Schwangerschaftsgymnastik, cat-style

Nicky jagt Maikäfer, die korrekterweise vielleicht eigentlich Junikäfer heißen sollten – was in manchen Sprachen ja auch der Fall ist – denn sie treten immer um die Monatswende Mai-Juni auf.

Nicky ist momentan ein wenig hecklastig und rund um die Taille – wir sind noch schätzungsweise vier Wochen von einem Nest kleiner Wuschelbällchen entfernt.

Verantwortlich dafür zeichnet – vermutlich – ein orange gestreifter Streuner, der hin und wieder zum Fressen und Entlausen vorbeischaut. Der kleine Schwarzweisse von nebenan kommt zwar auch in Frage – oder tatsächlich, bei Katzen ist das möglich, sogar beide. Allerdings war der Streuner sehr viel übler zugerichtet, mit blutiger Nase, ausgerissenem Fell und geschlitztem Ohr, so ich tippe mal auf eher ihn.

Die Umstände halten sie aber nicht von ihrem halsbrecherischen Kung-fu ab um sich kurz nach Sonnenuntergang die orientierungslos herumbrummenden Krabbelviecher im Flug zu krallen und haufenweise zu vertilgen. Wenn erforderlich, klettert sie dazu sogar auf das Dach des Kaninchenstalls und springt von dort.

Auch ihre wilden Wettrennen mit Masha zieht sie nach wie vor durch: sie legt sich auf die Wiese, wartet bis Masha herankommt, lässt sich kurz von ihr beschüffeln, und springt dann plötzlich auf und sprintet Richtung Zaun – Masha natürlich hinterher – und dann mit einem Satz im hohen Bogen über den Zaun.

Dieser Trick verblüfft Masha jedesmal aufs Neue: wenn sie wollte, könnte sie problemlos hinterher springen, aber sie bleibt völlig fasziniert stehen und schaut mit heruntergeklapptem Kiefer der davonfliegenden Katze nach. Die hebt einfach ab!

So wachsen die kleinen Katzenbabys also in einem Jagdflugzeug heran, einschliesslich vorgeburtlichem G-Training. Na, mal sehen was das für welche werden…das kann ja lustig werden.

Oder auch nicht

Was habe ich da geschrieben – Dürre?

Am Tag nach meinem letzten Eintrag drehte der Wind auf Süd bis West, und brachte feuchte – wenngleich kalte – Luft zu uns, und es begann zu regnen. Und es regnete und regnete, den ganzen Mai über.

Fluss und See sind wieder gut aufgefüllt, und rundum ist es grün geworden. Vor allem den Bäumen hat der Wassernachschub sichtbar gut getan. Aber die Blüten liessen dank der Kälte auf sich warten – und viele Bienen, vor allem Solitärbienen, sind schlicht verhungert.

Jetzt, drei Wochen später als sonst, blüht deutlich mehr als in den meisten Jahren – allerdings sind es auch durchschnittlich andere Arten, die in diesem Jahr die Blütezeit dominieren.

Ich habe noch eine Linde gepflanzt.

Ursprünglich sollte an der Stelle ein Fächer-Ahorn wachsen, aber der hatte den Winter nicht überlebt. Die Wahrscheinlichkeit dass ein weiterer Versuch mit Fächer-Ahorn zum gleichen Ergebnis führt ist eher hoch – also haben wir uns nach etwas robusterem umgesehen, und dabei kamen wir auf entweder Birke oder Linde.

Eine Birke ist schön, aber kein sehr effektiver Schattenspender – doch genau darum geht es an diesem Platz: Mikroklima. Der Garten ist nach wie vor zu offen, es gibt fast keine Schattenplätze.

Eine erwachsene Birke deren lichte Krone irgendwo sieben, acht Meter über dem Boden beginnt, schafft auf Bodenniveau genauso viel Raum wie ein Fahnenmast. Peter hat so eine in seinem Garten: zwei Stämme, gut zwanzig Meter hoch, ein wunderbarer Baum – aber gegen Sonne, Wind und Regen so hilfreich wie eine Spitzengardine.

Eine Linde dagegen schafft schon als relativ junger Baum mit ihrer dichten Krone ein effektives Dach mit sowohl Sonnen- als auch Windschatten, und genau das braucht es hier.

Na ja, zugegeben – Linden sind schlicht meine Lieblingsbäume, und das war letztlich ausschlaggebend.

Nun, da wir jetzt zwei Linden haben, sollten wir ihnen Namen geben. Wer einen Namen hat, hat auch eine Geschichte – und aus Geschichten wird die Ewigkeit gemacht.

Vorschläge sind willkommen.

Dürre

Der Frühling, der sich vor einem Monat so stürmisch ankündigte, ist noch keinen Schritt weitergekommen. Es wurde wieder kalt, die Nächte oft frostig, und lange Zeit wehte ein kalter Ostwind.

Dazu kommt, dass es seit Anfang April nicht mehr geregnet hat. Die Wasserpegel sind wieder extrem niedrig, und an einigen Stellen liegt das Flussbett frei, nur ein schmales Rinnsal fließt zwischen den Steinen durch.

Auf der Morgenrunde am See

Früher herrschten hier westliche Winde vor, die warme Luft und öfter mal Regen brachten. Seit einigen Jahren ist Westwind aber Glückssache – die Hauptwindrichtung hat auf Ost gewechselt, und so ist es im Frühjahr kälter, und im Sommer heißer, und das ganze Jahr über viel zu trocken.

Leider scheint sich dieser Trend auch in diesem Jahr fortsetzen zu wollen.

Osterwandertage

Småland kann richtig schön sein…

Wenn einem im Moment das Wetter nicht gefällt, muss man einfach nur zehn Minuten warten – und dann aber schnell sein. Strahlend blauer Himmel mit wärmendem Sonnenschein an einer Straßenecke…und schwarzgraue Wolken, eisiger Wind und Schnee oder Graupelschauer an der nächsten.

Es ist unmöglich, sich wettergerecht anzuziehen und dann wettergerecht angezogen zu sein.

Warm draußen? Ne, echt jetzt?

Eben bin ich mit Masha von der Abendrunde gekommen – ein schöner, warmer und sonniger Frühlingsabend im Wald. Jetzt rieselt vor dem Fenster wieder leise der Schnee…

Ja, ja – ich weiß, das nennt man Aprilwetter. Diesen Spruch habe ich in den letzten fünf Tagen mindestens hundert Mal gehört, und vor lauter Volksweisheit dennoch vergessen das Kalenderblatt zu wechseln. Ach ja: es ist ja nicht nur Aprilwetter, sondern auch April…und Eierversteckfest.

Wie versteckt man mit Speckschwarte auf Hochglanz polierte Eier, wenn man einen Labrador im Haus hat? Richtig – zwischen Speckschwarten, oder genauer gesagt: zwischen massenweise Duftmarken von Speckschwarten. Dieses Mal hatte ich meine Lektion gelernt, und es hat auch weitgehend funktioniert. Ein einziges Ei hat Masha lokalisiert, alle anderen blieben für die Zweibeiner zu finden.

Masha und ich probieren wieder neue Wanderrouten aus – heute ging es vom Ingelstorp zum Dackeleden und wieder zurück, eine recht kurze Runde von etwa sieben Kilometern.

Die Strecke führte zuerst durch eine lichte Kiefernplantage, dann durch älteren Fichtenbestand und schließlich über einen ausgedehnten Kahlschlag. Definitiv keine Sommerrunde – das wird viel zu warm, und abgesehen von einem kleinen Bach den wir zweimal kreuzten, gibt es keine Wasserstellen. Auf der Karte ist linkerhand zwar ein Sumpfgebiet ausgewiesen – wir haben aber heute keinen Weg dorthin finden können. Na ja, vielleicht beim nächsten Mal.

Eine andere Strecke, die wir nun endlich mal erforscht haben, ist die größere Buxryd-Runde. Man geht bei Buxryd vom Pianovägen nach Süden, und hält sich auf dem Waldweg immer rechts, bis er auf einen Querweg mündet. Geht man diesen nach rechts, kommt man zurück nach Buxryd Gård – geht man allerdings nach links, endet der Weg nach etwa einem halben Kilometer plötzlich.

Letzte Woche haben wir uns davon nicht stoppen lassen und sind einfach mal geradeaus weiter durchs Gehölz gegangen, und tatsächlich beginnt nach nicht einmal hundert Metern wieder ein Weg – zunächst nur ein halbverwildeter, schmaler Pfad, der dann aber immer deutlicher und breiter wird, bis man plötzlich – genau in der Schußlinie eines Jägerstands – aus dem dichten Wald auf einen alten Fahrweg tritt, der einmal mit Schotter befestigt war.

Rechterhand liegt dort ein ausgedehntes Sumpfgebiet mit vielen Wasserstellen, und diverse kleine Bäche kreuzen den Weg. Links steht sehr junger Wald, durchsetzt von einzelnen, riesigen Kiefern und Espen. Der Weg ist gemütlich, mit sonnigen und schattigen Abschnitten und einigen Sitzgelegenheiten zum Verweilen und Kaffeetrinken – und ein paar faszinierenden Wegmarken.

Auf halbem Weg zurück steht beispielsweise eine schiefe Kiefer – sicher dreißig Meter hoch, und fast 45 Grad geneigt. Sie lehnt gegen nichts, sondern steht in ihrer absurden Neigung völlig frei, als hätte jemand beim Umstürzen die Pausentaste gedrückt und vergessen den Film weiterlaufen zu lassen. Und der Weg führt genau dort entlang wo der Stamm aufschlagen würde – aber sie scheint völlig intakt und stabil zu stehen, und schwingt frei im Wind. Logischerweise haben wir diese Kiefer ”Schiefer” getauft.

Noch ein Stück weiter, auf einem kleinen Hügel wie auf einem Podest, und umringt von Babyfichten, steht der Überrest einer einst riesigen Fichte, mit ungefähr einem Meter Stammdurchmesser. Der vielleicht sechs Meter hohe, silbergraue Stammrest hat keine Rinde mehr, und ist übersät mit -zigtausenden Insekten-Bohrlöchern, dicht and dicht – ein Hochhaus! Wir haben es ”Grand Hotel” getauft, und es ist unmöglich zu übersehen.

Nach dem Grand Hotel erreicht man nach gut einem Kilometer wieder den Pianovägen, ungefähr einen Kilometer westlich von Buxryd. Eine wirklich schöne, und absolut sommertaugliche Runde.

Garten Cup

Was ist lustiger als mit einem Labrador Retriever Fussball zu spielen? Mit zwei Labrador Retrievern Fussball zu spielen!

Das Spiel beginnt indem ein menschlicher Mitspieler den Ball aufs Feld bringt und ein wenig vor sich hin dribbelt. Wenn dann der Boden anfängt zu vibrieren, gibt es zwei Möglichkeiten zwischen denen er sich blitzschnell entscheiden muss: aus dem Weg gehen, oder den Ball spielen.

Ganz egal wie er sich entscheidet, das Spiel ist damit eröffnet. Das Prinzip ist folgendes:

Ist der Ball frei, wird er gejagt. Wer den Ball zuerst erreicht, hält ihn fest – während alle anderen versuchen ihn dazu zu bringen den Ball fallen zu lassen. Dabei sind alle Tricks erlaubt – außer Einbuddeln des Balls. Lässt er den Ball los, wechseln die Rollen. Die Rolle der menschlichen Mitspieler ist, den Ball zu befreien und wegzuschießen, womit dann die Jagd von vorn beginnt.

Im Unterschied zum menschlichen Fußballspiel wird hier aber nicht gegeneinander gespielt: der einzige Gegner auf dem Feld ist der Ball. Dessen Überlebenschancen sind verschwindend gering, aber die Stimmung ist phänomenal.

Beim Spiel gelten prinzipiell Hunderegeln: es wird geknurrt, gebellt, gezogen, geschubst, getreten, gehauen, gebissen – aber alles nur zum Schein. Es wird mit vollem Körpereinsatz gespielt, aber rücksichtsvoll so dass niemand verletzt wird. Keine Attacke kommt mit voller Kraft, und immer wieder wechseln die Rollen.

Gesten spielen dabei eine große Rolle – immer wieder versichern die Hunde ihren Mitspielern dass alles nur Spiel ist. Spielverbeugung, Blickwendung zur Seite, Augenzwinkern (mit beiden Augen), locker hängende Unterkiefer und im Fahrtwind flatternde Hundezungen. Und signalisiert einer der Spieler Ungemach oder Angst, wird das Spiel sofort unterbrochen und sich um ihn gekümmert.

Das Ziel des Spiels ist…zu spielen, nichts weiter. Die wilde Jagd und Rauferei ist kein Kräftemessen, sondern Zuwendung, Unterhaltung, Freundschaftspflege und schlicht Spaß miteinander.

Es gibt am Ende weder Gewinner noch Verlierer (vom Ball und ein paar Hosen einmal abgesehen), sondern nur zwei glückliche Labrador Retriever die hechelnd halb aufeinander im Gras liegen und ihre durchgeschwitzten und erschöpften zweibeinigen Spielkameraden zufrieden angrinsen.

Zeit für Kaffee.

Sonntagsfrühstück

Bei unserer Morgenrunde, in der Nähe des Fußballplatzes, landete plötzlich eine Nebelkrähe direkt vor uns, mit einem noch beinahe vollständigen Hamburger-Brötchen im Schnabel.

Die Beute war offensichtlich schwer, und dieser plötzliche Auftritt direkt vor unseren Füßen daher vermutlich eine ungewollte Not-Zwischenlandung.

Ein paar Sekunden starrten wir uns an – also ich die Krähe, die Krähe mich, und Masha, sabbernd, das Brötchen.

Krähen sind recht intelligente Tiere, und im Allgemeinen nicht sehr ängstlich, aber in diesem Augenblick war die Krähe – berechtigterweise – sehr um ihr Sonntagsfrühstück besorgt, machte aber in ihrer Panik einen kolossalen Denkfehler.

Statt damit auf den Baum zu flattern und abzuwarten, flatterte sie ein paar Meter auf die Wiese und versteckte blitzartig das Brötchen im hohem Gras, und zwar richtig gut. Sie deckte es sogar noch mit Laub ab, und für einen Menschen wäre es sicher nicht zu finden gewesen.

Aber der Mensch war hier ja gar nicht das Problem!

So dauerte es nur Sekunden bis das Brötchen lokalisiert, ausgebuddelt und verschlungen war – und die Krähe musste hilflos mit ansehen wie ein durchaus dankbarer Labrador sich die letzten Krümel von der Schnauze leckte.

Das ist der Grund warum Masha gern Vögel aufscheucht und dann hinter ihnen herschnüffelt – Vögel am Boden zeigen Leckerbissen an, die sie auf der Flucht häufig liegen- oder fallenlassen, und die Episode mit der Krähe hat diese Logik nur wieder bestätigt.

Der unsichtbare Elch

Tauwetter hat eingesetzt, auf dem Eis haben sich Pfützen und Rinnsale gebildet. Wo der Schnee festgefahren war, läuft es sich wie in einer Wasserrutsche – aber mit Spikes unter den Schuhen oder Krallen an den Pfoten geht es irgendwie.

Weiter oben im Wald ist der Schnee noch tiefer, und trägt teilweise noch. Als wir in den Seitenweg zum Skäresjön abbiegen, sehen wir eine frische Elchspur, rechts aus dem Wald kommend und links ins Dickicht führend.

Masha inspiziert die Abdrücke, rechts unten im Bild die kleinere Fährte

Der Abdruck ist ziemlich groß – verglichen mit meiner Schuhgröße 46 – und sinkt deutlich tiefer ein als ich. Ein großes, erwachsenes Tier also. Dazwischen sind kleine, flachere Abdrücke. Eine Kuh mit Kalb also?

Schuhgröße 46 zum Vergleich, mein Abdruck mit vollem Gewicht ist nicht einmal halb so tief

Masha ist ziemlich aufgeregt, und starrt gebannt in die Richtung wo die Spur verschwindet. Ich sehe und höre überhaupt nichts, aber Masha ist sich ganz sicher dass dort was zwischen den dicht stehenden Fichten ist.

Wir gehen ein Stück den Weg weiter, drehen aber nach einem kurzen Blick auf den See wieder um. Masha drängelt. Ich sehe und höre immer noch nichts. Noch einmal dieselbe Spur, und dann, ein paar Meter weiter, eine ganz frische Spur in die entgegengesetzte Richtung – dasselbe Pärchen, die eine groß und tief, die andere kleiner und flacher.

Wir folgen der Spur durchs Dickicht, bleiben immer wieder stehen, spähen, lauschen – aber kein Elch ist zu sehen oder zu hören. Also kehren wir um, schleichen wieder zurück zum Weg. Während wir zurücklaufen stelle ich fest dass eine weitere neue Elchspur wieder zurück zum Weg führt, nur einen Meter von der entfernt der wir ins Unterholz gefolgt waren.

Unmöglich – da müssten wir ja direkt an ihnen vorbeigelaufen sein! Oder die Elche in einer großen Schleife um uns herum, aber dann wären sie sehr schnell gewesen, und obendrein völlig lautlos.

Wir geben die Jagd nach dem unsichtbaren Elch schließlich auf.


Zuhause fand ich auf dem Telefon noch diesen Schnappschuß…

Wildkatz und Teddybär, und ein geklautes Paar Socken

Nicky ist nämlich darauf gekommen dass sich ein Hundehintern hervorragend als Kopfkissen für die Mittagspause eignet.

Badebombastisch

Ein deutscher Hersteller bietet Kugeln aus parfümiertem Bikarbonat unter dem Titel ”Badebomben” an – und auf der Rückseite der Verpackung findet sich folgende Beschreibung des Produktes:

””” Nicht nur Waldspaziergänge sind entspannend, sondern auch Kräutergartenbaden! Die Badebomben Kräutergarten mit natürlichen Avocado- und Traubenkernölen verwandeln das Badewasser in eine idyllische Oase der Gelassenheit. Egal ob Grünteeblätter, Rosenblüten oder Lavendelblüten oder alle drei. Jetzt fehlt nur noch das Vogelgezwitscher…”””

Dass es zunächst schwerfällt den Begriff ”Bomben” mit Entspannung und Gelassenheit zu verbinden, hat einen Grund – hier handelt es sich nicht um einen Werbetext, sondern um eine eindringliche Warnung vor dem Produkt:

Dem sachkundigen Wannengänger ist bekannt dass Entspannung in warmem Badewasser zu Blubberblasen führt – und nicht etwa andersherum – und dass die leibeigenen Wohlgerüche und die esotherischen Duftöle aus industriell hergestellten Badezusätzen eine Mischung ergeben, deren Anwendung im Krieg wegen ihrer besonderen Grausamkeit seit über hundert Jahren weltweit geächtet und verboten ist.

Daher weist der Autor gleich einleitend darauf hin dass ein Waldspaziergang eine möglicherweise sinnvollere Alternative statt der Anwendung dieses Produkts ist, und unterstreicht dies noch mit der vollkommen absurden Wortneuschöpfung des ”Kräutergartenbadens”, gefolgt von einem eigentlich unnötigen Ausrufezeichen zur Verdeutlichung der Dringlichkeit.

Und der letzte Satz, in all seiner abgebrochenen Tragik, verdeutlicht dann noch einmal die Gefahr die hier droht – fettgedruckt, halberstickt in drei Punkten der Verzweiflung und des Flehens. Oh- Jetzt fehlt nur noch das Vogelgezwitscher… hat weiss Gott das Zeug zum geflügelten Wort!

Du meine Güte! Hut ab! Was in aller Welt muss man studieren um einen solch bombastischen Nonsens verzapfen und in einer Produktwerbung unterbringen zu können, und obendrein dafür bezahlt statt verklagt zu werden?

Ein satirisches Meisterwerk – Applaus für den Autor! Er schafft es hier den völlig überfressenen und werbungsverblödeten Berufskonsumenten durch knietiefen Kakao zu schleifen, und dabei trotzdem den Eindruck zu hinterlassen er würde ein Produkt bewerben. Vegan. Ohne Mikroplastik. Natürlich!

Dass der Hersteller das hat durchgehen lassen zeugt entweder von grandiosem Humor, oder extremer Arroganz.

Dem Autor aber einen Blumenstrauß! Well done.

Schnee von gestern

Obwohl diese Nacht fast zehn Grad wärmer ist als noch am vergangenen Wochenende, fühlen sich die -6°C heute deutlich kälter an.

Merkwürdig. Vielleicht funktioniert das Temperaturgefühl nur in einem bestimmten Bereich, und liefert außerhalb dessen gar keine brauchbaren Informationen? Bei -16°C habe ich jedenfalls nicht gefroren, nur das Atmen beim Laufen wurde etwas anstrengender.

Die Spaziergänge durch die eisigen, klaren Nächte boten gleichwohl ein interessantes Schauspiel: die gigantische Eisplatte auf dem See vibriert nämlich wenn der Wind darüber bläst, und gibt dadurch gespenstische, klagende Töne von sich, die aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen scheinen. Huhuuh.

Und dann, ganz plötzlich, bricht die durch Kälteausdehnung stark gespannte Platte mit krachendem Donner wie bei einem Gewitter, nur um an der Bruchkante gleich wieder zusammenzufrieren und weiter zu jaulen.

Eisbeben – faszinierend und gruselig zugleich.

Die steigenden Temperaturen und der viele Neuschnee haben den See nun zum Schweigen gebracht. Der Schnee ist schwer, und isoliert gleichzeitig das Eis von der kalten Luft, so dass das Tiefenwasser es von unten erwärmt. Die Spannung verschwindet, und mit ihr die Eisbeben, und egal wie zornig der Wind darüber pustet, er wirbelt nur Schnee auf und kriegt auf seinem Instrument keinen Ton mehr zustande.

Unter den Eichen auf der Wiese nebenan watschelt eine Gruppe Enten futtersuchend durch den Schnee. Von hier aus sieht es aus als würden sie über die Wiese schwimmen, und hier und da mal nach etwas Essbarem abtauchen.

Masha schaut eine Weile fasziniert zu.

Auf einer unserer Wanderungen hat sie entdeckt dass unter dem Schnee die Mäuse spazieren gehen – und seither ist das Schneetauchen superinteressant. Vielleicht fragt sie sich wonach genau die Enten dort suchen? Mäuse?

Nicky jagt lieber umherfliegenden Blättern hinterher, die der Wind ausgegraben hat – und verschwindet dabei selbst immer mal wieder in den Schneewehen. Dieses wilde Spiel – völlig lautlos – bringt mich zum Lachen, obwohl es keineswegs mehr komisch oder tapsig ist, sondern geschickt, treffsicher, superschnell und hochkonzentriert.

Das kleine Katzenkind ist ein gefährlicher Jäger geworden, ihrer Beute haushoch überlegen und absolut tödlich. Wie schnell das ging…

Zu Fuß

Die Standardmethode der Fortbewegung bei Menschen ist das Laufen, und zwar üblicherweise auf zwei Beinen, wobei jeweils der ganze Fuß aufgesetzt bzw. mehr oder weniger abgerollt wird.

Menschen sind von Natur aus keine guten Sprinter – die Zweibein-Methode ist kompliziert, die Verteilung der Muskelkraft durch lange Hebel recht ineffektiv beim Vortrieb, und der Stützapparat notwendigerweise ziemlich steif, was Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit enge Grenzen setzt.

Dagegen sind Menschen aber extrem ausdauernde Wanderer. Bei niedrigem Tempo mit einigermaßen konstantem Schrittrhythmus kann ein Mensch im Prinzip den ganzen Tag laufen ohne müde zu werden – und auf diese Weise hunderte oder sogar tausende von Kilometern zurücklegen.

Das ist kaum überraschend, denn schliesslich hat das Wandern das Menschsein über hunderttausende von Jahren definiert – und wir sind physisch und mental am besten an ein nomadisches Leben angepasst.

Meine Schuhe allerdings nicht so:

Haglöfs Hiking Boots nach 2000km

Obwohl ausdrücklich als Wanderschuhe ausgewiesen, zeigen sie nach kaum acht Monaten und gerade mal etwa zweitausend Kilometern bereits deutliche Zeichen von Materialermüdung.

Das Oberleder ist rissig geworden und beginnt sich aufzulösen, und an einigen Stellen macht die Verschweißung der Sohle bereits schlapp.

Schwache Leistung für ein vielgelobtes Hightech-Produkt!