in unserer Küche. Und das neue Design macht ihn um einiges nutzbarer als sein Vorgänger.

Die Werkstatt ist nun wieder leer, aufgeräumt, durchgekehrt und still – fast ein bisschen melancholisch. Ist aber nur eine kurze Pause, denn nach dem Spiel ist ja bekanntlich vor dem Spiel…

Zur Erinnerung hier noch mal alle Etappen im Schnelldurchlauf:

Eine echte Herausforderung

…war in der Tat der Abbau des alten Schranks.

Wie erwartet, war ich gezwungen den Schrank teilweise zu zersägen bevor ich ihn – unter moderater Gewaltanwendung – endlich von der Wand trennen konnte.

Wandbefestigung vom Typ „Excalibur“:

Drei Stück 100mm Nägel sternförmig ins Mauerwerk getrieben um ein einziges schmales Brett an der Wand zu befestigen. Übersteht problemlos Erdbeben, Bombenangriffe, Wirbelstürme – und den gewöhnlichen Heimwerker sowieso.

Nur der rechtmässige König kann diese Konstruktion wieder aus dem Stein ziehen ohne dabei zuerst den Rest des Hauses abreissen zu müssen (na wat’n Glück dass wir grad einen König zur Hand hatten!).

Noch mal ein Exemplar im Detail:

Notiere den „kleinen“ 40mm Fixiernagel unterhalb – dieser diente dazu das Brett in der korrekten Position zu halten während die drei Haltenägel eingeschlagen wurden – unmöglich bei der erforderlichen Schlagkraft das Brett allein mit der anderen Hand in Position zu halten.

Wirklich solide Zimmermannsarbeit für einen gerade mal 27cm breiten Küchenunterschrank.

Nun ja – und da ist sie nun, die Lücke die es zu füllen gilt:

Ob’s passen wird?

Was man nicht verstecken kann…

…das soll man betonen 🙂

Nach dem Zusammenbauen und Verleimen der Schrankteile…

…kam das Lackieren dran. Da die Grundfarbe der Küche bereits weiss ist, sollte nun auch dieser Schrank weiss werden:

Die Nut für die Laufschiene habe ich aber nicht weiss lackiert – die Schiene ist gefettet und würde irgendwann dunkle Ränder hinterlassen, die auf dem weissen Untergrund nur unangenehm auffallen würden. Statt dessen habe ich sie rotbraun gebeizt und mit einer satten Schicht Klarlack überzogen – edler Kontrast und glitzerndes Detail können nicht schaden. Wie gesagt: was man nicht verstecken kann…

Anprobe

Langsam nähern wir uns der Zielgeraden:

Noch sind die Teile natürlich nur mal zusammengesteckt – um zu sehen ob alles passt. Tut es auch, und der Platz ist auch gut ausgenutzt. Bis zum Aufbau liegt aber noch ein gutes Stück Arbeit vor mir: Zusammenbau, Feinschliff und Lackieren werden sicher noch eine gute Woche in Anspruch nehmen.

Ja – und dann natürlich der Abbau des alten Schranks. Das wird nicht ganz einfach weil er nämlich eins mit der Wand ist: der hintere und seitliche Rahmen sind mit vier Paaren 100er Nägeln in unterschiedlichen Richtungen direkt in die Mauer genagelt und werden von dieser getragen, wobei sie sich gegenseitig an jeder Bewegung senkrecht zur Wand hindern. Somit muss ich den Schrank vermutlich also erst zersägen, bevor ich die Teile von der Wand lösen kann.

Nun ja – das hatte ich ja schon einmal, als ich Platz für die Spülmaschine schaffen wollte… 😀