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Nass, kalt, dunkel

Mit weniger als sieben Stunden schwachen Tageslichts nähert sich das Jahr seinem absoluten Tiefpunkt. Lautloser feiner Sprühregen wird von Windböen in alle Richtungen getrieben und dringt durch die feinsten Ritzen.

Ein Blick nach vorn bringt einen nasskalten Schauer ins Gesicht, und Wassertropfen auf den Wimpern lassen die Landschaft verschwimmen.

Die Leute sind mürrisch, haben es eilig, die Kragen hochgeschlagen, die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. In allen Fenstern stehen Lampen, um die monströse Dunkelheit auszusperren. Wer nicht raus muss, der bleibt im Haus, und kriecht unter eine Decke.

Wenn man dann so ins Kaminfeuer starrt, mit einem weichen, warmen Hund neben sich der sich in seiner ganzen Länge ankuschelt und selig vor sich hin schnarcht – wie kann man da seine Gedanken fest- und die Augen offenhalten? Recht hat der Teddybär…lass es uns verschlafen, der nächste Frühling kommt bestimmt.

Wir bleiben im Hafen

Ein unerwarteter Sonnen-Sonntag – mitten im November – brachte einen langen Spaziergang, zusammen mit Bamse. Mit ihren wilden Waldabstechern legten die Hunde dabei locker das Dreifache der nominal drei Kilometer langen Strecke zurück.

Bei diesem wilden Herumtoben in schwierigem Gelände hat Masha sich die linke Vorderhand verstaucht – und so sind wir nun, wieder bei bestem Twilight-Wetter, für ein paar Tage mehr oder weniger ans Haus gebunden.

Bootshafen am See

Wir beschränken uns auf kurze seeseitige Rundgänge, mit durch kurze Leine erzwungener Ruhe, und halten uns ansonsten meist an Masha’s Lieblingsplatz auf: der Küche – was, aus genetischen Gründen, die Laune des Hundchens nicht nur über Wasser hält, sondern um die Mahlzeiten herum regelrecht abheben lässt.

Dort gibt es heute einen November-Klassiker: gebratenen Rosenkohl.

Dieser hat nämlich gerade Saison – eine der letzten Gemüse-Ernten im Gartenjahr. Die einzigen anderen Gemüsesorten die noch stehen sind Grün- und Schwarzkohl, und auch von diesen hole ich heute ein paar Blätter.

Für meine Version dieses bekannten Spätherbst-Rezeptes brauchen wir:

  • ca. 500g frischen Rosenkohl
  • ca. 50-100g Schwarzkohl (Grünkohl geht auch)
  • ein kleines Stück Kohlrübe, ca. 50g
  • eine Knoblauchzehe
  • Olivenöl
  • 1 EL Butter
  • 1 TL Salz
  • 150g Feta
  • eine Apfelsine
  • Pfeffer aus der Mühle

Zunächst schneide ich die Röschen vom Stamm und halbiere sie. Der Schwarzkohl wird kleingeschnitten und blanchiert, und der Knoblauch fein gehackt. Aus dem Kohlrübenstück schneide ich kleine streichholzdünne Streifen – oder heute zur Abwechslung mal Würfel.

Als nächstes erhitze ich das Öl in einer Pfanne, und gebe die Butter hinein. Sobald die Butter geschmolzen ist, gebe ich den Rosenkohl dazu und brate ihn etwa fünf Minuten, bis er ein wenig weich zu werden beginnt.

Dann gebe ich den Schwarzkohl, den Knoblauch und die Kohlrübenstücke dazu, streue das Salz darüber, und brate das Ganze noch weitere zehn Minuten bei mittlerer Hitze.

Anschließend alles in eine Schüssel geben, die gewürfelte Apfelsine dazu, den Feta darüber zerkrümeln, ein paar extra Tropfen Olivenöl und zwei, drei Runden mit der Pfeffermühle, durchmischen – und servieren! Schmeckt am besten warm, ist aber auch kalt genießbar.

Statt der Apfelsine kann man auch Granatapfelkerne (wunderschöne Optik), oder Apfelstücke nehmen – ganz wie man mag. Der gebratene Rosenkohl geht gut mit jeder Sorte Brot, zum Beispiel ein helles Baguette.

Übrigens – wer Kohl nicht gut verträgt und darauf mit starken Blähungen reagiert: einfach häufiger kleinere Mengen davon essen, um die Darmflora daran zu gewöhnen. Na ja – und immer raus mit den Gasen 🙂 …ein Spaziergang hilft dabei.

Verkehrte Welt

Heute machte Masha einen Ausflug in die Stadt.

Für ein Hundekind dass auf dem Lande aufwächst und tagein, tagaus die Wildnis durchstreift, ist diese Umgebung unfassbar. Überwältigend. Absurd.

Harter Untergrund, enge Wege – ein Labyrinth aus hohen, undurchsichtigen Mauern die es unmöglich machen Bezugspunkte für die Orientierung zu finden.

Hunderte von Stimmen, tausende Beinpaare, und Millionen unbekannter Gerüche. Beständiger Lärm. Es ist schwierig die Quellen von interessanten Geräuschen zu lokalisieren, ein Geschehen länger als ein paar Sekunden zu beobachten, einer Duftspur zu folgen ohne gleich wieder von der Leine gebremst zu werden weil ein zwei- oder vierrädriges Fahrzeug vorbeiprescht.

Die Vögel verhalten sich merkwürdig. Sie fliehen nicht – sondern kommen heran. Eine Dohle starrt sie aus nicht mal einem Meter Entfernung erwartungsvoll an. Masha weicht zurück. Irgendetwas stimmt mit diesen Vögeln nicht. Hallo? Ich bin ein Hund! Wo ist euer Wächter? Wieso kommt kein Warnruf? Wieso flattert ihr nicht weg?

Es gibt viele Hunde hier. Aber die sind stocklangweilig, gehen brav bei Fuß, bewegen sich nur auf Kommando – Steh, Geh, die Augen links – wie Maschinen. Sie würdigen uns keines Blickes. Masha schaut mich fragend an: ist das ein Hund? Sieht aus wie ein Hund, nur kleiner, riecht auch wie ein Hund – schaut aber nicht herüber, rührt sich nicht aus seiner Bahn, nicht mal ein Schwanzwedeln zum Gruß.

Die größte Herausforderung jedoch ist der Müll. Die Stadt ist voll davon. Masha ist überwältigt von diesem ungeheuren Reichtum, und beginnt jedes Detail zu untersuchen.

Ausgespuckte Kaugummis, Glasscherben, halbvolle Chipstüten, Zigarettenstummel, Reste von Zeitungen und Plakaten und andere Papierfetzen, Plastetüten, Teile einer Styroporverpackung, Plasteflaschen, Getränkedosen, eine interessant riechende Papiertüte mit einem bogigen M, unidentifizierbare rote Brückstücke aus Plaste…und da sind wir noch keine fünfzig Meter gelaufen.

Am Hafen findet sie einen toten Fisch auf dem Steg. Masha springt zwei Schritte rückwärts. Sieht essbar aus – riecht aber abstoßend, sogar für einen Hund. Und das will was heißen…

Inmitten dieser Müllhalde sehe ich mich tun was jeder brave Hundehalter tut. Masha hat auf einem der wenigen müllfreien Flecken Gras einen großen Haufen gemacht.

Ich zögere einen Moment. Ich bin geneigt diesen perfekten, olivgrün-brauen Kringel mit seinem eleganten Zipfel, dieses Musterbeispiel von umweltverträglichem Endprodukt – das einzige weit und breit das definitiv und schnell biologisch abbaubar ist – aus schierem Protest einfach liegen zu lassen.

Aber an absurden Plätzen tut man absurde Dinge – also krame ich seufzend die obligatorische Tüte hervor und sammle das Kunstwerk ein, um es in den erstaunlich leeren, mit einer schwarzen Plastetüte ausgekleideten Mülleimer am Rande der Parkanlage zu werfen. Eine fast obszöne Handlung.

Wir verlassen die Stadt und fahren zurück, mit Zwischenstopp am Ostseebad. Es gießt in Strömen. Leine ab, und dann rennt sie los. Sand, Wasser, Vogelkacke, meterhohes Schilf. Ein paar Enten flüchten, laut kreischend und zeternd. Normalität hat uns wieder.

Die halbe Meile

Ich fahre mal fort mit ein paar Ortsansichten, aufgenommen wieder mal bei einem Spaziergang mit Masha.

Dass die Bilder etwas grau und düster wirken ist eine korrekte Abbildung der Wirklichkeit – es ist November, und da gibt es nicht gerade viel Tageslicht hier. Zudem ist der Himmel permanent wolkenverhangen, was die Stimmung noch etwas düsterer macht – aber auch das ist für diese Jahreszeit völlig normal.

Unsere Mittagsrunde am Dienstag führte zur alten Eisenbahnbrücke am Hinsaryd Göl, weiter nach Sandslätt und dann am Riksväg 125 entlang wieder zurück – eine schöne Runde von ungefähr fünf Kilometern, also eine halbe schwedische Meile.

Der Weg beginnt an der neuen Feuerwache, mit der jungen, bildschönen Roßkastanie davor – eine in dieser Gegend eher seltene Baumart.

Die neue Feuerwache von Alsterbro

Vor gut einem Jahrhundert verliefen hier noch Gleise – auf dem Bild oben sieht man hinter der Wache schon die Dachspitzen des ehemaligen Bahnhofsgebäudes.

Das Empfangsgebäude des vormaligen Bahnhofs – ein imposantes Bauwerk für einen so kleinen Ort. Steht schon lange leer und ungenutzt.

Von der Feuerwache aus marschieren wir Richtung Südosten, in etwa der ehemaligen Eisenbahnlinie folgend. Dabei kreuzen wir die Stammleitung Südost, das Rückgrat der regionalen Stromversorgung.

Hochspannungsleitungen kurz hinter dem Ortsende

Nicht weit davon befindet sich die örtliche Wasseraufbereitungsanlage, mit biologischem Reinigungswerk.

Im Frühjahr wurden hier Glasfaserkabel verlegt, und bei dieser Gelegenheit auch ein schon lange defektes Ventil an der Wasserhauptleitung endlich ausgetauscht. Um die Wasserversorgung des Orts sicherzustellen, wurde hier zeitweilig Wasser aus Tanks eingespeist.

Wasseraufbereitungsanlage mit biologischem Reinigungswerk

Hinter dem Wasserwerk folgen wir wieder der ehemaligen Bahnlinie, die heute nur noch ein – entsprechend schnurgerader – Waldweg ist. Dieser etwa einen Kilometer lange Weg ist die kürzeste Verbindung zwischen Alsterbro und Sandslätt: eben, wetterfest, weit abseits der Landstraße, und daher die bevorzugte Strecke für Fußgänger und Radfahrer.

Der Weg führt quer durch das Hinsaryd Göl, einem Sumpfgebiet mit einem kleinen See entlang des Alsterån (= des Flusses „Alster“).

Am Hindaryd Göl, Westseite des Weges
Hinsaryd Göl, Blick nach Osten zum Kraftwerk

Dort wo der Weg den Fluß kreuzt, befindet sich eine hübsche eiserne Bogenbrücke, die daran erinnert dass der heutige Waldweg einst eine Bahnstrecke war.

Alte Eisenbahnbrücke

Östlich der Eisenbahnbrücke sieht man das Wehr des örtlichen Kraftwerks.

Kraftwerk Sandslätt

Dieses Kraftwerk versorgte einmal eine Möbelfabrik und die zugehörige Arbeitersiedlung, die wir kurz nach der Brücke erreichen.

Die ehemalige Möbelfabrik in Sandslätt

Die Fabrik wurde schon vor Jahrzehnten aufgegeben – steht aber noch voller Maschinen und halbfertiger Möbel. Sieht man über den natürlichen Verfall hinweg, sieht es aus als wäre die Belegschaft nur auf einem Betriebsausflug und würde die Arbeit morgen wieder aufnehmen.

Entlang der Zufahrtsstraße zur Möbelfabrik erstreckt sich die Siedlung Sandslätt.

Sandslätt, Barklunds Väg, Blick von der Möbelfabrik nach Westen
In Sandslätt, Rosenströmsvägen

Von Sandslätt aus marschieren wir entlang des Riksväg 125 (Landstraße) in nördlicher Richtung zurück nach Alsterbro, vorbei an der Siedlung Hinsaryd.

In Alsterbro überqueren wir die Alsterbrücke, die unserem Ort seinen Namen gab. Wie früher schon einmal erwähnt, befindet sich auch hier ein Wehr samt Kraftwerk, das allerdings schon lange stillgelegt ist.

Ehemaliges Kraftwerk an der Alsterbrücke, Generatorhaus und Arbeitskanal

Es gibt hunderte solcher kleinen, lokalen Wasserkraftwerke im ganzen Land – aber nur wenige die noch in Betrieb sind. Einige davon werden als Museum erhalten und gepflegt, andere sind dem Verfall ausgeliefert.

Dezentrale Stromversorgung war einst Standard – aber der Betrieb und Unterhalt eines solchen kleinen Kraftwerks ist aufwändig, während seine Leistung für den heutigen Energiebedarf viel zu gering ist.

Außerdem schaden die Wehre der Artenvielfalt im und um den Fluss sowie einigen einheimischen Fischarten. Vor allem verschlimmern sie, jeweils flussabwärts, das Problem der extrem niedrigen Wasserstände bei anhaltender Trockenheit – die in den letzten Jahren immer häufiger auftritt.

In den Wald hinaus

Wald ist unsere Landschaft.

Es gibt hier keinen „Waldrand“, sondern vielmehr einen Ortsrand – und ganz gleich in welche Himmelsrichtung man diesen überquert, dahinter ist überall Wald. Ein Ozean aus Bäumen. Hier geht man nicht in den Wald hinein, sondern in den Wald hinaus.

Pferdekoppel am Ortsrand

Die Baumwipfel sind der Horizont, ringsum, überall – und selbst wenn man auf einen hohen Turm steigt, ändert sich daran nichts. Menschliche Siedlungen verstecken sich zwischen den Bäumen – meist sind es einzelstehende Häuser, Gehöfte oder kleinere Waldsiedlungen, und nur selten dichtere, zusammenhängende Bebauung in Form von Dörfern.

Ortsrand, Straße nach Osten

Der größte Teil des Waldes ist bewirtschaftet, viele Bäume also jünger als hundert Jahre. Die typischen Wirtschaftsbäume sind Fichten und Birken.

Daneben gibt es aber auch viele Kiefern, die langsamer wachsen aber auch wiederstandsfähiger sind – sowie einige Lärchen und viele dicke Eichen. Letztere unterscheiden unseren Wald von der Taiga, in die er wenige hundert Kilometer weiter nördlich nahtlos übergeht.

Wie auf dem Ozean, so ist es auch im Wald leicht die Orientierung zu verlieren. Bewegt man sich abseits der wenigen Straßen, muss man, sofern man kein GPS Navigationsgerät mit sich führt, mittels Himmelsrichtung und Landmarken navigieren – beispielsweise anhand auffälliger Bäume oder Steine.

Meinem Hündchen Masha scheint diese Orientierung im Gelände angeboren zu sein – auch nach mehreren Kilometern kreuz und quer abseits aller Wege befolgt sie das Kommando „nach Hause“ prompt und zielsicher, ohne Richtungshinweis meinerseits.

Natürlich weiss sie dass „zuhause“ ein paar Stücke gekochte Hühnerbrust auf sie warten, also tut sie den Job auch gleich mit einer gewissen Begeisterung – im Sprint durch dichtes Unterholz, über Stock und Stein, durch Wasserlöcher und Gräben, mich klobigen und weit weniger trittsicheren Zweibeiner an der langen Leine immer hinter sich herschleifend.

Und tatsächlich erreichen wir nach einer Viertelstunde den Ortsrand – nicht ganz den Weg den wir gekommen waren, aber nah genug, an einer uns wohlbekannten und vertrauten Stelle. Na ja, an der Teamarbeit müssen wir noch ein bisschen feilen…aber ihr Orientierungssinn ist großartig.

Das „nach Hause“ Kommando entstand übrigens nicht durch gezieltes Training, sondern zufällig – ich habe am Ende unserer Spaziergänge immer betont dass es „nach Hause“ geht, und mich dann bei der Ankunft zuhause jedesmal mit einer kleinen Leckerei für ihre Begleitung bedankt. Erst später fiel mir auf dass sie ohne Zögern und Zwischenstops zügig und direkt nach Hause lief, wann immer ich diese Worte zu ihr sagte.

Ansonsten verwende ich ausschliesslich Handzeichen um anzuzeigen wo ich hingehen möchte – die sie mit erstaunlicher Genauigkeit befolgt. Ich muss also aufpassen wo genau ich hinzeige, denn sie geht dorthin wo ich zeige, nicht dorthin wo ich gehe. Aber bei „nach Hause“ brauche ich inzwischen kein Richtungszeichen mehr zu geben, selbst wenn wir einige Kilometer entfernt sind.

Mittwoch

Ein Novembermittwoch hat so was wie einen Tagesanbruch, aber von Sonnenaufgang kann um diese Jahreszeit keine Rede sein. Es ist kalt und windig, und vom Himmel fällt eine Mischung aus Regen, Schnee und nassem Laub.

Die sonst überwiegend grüne Landschaft ist nun hauptsächlich grau, die sonst trittfesten Waldwege sind zu kaum passierbaren Schlammpfaden geworden – durchsetzt von ausgedehnten, tiefen Pfützen die sich hier und da an den Fluss angeschlossen haben.

Für unsere Vormittagsrunde sind deshalb im Moment eine wasserdichte Jacke, ein australischer Lederhut und ein paar kniehohe Neoprenstiefel meine Standardkleidung – so kann ich mit Masha’s Fell einigermaßen mithalten. Das Hundchen stört sich nicht am Wetter – sondern nur an Langeweile, also im Haus bleiben geht nicht.

Wir maschieren heute etwas weiter flussabwärts, ein paar hundert Meter östlich des Sees, wo der Fluss in eine fast kreisrunde, etwa hundert Meter breite Erweiterung einmündet, bevor er wieder schmal wird und dann scharf nach Süden abknickt.

Aus der Luft betrachtet, sieht dieser Flussabschnitt aus wie eine überdimensionale Armbanduhr – und wird deshalb auch so genannt.

Klockehölje

Das Westende des „Uhrengehäuses“ (links im Bild) liegt ein paar Meter tiefer als der See – und entsprechend stark ist die Strömung dort in den Stromschnellen. Folgerichtig befand sich dort einst ein Wasserkraftwerk dass den Ort und seine Industrie mit Strom versorgte.

Die Stromschnellen am Ausfluss des Sees – bzw. die Brücke die darüber führt – markiert die Grenze zwischen den Gemarkungen Kråksmåla (nördlich) und Bäckebo (südlich).

Diese beiden Orte bzw. deren Kirchen sind jeweils ziemlich genau zehn Kilometer entfernt. In der Mitte zwischen den Orten gab es einst ein Landgut – hier wurden Handel und Handwerk betrieben und gemeinsame Feste gefeiert. Später kam Industrie dazu samt Wohnsiedlungen für die Arbeiter, feste Geschäfte, eine Schule, sogar eine Eisenbahnlinie mit Bahnhof.

Eisenbahn, Industrie und Kraftwerk gibt es hier aber schon lange nicht mehr, nur noch ein paar leere Gebäude – Reste einer Glashütte, einer Möbelfabrik, einer Färberei und zahlreicher kleiner Handwerksbetriebe die den Ort einmal begründet hatten. Die Wohnhäuser der Arbeiter blieben aber bis heute bewohnt, und auch die Schule hat sich erhalten.


Am späteren Nachmittag – wie immer mittwochs – machen wir dann einen Ausflug in die Reitschule – und Masha kommt mit. Hier gibt es immer viele Leute von denen man sich den Bauch kraulen lassen kann, und jede Menge zu inspizieren und zu beschnüffeln.

Pferde findet sie natürlich auch interessant – obwohl die Ausbildungs-Ponys eher etwas langweilig sind. Die meisten dieser Ponys haben schon viele Dienstjahre hinter sich, sind entsprechend erfahren und lassen sich vom Kindertrubel nicht aus der Ruhe bringen.

Im Ponystall

Susie, unser heutiges Trainingspony, ist noch etwas jünger, und studiert nach der Pflegerunde aufmerksam den kleinen schlappohrigen braunen Vierbeiner der da neugierig zu ihr heraufschaut.

Susie bei der Pflegerunde

Masha beobachtet gebannt wie Susie gemächlich eine Handvoll Heu mampft und probiert ebenfalls einen Halm zu knabbern – wendet sich dann aber lieber den verführerisch duftenden Pferdeäpfeln zu.

Diese Begeisterung der Hunde für die Ausscheidungen anderer Tiere ist gewöhnungsbedürftig – denn sie schnüffeln ja nicht nur daran, sondern fressen sie auch wenn man sie nicht daran hindert.

Pferdeäpfel – mit ihren vielen Fasern und keimtötenden Inhaltsstoffen – können dabei für den Hund durchaus nützlich und sogar gesund sein. Das Fressen derselben ist also evolutionäre Überlebensstrategie, und nicht Verfressenheit.

Aber leider gilt das eben nicht für jeden Pferdeapfel. Hat das Pferd beispielsweise Würmer oder andere Darmkrankheiten, oder wurde es kürzlich mit Medikamenten behandelt, dann kann es dem Hund unter Umständen schlecht ergehen. Vorsicht ist also geboten.

Landschaft

Dass es auf meiner Seite an Landschaftsbildern fehlt liegt vor allem daran dass ich nur selten welche mache.

Andererseits…wenn ich mir andere Blogs anschaue, ziehen mich vor allem diejenigen Bilder an, die mir die Umgebung des Autors zeigen. Manche Seiten sind dabei regelrechte Bilderpoesie, lassen mich reisen, den weit entfernten Ort erleben und erkunden, und in die Stimmung eintauchen.

Das möchte ich auch gern versuchen. Da das allerdings ein komplett neues Genre für mich ist, brauche ich noch ein bisschen Übung und Inspiration.

Was mir dabei wie gerufen kommt ist das ausgesprochen wanderfreudige Hündchen dass sich nun ständig an meiner Seite befindet, und das mich mindestens dreimal täglich auf einen ausgedehnten Spaziergang ausführt.

Unsere Morgenrunde ist (fast) immer dieselbe.

Der erste Checkpoint ist das alte Waschhaus am Nordostufer des Sees – etwa 200 Meter von unserem Haus entfernt.

Dort wurde früher (vor dem Zeitalter der Waschmaschinen) die Wäsche gewaschen – heute bewahrt die Schule dort ihre Ausrüstung für den Naturkunde-Unterricht auf, insbesondere zum Thema Binnengewässer.

Rund um das Häuschen befindet eine Platform die auf den See hinausragt, so dass der Unterricht direkt dort stattfinden kann. Und eben diese Plattform ist unser erster Anlaufpunkt am Morgen.

Am alten Waschhaus

Von dort aus wandern wir am Seeufer entlang. Um diese Jahreszeit liegen dort einige Ruderboote zur Winterruhe – denn der See friert in der Regel im Winter zu. Unser Boot liegt noch im Wasser, nicht weit vom Waschhaus, kommt aber im Laufe der nächsten Woche wahrscheinlich auch an Land.

Seeufer beim Waschhaus

Am Ende der letzten Eiszeit befand sich diese Gegend am Grunde eines riesigen Schmelzwassersees, von dem nach dem Durchbruch und Abfluss in die Nordsee nur noch die Ostsee übrig blieb (eigentlich ist es also der Ostsee, nicht die).

Daher ist die Landschaft nahezu durchgehend mit Feldbrocken bedeckt, alles von Kohlkopf- bis Hausgröße – und dazwischen und darüber befindet sich nur eine dünne Schicht sehr kargen Bodens, oder eben nach wie vor Wasser in der Form tausender kleinerer und größerer Seen.

Unser See gehört zu den kleineren. Er erstreckt sich etwa drei Kilometer in südwestlicher Richtung, und stellt eine Art natürliches Staubecken für den Alster-Fluss dar, der durch unseren Ort fließt. Dieses Becken ist sehr flach, mit einer maximalen Tiefe von etwa zwölf Metern, hat viele kleine Buchten, und in der Mitte des Sees besteht eine konstante langsame Strömung nach Südosten.

Der Wasserstand des Sees variiert stark, und damit auch seine Uferlinie. Diese kleine Bucht war noch vor wenigen Wochen nur etwa zur Hälfte mit Wasser gefüllt, so dass das Boot links im Bild auf dem Trockenen lag und man in Blickrichtung der Kamera einfach gerade durchlaufen konnte:

Kleine Bucht am Campingplatz

Jetzt steht die Bucht wieder etwa einen halben Meter unter Wasser. Hier haben Masha und ich letzte Woche einen Hecht entdeckt – und hatten ihn auch schon einmal an der Angel. Aber in so flachem Wasser ist ein Hecht schwer zu bergen, konnte sich ein paar Meter vor dem Ufer doch wieder losreissen und hielt sich dann erstmal außer Reichweite.

Heute morgen haben wir ihn aber wieder gesichtet – oder vielmehr die typische Bugwelle die seine Bewegung auf dem dank Windstille spiegelglatten Wasser erzeugte. Vielleicht versuchen wir am Wochenende noch mal ihn zu fangen.

Huch – da ist ein Hund im Wasser!

Von der kleinen Bucht aus gehen wir dann zu dem großen Apfelbaum am Fussballplatz. Dort gab es in diesem Jahr viele Äpfel, so dass wir fast jeden Morgen mit vollen Taschen heimkehrten. Nun ist der Baum kahl und leer, aber trotzdem besteht Masha auf diesem Zwischenstopp um den Boden nach Äpfeln abzusuchen.

Heute morgen überraschten wir dort ein Wildkaninchen, dass Hals über Kopf in Richtung See floh. Bis meine Kamera zur Hand war, war das Kaninchen aber schon hinter dem Servicehaus verschwunden.

Servicehaus am Fussballplatz

Nach dem Mittagessen ging es dann an die Ostsee.

Badeplatz, Rafshagenudden

Der Badeplatz Rafshagenudden, etwa 35km südöstlich von hier ist ein genialer Zwischenstopp auf dem weiten Weg in die Stadt bzw. auf dem Rückweg von dort. Masha kann sich dort nicht nur die Beine vertreten, sondern nach Herzenslust herumtoben und -schüffeln, und den Stadtstress abschütteln.

Silberner Oktober

Laut Wetterstatistik war die erste Oktoberwoche die wärmste Oktoberwoche seit vierzig Jahren.

Das war’s dann aber auch damit – kein goldener Oktober. Die zweite Woche des Monats war komplett grau und verregnet, zeitweise stürmisch. Binnen weniger Tage waren die Bäume kahl und das schöne bunte Laub nur noch ein Haufen Blättermatsch.

Und dann wurde es kalt, mit Nachttemperaturen deutlich unter Null, und Tageswerten nur wenig darüber. Morgens ist die Landschaft nun immer mit Reif bedeckt, und die Pfützen mit einem Eispanzer überfroren.


Die überwinternden Habaneros sind inzwischen wieder ins Fensterbrett gezogen, um Nässe und Kälte zu entkommen.

Diese Früchtchen haben es wirklich in sich: nach vorsichtiger Testung haben wir eine Dosierung von etwa 1/10 Schote auf einen Topf (sechs Portionen) Linsencurry als gerade noch tolerabel befunden.

Die Habaneros schmecken eigentlich erst einmal sehr gut – fruchtig, süss-aromatisch, besser noch als gewöhnliche Paprika.

Nach einigen Sekunden beginnt dann aber das Capsaicin zu wirken, erst nur ein leicht scharfer Nachgeschmack, der dann aber immer stärker und stärker wird und in ein heftiges Brennen übergeht dass sich rapide ausbreitet bis das ganze Gesicht in Flammen steht. Als Gegenmittel eignet sich übrigens Crème fraîche (kein Wasser! – das macht’s nur schlimmer).

Vorsicht ist geboten nachdem man die Schote mit blossen Händen angefasst hat – dann bloß nicht die Tränen aus den Augen wischen! Sonst nehmen selbige nämlich kein Ende.


Inzwischen befasse ich mich weiter mit der Welpenerziehung. Wir lernen gerade dass es Menschen gibt die Hunde nicht mögen oder sogar vor diesen Angst haben.

Angst vor Hunden ist im Grunde berechtigt – ein großer, erwachsener Hund kann einen Menschen schwer verletzen oder sogar töten. Ihr Gebiss und die zugehörige Muskulatur sind dazu gemacht Fleisch zu zerfetzen und Knochen zu brechen, und sie haben genug Aggressivität, Kraft und schnelle Reflexe um auch mit wild kämpfender oder um sich schlagender Beute fertigzuwerden.

Zwischen diesem brutalen Raubtierverhalten und dem sanften, freundlichen und respektvollen Umgang mit Menschen stehen lediglich soziale Instinkte und Erfahrungen des Hundes, sowie Erziehung und Training. Eine angeborene Sicherung gegen Aggressivität gegenüber Menschen gibt es beim Hund nicht.

Aggressives Raubtier? Nja…eher ein überdimensionaler Teddybär, in diesem Fall.

Anders als Katzen sind Hunde aber keine Einzelgänger, sondern leben in Gruppen – und tun instinktiv alles um sich in die Gruppe zu integrieren und akzeptiert zu werden. Dass ihr „Rudel“ häufig vor allem aus Menschen besteht ist dabei für die Hunde sogar vorteilhaft.

Hunde studieren intensiv die Hierarchie und Verhaltensregeln des Rudels, und versuchen sich aktiv am Gruppenleben zu beteiligen. Dabei lernen sie, wie sie sich in verschiedenen Situationen – zum Beispiel Begegnungen mit anderen Menschen oder Tieren – zu verhalten haben, und zwar nicht nur um selbst zu überleben, sondern eben auch um das Rudel zu schützen und diesem nützlich zu sein.

Und genau dadurch können Hunde auch lernen freundlich und respektvoll mit anderen Menschen und Tieren umzugehen – und eben auch Menschen mit Angst vor Hunden in Ruhe und mit viel Raum vorbeiziehen zu lassen.

Das funktioniert ganz gut – inzwischen wartet Masha bei anderen Menschen auf eine Einladung bevor sie sich ihnen nähert. Nun muss sie noch lernen auch meine Erlaubnis abzuwarten – oder überhaupt erst einmal danach zu fragen. Nun ja – eins nach dem anderen.

Hundespiele

Masha’s Lieblings-Spielkamerad ist Bamse.

Bamse ist zwar kein Bär, sondern ein Golden Retriever – wird dem Namen aber ansonsten wirklich gerecht: ein weißer, zotteliger Koloss mit Bärenkräften (vermutlich ist er als Welpe mal in den Zauberhonig gefallen), und supersanftem Gemüt.

Wenn die beiden spielen, muss man in fünfzig Meter Umkreis alle zerbrechlichen Sachen in Sicherheit bringen – einschliesslich herumstehender Frauchen und Herrchen – und ganz schnell die Leinen abmachen, damit man nicht mitgeschleift oder damit gefesselt wird.

Hundespiele: Masha jagt Bamse

Dann jagen sie sich, wälzen sich raufend im Gras, und Bamse lässt Masha auf seinen Rücken klettern oder auf seinem Bauch herumhüpfen – und all das ganz leise, kein Knurren oder Bellen, von keinem der beiden.

Höchstens mal ein Scheppern, wenn doch noch ein ungesicherter Blumentopf irgendwo herumstand.

Und sie spielen – Verstecken!

Das hat einen gewissen Aberwitz: wenn Masha in die Büsche springt, ist sie ja praktisch unsichtbar – und Bamse muss tatsächlich seine Nase einsetzen um sie zu finden. Bamse dagegen kann sich im Gebüsch so gut verstecken wie eine Kuh hinter einem Besenstiel. Aber er versucht es trotzdem.

Es dauert eine ganze Weile bis sie beide japsend im Gras liegen und sich anhimmeln. Wieder zuhause angekommen legt sich Masha dann auch gleich direkt hinter der Haustür hin und schnarcht selig eine gute Stunde. Groggy, aber glücklich.

Es gibt viele Tiere die miteinander spielen – besonders atemberaubend sind die Flugspiele der Nebelkrähen.

Aber das Sozialverhalten der Hunde ist doch etwas Besonderes, denn es bringt Menschen zusammen, ganz besonders bei zwei Energiebündeln wie diesen beiden – da bleibt kein Auge trocken.

Ganz plötzlich ist man miteinander im Gespräch, mit einem heiteren und entspannten Thema – selbst wenn man sich sonst eigentlich gar nicht kennt. Man lacht zusammen, freut sich zusammen…und wundert sich anschliessend warum das sonst – also ohne Hunde – oft so schwierig ist.

Auf den Hund gekommen

Wir haben seit gut einem Monat ein neues Familienmitglied – und das war auch der Grund für die lange Blogpause: bei uns ist nämlich eine kleine Hündin eingezogen.

Kleine Hunde brauchen viel Zeit und Aufmerksamkeit, und da ich weder Erfahrung noch besonders viele Kenntnisse über Hundehaltung habe, umso mehr.

Dieser kleine braune Fellsack mit Eigensinn und hohem Tempo soll vor allem Begleiter und Helfer bei meinen verschiedenen Außenaktivitäten sein.

Und damit das funktioniert, müssen wir sehr viel Zeit miteinander verbringen – spielen, lernen und trainieren.

Nun ja – die ersten Wochen mit dem kleinen Hundemädchen verliefen – erwartungsgemäß – etwas anders als erwartet 😉 Stubenreinheitserziehung beispielsweise fand nicht statt, da sie von Anfang an darauf bestand ihr Geschäft im Garten erledigen zu dürfen.

Auch die erwarteten Schäden an Schuhen und Möbeln blieben aus – statt dessen musste ich feststellen dass ein Teil meiner üblichen Kleidung zwar für meine übliche aufrechte Körperhaltung und -bewegung ausreichend stabil, aber den vielfältigen Belastungen beim Umgang – vor allem beim Spielen – mit dem Welpen nicht gewachsen war.

Das teure Hundebett ist auch erstmal nicht aktuell. Am liebsten schläft Masha auf einer harten und kühlen Unterlage, idealerweise mit „Dach überm Kopf“. Nur für den Kopf darf es eine etwas weichere Unterlage sein.

Schlafende Hunde soll man nicht wecken…

Allerdings – solange nicht gleichzeitig ein Mensch dort schläft und ein leichter Luftzug darüber hinwegweht, kann man zur Not auch mal ein kurzes Nickerchen auf dem Gästebett machen.

…sondern fotografieren.

Eine anderer, nicht ganz so erwarteter Charakterzug ist Masha’s Affinität zu Wasser. Dieser Hund ist ständig nass – jede noch so kleine Wasseransammlung erfordert zumindest einen Badeversuch, und zwei nasse Pfoten sind zwei zuwenig. Regen ist kein Hindernis, sondern ein Grund spazieren zu gehen.

Wasser ist toll, in jeder Form und aus jeder Richtung, und am allerbesten ist Wasser mit Wellen, denen man hinterherjagen kann.

Ein eigenes Badehandtuch erwies sich somit als notwendiges Accessoir – in erster Linie um uns selbst und die Wohnung trocken zu halten, da sich Hundchen patschnass kein bisschen unwohl fühlt und ihr Glücklichsein gerne mit allen teilt.




Nun, wie man sieht, haben wir uns binnen weniger Wochen schon weit von dem niedlichen Hundebaby entfernt. Inzwischen ist der Fellsack gut mit Muskeln ausgefüllt, und das Herumtragen auf dem Arm fällt wegen Unhandlichkeit und Gewicht inzwischen komplett aus.

Unsere beiden hausangestellten Katzen können ihr inzwischen auch nicht mehr davonrennen. Deren einzige Rettung ist nunmehr die Vertikale – und Masha ist nach wie vor komplett verwirrt wenn die Katze vor ihrer Nase einfach abhebt und plötzlich seelenruhig, unerreichbar, gut anderthalb Meter höher irgendwo sitzt – oder wenn sie ihre rasante Flucht einfach senkrecht die grosse Birke hinauf fortsetzt.

Insgesamt denke ich dass ich doch ganz gut mit Masha klarkommen werde, auch wenn ich eigentlich kein Hunde-Mensch bin, und die ihr zugedachten Aufgaben scheinen ganz auf ihrer Linie zu liegen. Ihre Qualitäten beim Suchen und Holen von Dingen sowie bei der Orientierung im Gelände hat sie hier und da schon durchblicken lassen. Sie ist sehr arbeitswillig, ausdauernd und lernt schnell.

Allerdings ist sie auch noch Kind, wild und verspielt.

Mal sehen was daraus noch wird 🙂