Handarbeit

Hallo René,

wie du weißt, kam ich in der Schulzeit im Handarbeitsunterricht nie über das Mittelmaß hinaus, und betrachtet man die folgende Bastelei unter ästhetischen Gesichtspunkten, wird schnell klar warum.

Aber hier geht es nicht um Ästhetik oder Mode, sondern um Kompatibilität.

Wir leben im Jahre 2020 AD, und da wird erwartet dass man ein Mobiltelefon bei sich trägt sobald man sich außerhalb des eigenen Heims bewegt – und tatsächlich ist das in gewisser Weise sogar der Sinn eines solchen Gerätes.

Nun sind Mobiltelefone aber schon lange keine mobilen Telefone mehr, sondern eigentlich mit (unter anderem) Telefonfunktion ausgerüstete mobile Personalcomputer im Taschenformat.

Ja – oder eben auch nicht Taschenformat.

Für die meisten Menschen ist es offensichtlich kein Problem ein solches Gerät, oder sogar zwei davon, ständig und überall mit sich herumzutragen. Aber wo lässt man es wenn man es gerade nicht benutzt, was bei mir 99.99% der Zeit der Fall ist?

In die Hosentasche ist riskant – es ist ohnehin zu groß dafür und kann herausfallen, und wenn man nicht daran denkt, setzt man sich vielleicht versehentlich darauf. Die Jackentasche ist eine Möglichkeit, die aber voraussetzt dass man eine Jacke trägt, und das tut man ja nun nicht immer, vor allem im Sommer nicht.

Ich habe versucht zu beobachten wie andere Leute das handhaben, wurde dabei aber nicht schlauer. Offenbar besteht bei mir eine Ausnahmesituation, denn die meisten meiner Zeitgenossen haben das Gerät permanent in der Hand – und vor der Nase – und brauchen bestenfalls nur mal kurzfristige Ablagemöglichkeiten, wozu die Hosentasche dann doch gut genug ist.

Dagegen brauche ich ständig meine beiden Hände und freie Sicht, insbesondere wenn ich mit Masha mal wieder im Wald unterwegs bin. Das Telefon in der Hand ist für mich eine seltene Ausnahme – ansonsten muss es verstaut werden.

Wohin also mit dem Ding? Bisher hatte ich es in der Regel schlicht zuhause gelassen, was aber dem Zweck eines mobilen Kommunikationswerkzeugs zuwider läuft, und außerdem werde ich zunehmend dafür kritisiert dass ich quasi nie erreichbar bin.

Die naheliegende Lösung ist ein Holster, also eine kleine Tasche die man am Gürtel trägt, und die das Telefon aufnimmt und gegen diverse Umwelteinflüsse schützt, und beim Bewegen im Gelände genausowenig stört wie beim Sitzen, ganz gleich ob man nun auf einem Baumstumpf oder im Gras sitzt.

Solche Holster gibt es zwar im Handel, aber eines zu basteln sollte ja nicht so schwer sein – ich hatte ohnehin noch ein Paar zerschlissene Jeans die eine neue Rolle brauchten.

Gesagt, getan.

Na ja – dachte ich jedenfalls. Es ist ziemlich lange her dass ich mit dem Nähzeug gearbeitet habe, und in dieser Zeit scheint das alles geschrumpft zu sein: meine Finger passen nicht mehr in die Griffe der Schere, die Nadeln sind winzig und verschwinden beim Nähen einfach aus meiner Hand – kurzum: nicht meine Art von Werkzeug. Fummelig.

Aber deine Schwester eilte zu Hilfe und gab mir die richtigen Tips – und mit viel Geduld und – ja – Spucke, bekam ich ein kleines Täschchen mit Schlaufen für den Gürtel zusammen.

Es ist gepolstert, hat ein Innenfutter aus weicherem Stoff, und lässt sich mit einem Druckknopf verschließen – so dass das Telefon leicht hinein-, aber nicht so leicht herausgleitet.

Na, und am Gürtel tragen lässt es sich natürlich auch, und verschwindet unauffällig unterm Pullover – bzw. bei Regen unter dem Umhang.

Hab’s heute gleich mal unterwegs getestet, einschließlich Unterholz-Parkour mit Masha, und es funktionierte genau wie ich es mir gedacht hatte: ich vergaß tatsächlich völlig dass ich das Telefon dabei hatte, und trotzdem nahm es keinen Schaden.

Recycling (Forts.)

Ihr erinnert euch vielleicht noch an dieses Bild:

Ich hatte eine alte Transportpalette auseinandergenommen, und die Bretter aufgearbeitet um daraus eine weitere Holzkiste anzufertigen – als Geschenkverpackung, oder zur Aufbewahrung persönlicher Schätze.

Mittlerweile gibt es drei dieser Kisten – den Prototypen den ich bereits vorgestellt hatte, und zwei weitere aus dem Erlenholz der Palette. Hier noch mal der Werdegang der letzten, und kleinsten:

Ausgangspunkt waren, wie gesagt, ein paar wiedergewonnene Bretter – nicht gerade sehr schön anzusehen:

Nach dem Säubern und Glatthobeln kam aber ein wunderbares Farbspiel zum Vorschein, das eine Rolle als sichtbare Front verlangte:

Nicht einfach, denn das Brett war gewunden und die brauchbare Länge zu kurz um das komplette Muster einzubeziehen, und Geradehobeln hätte ausgerechnet die schönsten Stellen abgetragen. Hmm – was tun?

Dann kam mir aber die Idee das Brett so zu teilen dass sich das Muster über die Seite fortsetzt. Durch diese Teilung würde die Krümmung nicht so sehr ins Gewicht fallen, und ich könnte das Muster erhalten.

Ein weiteres Problem war das Verleimen des Deckels – die Kanten der Bretter quollen durch den Leim so ungleichmässig auf dass der Deckel eine kräftige Wölbung bekam (über 1cm!), noch bevor ich ihn einspannen konnte.

Bei solch einer Verformung hätte einfaches Pressen die Fugen schlicht wieder auseinander gerissen – also war ich gezwungen den Deckel über mehrere Tage immer wieder mit einem nassen Tuch anzufeuchten, und mit Steinen zu beschweren bis die Wölbung weitgehend verschwunden war, und ich den Rest glatthobeln konnte.

Um ihm Stabilität zu verleihen, entschied ich mich ausserdem den Rahmen aus Eichenholz anzufertigen.

Eine Quälerei, kann ich euch sagen: die Eiche ist hart aber spröde, und die Fasern liegen kreuz und quer, kräuseln sich, und überstehen vorsichtige Schnitte oft völlig unbeschadet – als hätte man das Werkzeug nicht mal dran gehabt. Aber ein Schlag zu kräftig – und das Werkstück bricht der Länge nach, aber nicht glatt, sondern unregelmässig und damit meistens irreparabel. Für kleinere Details ein ungeheur schwieriges – wenngleich dankbares – Material. Beeindruckende Stärke, wunderbares Muster, aber keine Manieren.

Aber wo ein Wille ist…

Nun ist das Erlenholz ja roh ziemlich blass, und man kann das Muster das mich so begeistert hatte kaum erkennen. Aber mit einer kräftigen orange-roten Beize kann man sie gut herausarbeiten.

Und mit ein bisschen Lack und Politur (und ein Tröpfchen Phantasie, wenn zur Hand) wird das hässliche Palettenholz als lavaspeiender Vulkan wiedergeboren:

🙂 Schick, oder?

Recycling

Hin und wieder fällt ein bisschen Holz ab zum Ausprobieren von Ideen.

Dieses Mal habe ich versucht eine kleine Truhe zu bauen, als Prototyp für ein Geschenk:

Für die Seiten habe ich das übliche Kiefernholz verwendet, und für den Deckel eine Platte aus stabverleimtem Birkenholz.

Ist natürlich nicht perfekt, war aber eine gute Übung – hab wieder einmal viel dazugelernt. Das eigentliche Werkstück wird ein bisschen kleiner, wird aber ansonsten dieselbe Konstruktion haben.

Hier ist das Ausgangsmaterial:

Diese Bretter stammen von einer Lastpalette aus einer Möbellieferung. Sie sind ein bisschen grob gesägt und verwittert, aber dafür sauber (keine Ölflecken), und laut Hersteller frei von chemischen Impregniermitteln (lediglich wärmebehandelt).

Nach ein bisschen Säubern und Glatthobeln kommt dann wunderbar rötlich schimmerndes Erlenholz zum Vorschein:

Erlenholz, weil es so leicht ist – macht Sinn für Paletten: weniger Gewicht = weniger Treibstoffverbrauch. Für meine Zwecke macht das auch Sinn: die Kiste wird also leicht, ich brauche kein teures Holz zu kaufen, und mit ein bisschen Beize kann man Erlenholz wirklich sehr edel aussehen lassen.

Nur ein Deckel aus Birke macht hier keinen Sinn – der wäre viel zu schwer und würde die Kiste glatt umreissen. Muss mir also was anderes ausdenken.

Aber davon sind wir sowieso noch ein gutes Stück entfernt – erstmal alle Teile gerade und auf Mass hinbekommen…hier gibt es nämlich keine zwei gleichen Ausgangsmasse. Das Holz ist nur grob gesägt, die Bretter krumm, die Abweichungen betragen bis zu einem Zentimeter in der Breite, und mehrere Millimeter in der Dicke, und so gut wie keine der Kanten ist rechtwinklig.

Also dann wollen wir mal…

Apropos Kerzenwachs…

Ja, das sieht jetzt vielleicht albern aus – aber mit dem Zersägen der Kerze wird das Sägeblatt mit Paraffin eingewachst.

Danach gleitet die Säge leichter durch das Holz, was verhindert dass man zuviel Kraft aufwendet – und dadurch wiederum wird der Schnitt sauberer und die Säge ”hackt” nicht.

Leider reibt sich das Wachs schnell ab, so dass man die Sache schon nach ein paar Schnitten wiederholen muss.

Stearinkerzen funktionieren übrigens nicht – die lassen sich zwar zersägen, hinterlassen aber kein Wachs auf der Säge sondern nur Späne auf dem Boden.

Kleine Bastelarbeit nebenbei

Was schenkt man Freunden zu ihrer neuen Wohnung? Hmm…

Wie der Name schon sagt, ist ein Schlüsselbrett ein Brett in Form eines Schlüssels. Oder?

Eine kleine Bastelarbeit mit Figursäge, Schleifpapier, ganz viel Lack und ein wenig Geduld. Mal sehen ob’s ihnen gefällt…