Bauarbeiten

Hallo René,

nun ist es bereits Sommer, und ich habe schon eine Weile nichts geschrieben.

Das liegt vor allem daran dass ich mit einigen überfälligen Bauarbeiten im Garten beschäftigt war.

Zunächst einmal hat die Pergola einen Holzboden bekommen. Im Unterschied zur vormaligen Rasenfläche hat dieser kein nennenswertes Gefälle – der Tisch steht jetzt also waagerecht, und alle Tischgäste sitzen auf gleicher Höhe.

Das hat beim Abendessen im Garten so seine Vorteile – so kann man beispielsweise Gläser richtig füllen, und die Radieschen kullern auch nicht mehr vom Teller.

Und dann – nach zwei Jahren Planung – haben wir ihn endlich gebaut: den Fahrradstand. Endlich keine nassen Sattel mehr, und keine von permanenter Sonneneinstrahlung brüchig gewordenen Reifen.

Natürlich schafft dieses Bauwerk hier auch ein ganz neues Mikroklima: schattig-kühl und windgeschützt.

Das weiss vor allem Masha zu schätzen und hat die Stelle sogleich zu ihrem neuen Lieblings-Liegeplatz im Garten erkoren – wohl auch deshalb weil sie von hier aus einen guten Überblick über beide Hausseiten hat.

Der Unterstand ist groß genug dass auch die Handwagen darin Platz finden, und auch Gäste ihre Räder dort abstellen können. Außerdem hat er einen festen Boden und eignet sich deshalb auch als Arbeitsplatz für kleinere Reparaturen wenn die Werkstatt mal wieder belegt ist.

Außen soll er noch bepflanzt werden – aber es dauert natürlich bis die Stecklinge soweit sind.

I främmande farvatten

Hallo René,

die Welt ist im Augenblick ein sehr seltsamer Ort. Einerseits ist nichts mehr wie es noch vor einem Jahr war, und andererseits ist es sich doch gleich.

Ich habe den Sonntag weitgehend im Garten zugebracht. Der Frühling ist, trotz Nachtfrösten, nicht mehr zu übersehen oder zu überhören. Überall sprießen Frühlingsblumen, Hummeln und Bienen summen herum, die Obstbäume sind übersät mit dicken Blütenknospen und die Vögel zwitschern ihr Frühjahrskonzert von überall her. Die Sonne scheint, ich bereite die Beete vor und säe aus. Wie jedes Jahr.

Und dann doch eben nicht wie jedes Jahr.

Mein Blick geht hinauf zu deinem Fenster, aber du bist eben nicht mehr da. Es ist Zeit das Boot ins Wasser zu bringen, aber wir können ja nicht mehr zusammen angeln fahren. Ich hab Kohlrouladen gemacht, und nun sind noch ziemlich viele übrig, denn du isst ja keine mehr. Ganz egal was der Tag bringt, immer ist dein Platz darin leer – und ich weiß nicht was ich mit diesem leeren Platz anfangen soll.

Es ist auch schwerer geworden darüber zu sprechen. Ich habe ja schon alles gesagt, wiederhole mich nur – und bekomme entsprechend auch immer dieselben Antworten, nur immer kürzer. Du fehlst mir so sehr. Es ist ein bisschen wie Heimweh, nur dass das Zuhause nach dem ich mich sehne in der Vergangenheit liegt und da komme ich nie wieder hin. So ist mir die Welt fremd, und doch gleichzeitig vertraut.


Die Virus-Pandemie ist immer noch auf dem Vormarsch. Jetzt gibt es im Konsum Abstandsmarkierungen auf dem Boden, damit man anderen Kunden nicht so nahe kommt dass man die COVID-19 getaufte Krankheit übertragen könnte.

Diese SARS-CoV-2 Viren sind eine interessante Sache – winzige RNA-gefüllte Proteinkapseln, ummantelt von einer Hülle aus Fett (die sich leicht mit gewöhnlicher Handseife zerstören lässt).

Sie sind kleiner als die Wellenlänge sichtbaren Lichts, und deshalb mit gewöhlichen Lichtmikroskopen unsichtbar: in einem Rechenkästchen mit fünf Millimetern Kantenlänge hätten 2.5 Milliarden Coronaviren Platz.

Ein Virus ist nichts anderes als ein codierter Befehl an eine lebende Zelle genau dieses Virus massenhaft herzustellen. Viren sind somit identisch mit ihrer Wirkung auf die Wirtszelle – und haben darüber hinaus keinerlei eigene Lebensfunktionen.

Andererseits sind Viren aber auch Dämonen, deren Werk weit über die mikroskopische Botschaft hinausgeht – sie lenken mitunter das Schicksal von ganzen Arten: sie können Arten, ihre Lebensweise und ihren Lebensraum dauerhaft verändern, und diese Makrowirkung ist das eigentliche Wesen der Viren.

Sommerzeit

Lieber René,

Pünktlich zur Umstellung der Uhren auf Sommerzeit kam der Winter noch einmal zurück, mit grimmigen Nachtfrösten bis zu -9°C – obwohl es dem Kalender nach eigentlich bereits Frühling ist.

Allerdings sind die Tage nun oft sonnig und mild, also hält sich das Eis auf dem See kaum mehr bis Mittag.

Unberührt vom Wettergeschehen, tummeln sich auf den Fensterbrettern schon verschiedene Vorkulturen – Chili, Paprika, Tomaten, Rosenkohl, diverse Kräuter…es wird wieder einmal eng, und Zimmerpflanzen und Dekoration müssen ausweichen.

Die Coronavirus-Pandemie hat die Welt fest im Griff, alles ordnet sich dem Kampf gegen den unsichtbaren Feind unter. Die Leute halten betont Abstand voneinander, die Kasse im Konsum befindet sich nun hinter einer überdimensionalen Plexiglasscheibe, und die Bewohner des Altenheims dürfen nicht mehr besucht werden – und überhaupt ist der grau- und weißhaarige Teil der (menschlichen) Dorfbevölkerung komplett aus dem täglichen Bild verschwunden.

Masha und ich üben Fahrradfahren. Das heißt – ich fahre Fahrrad und sie läuft nebenher. Die Herausforderung dabei ist, daraus eine möglichst synchrone Bewegung zu machen: loslaufen wenn ich losfahre, stehenbleiben wenn ich anhalte, gleiches Tempo halten.

Beim schnellen Trab legt sie etwa 8-10 km/h vor – das lässt sich relativ locker und im Prinzip unbegrenzt halten. Ein entspannter Galopp liegt bei etwa 14-16 km/h, und zwei Kilometer sind auch dabei kein Problem.

Trete ich richtig los, mit etwa 22-25 km/h, dann wird’s nichts mit Synchronisation – dann wird daraus ein Wettrennen und schon nach kurzer Strecke sprintet Masha mit einem Wuff an mir vorbei und voller Begeisterung voraus. Catch me if you can…

Als problematisch erweist sich das Absteigen und Schieben. Dann beginnt sie zu bellen und in die Pedale zu beißen – bis ich endlich wieder aufsteige und weiterfahre. Langsam geht nicht. Wenn das Ding schon mitkommt, dann bitte auch fahren.

Und das ist es wohl: auf dem Drahtesel lege ich endlich mal ein für Masha angenehmes Tempo vor – Trab ist für sie die bequemste und effizienteste Gangart, aber eben zu schnell für meinen Spazierschritt.

Richtungswechsel und Start-Stop klappen solange keine kritischen Ablenkungen kommen wie beispielsweise ein plötzlich auftauchender Bamse. Aber das ist halt eine Trainingsfrage. Jetzt geht’s erstmal ums Grundprinzip, und da bin ich schon recht zufrieden.

Masha’s Hautzustand hat sich enorm verbessert – Juckreiz, Krusten und Schuppen sind fast komplett verschwunden, und das Fell beginnt bereits nachzuwachsen. Allerdings waren letztlich doch Antibiotika erforderlich, da die kleinen Gänge in der Haut mit – bei intakter Haut eigentlich harmlosen – Bakterien besiedelt und entzündet waren.

Ihre Isolation von anderen Hunden ist auch fast vorbei – noch vier Tage, dann darf sie wieder ihre Freunde treffen.

Leider musste Bamse’s Frauchen plötzlich ins Krankenhaus – erst eine Hirnblutung, und dann Corona. Es wird wohl noch einige Zeit dauern bis sie wiederkommt – aber soweit scheint sie sich ganz gut zu erholen.

Die Urne ist inzwischen auch in dein Grab eingezogen. Ein schöner Platz, oben an der Mauer gegenüber vom Eingang der Kirche. Nach Osten überschaut man den Friedhof und jenseits davon den Hügel hinauf in Richtung Aboda-Klint, und nördlich liegt die Pferdekoppel des Haflinger-Gestüts.

Mit der Bepflanzung müssen wir noch ein wenig warten, bis der Grabstein fertig und aufgestellt ist. Dann wird es davor einen Rabattenkasten geben – eine smarte Konstruktion mit Wasser-Reservoir, damit die Pflanzen darin nicht so leicht austrocknen. Zwei Töpfe mit Stiefmütterchen haben wir aber schon mal hingebracht – ein bisschen Farbe zum Frühlingsanfang.

Über der alten Eisenbahnbrücke kreiste heute ein großer Adler – ein eindrucksvoller Vogel mit enormer Spannweite. Leider hatte ich die Kamera nicht dabei, sonst hätte ich dir ein Foto mitgeschickt.

Quarantäne

Unsere Landschaft aus der Fichtenperspektive

Hallo René,

Masha hat sich Fuchsräude eingefangen, eine Hautkrankheit die von Milben verursacht wird, welche kleine Gänge in die Haut graben um dort ihre Eier abzulegen. Die Folge ist eine allergische Hautreaktion mit extremem Juckreiz, Haarausfall und massiver Schuppenbildung.

Die Räude ist recht leicht zu behandeln – die Tablette die Masha zur Zeckenprophylaxe bekommt tötet nämlich auch die Grabmilben. Wir brauchten also nur ein wenig früher als geplant damit beginnen. Es wird aber noch einige Wochen dauern bis sich die Haut wieder erholt hat und der Juckreiz ganz verschwindet.

Trotz erfolgreicher Behandlung muss sie sich nun einen Monat lang von anderen Hunden fernhalten, da die Räude sehr ansteckend ist – und wenn Infektionen dazukommen, kann das für einen Hund durchaus tödlich ausgehen.

Die Isolation von ihren Freunden ist für Masha natürlich eine schwere Strafe – einerseits ist sie das nicht gewöhnt, zum anderen versteht sie natürlich überhaupt nicht worum es geht.

Und natürlich braucht sie sie nicht zu sehen um zu wissen wer von ihnen wo ist und was sie gerade machen – wenn der Wind richtig steht, wittert sie sie hunderte Meter weit, und sie hört Bamse zuhause kläffen wenn wir oben auf der Bingorunde spazieren gehen – immerhin gut zwei Kilometer entfernt!

Dazu kommt noch das ”Facebook für Hunde”, dass sie dreimal täglich an jeder Straßenecke, jeder Laterne, jedem Baum, Stein oder Zaunpfahl liest, sowie die unsichtbaren Pfotenabdrücke im Gras oder auf dem Weg denen sie hunderte Meter weit folgen kann wenn man sie lässt – ich sehe gar nichts, aber sie weiß genau wer wann dort entlang gelaufen ist.

Da sie also weiß dass die anderen da sind, und wo sie sind, schnaubt sie mich entrüstet an wenn wir da nicht hingehen. Wieso denn nur nicht? Hängende Ohren, hochgezogene Augenbrauen…herrjeh, es ist wirklich gemein immer wieder ”Nein” sagen zu müssen ohne es erklären zu können.

Hinter der alten Möbelfabrik in Sandslätt

Gleichzeitig – quasi um die Sache gerecht zu machen – hat sich die Coronavirus-Epidemie aus Wuhan zu einem weltweiten Corona-Festival ausgeweitet. Alles ist Corona – Corona mit Mango, Corona-Eis, Corona-Salat, Corona-Schuhe, Corona-Likör…Pandemie!

Restaurants, Kinos, Läden, Schulen, Fabriken werden geschlossen, ebenso die Grenzen. Der größte Teil des Flugverkehrs wurde eingestellt, in einigen Ländern gibt es Ausgangssperren. Die Wirtschaft bricht zusammen, Börsenkurse fallen ins Bodenlose. Toilettenpapier ist ausverkauft.

Moment…Was? Toilettenpapier? Wieso eigentlich ausgerechnet Toilettenpapier?

Wir sind (noch) nicht krank. Gleichwohl sind wir in einer Art Quarantäne, mit riesigem Bewegungsfreiraum zwar, aber dennoch ziemlich isoliert. Auf jeden Fall bis Masha wieder mit Bamse spielen darf.

Unsere Versorgungslage ist aber gut. Wir haben ja immer unsere Vorräte, und vorletzte Woche habe ich obendrein noch ein halbes Wildschwein von einem Jäger in Sandslätt bekommen.

Auch findet sich genug Beschäftigung. Wir haben damit begonnen einen Zaun ums gesamte Grundstück zu ziehen, damit wir Masha während der Gartenarbeit frei laufen lassen können ohne dass sie unangekündigt zu den Nachbarn spielen oder im See baden geht. Und dann gibt’s eben genau das: jede Menge Gartenarbeit.

Ja, und natürlich die täglichen langen Wanderungen mit Masha. Zur Möbelfabrik und zurück ist dabei inzwischen die ”kleine” Runde – mit ihren gerade mal fünfeinhalb Kilometern.

Winterende

Lieber René,

die ersten Wochen nach deinem Tod waren unerträglich schwer und schmerzhaft. Ein Vater der seinen Sohn verloren hat – ist ein Leben in das ich mich nicht richtig hineinfinden kann.

Die Kirche in Kråksmåla hat uns freundlicherweise angeboten, die Trauerfeier für dich auszurichten – und dieses Angebot haben wir dankend angenommen. Irgendwie war es der logischste Ort – eine vertraute Umgebung wo du schon so oft zum Schulabschluss gesessen hast, und auch weitgehend dieselbe Runde von Leuten: deine Klasse, deine Lehrer, Nachbarn und Freunde. Auch alle deiner vier Geschwister sind gekommen.

Ich fand es nahezu unmöglich zu entscheiden wie wir die Feier gestalten sollten, denn eigentlich sollte sie in meiner Lebenszeit ja überhaupt nicht stattfinden. Mit viel Hilfe, vor allem auch von Seiten der Kirche, wurde es aber eine sehr schöne und würdige Feier – jedenfalls im Rückblick.

Und dort – bei der Kirche – wird nun auch dein Grab sein.

Wir haben dann beschlossen unsere geplante Reise zum Skifahren in den Bergen trotz allem anzutreten – so verloren wir uns auch fühlten, suchten wir einen Moment der Ablenkung und des Luftholens, um uns zu sammeln und unsere Gedanken zu ordnen.

Ablenkung wurde es auf jeden Fall – schon wegen des verrückten Wetters. Die Temperaturen wechselten stark, aber insgesamt war es zu warm.

Abseits der Skipisten, die natürlich mit Kunstschnee präpariert waren, war der Schnee immer wieder angeschmolzen, von ständigen Regenschauern geglättet und dann wieder angefroren, so dass die Wege mit einer zentimeterdicken Eisschicht bedeckt waren.

Um mit Masha überhaupt gehen zu können, musste ich mir Spikes unter die Stiefel schnallen. Masha hat ja von Natur aus rutschfeste Sohlen und eingebaute Spikes – sowie Vierradbeinantrieb – kam also gut voran, aber für mich Zweibeiner mit hohem Schwerpunkt waren die Wanderungen auf spiegelglatten geneigten Ebenen schon eine ziemliche Herausforderung.

Gelegentlich musste Masha mir mittels Leine Hilfestellung geben, insofern war es gut einen großen und starken Hund dabei zu haben – und überhaupt bildeten wir ein gutes Team, dank ihrer konstanten Aufmerksamkeit, Kommunikationsvermögen und unbedingten Willen zur Zusammenarbeit. Aber das war ja dann auch der Zweck dieser Übung – Teamwork.

Waldlandschaft am Vasaloppsleden
Verlassene Siedlung auf der anderen Seite vom Västerdalälven

Deine Schwester hat das Skifahren natürlich superschnell gelernt, vielleicht auch mangels alternativer Beschäftigungen. Dazu gehörten natürlich auch – erwartungsgemäß – einige Stunden in der Notaufnahme zum Handgelenk-Röntgen. Aber es war nur verstaucht, alle Knochen sind heil geblieben – was sie allerdings bedauerte, denn so ein Knochenbruch und Gipsverband wäre eine echte Geschichte in der Schule gewesen.

Auf der Heimreise gerieten wir in heftigen Sturm, so dass sich das Auto kaum auf der Straße halten ließ. Bei einer Rast am Vänern war der Wind so stark dass man sich dagegen lehnen konnte, und die Wellen meterhoch. Kein Wort konnte man hören – gut dass Masha auch Handzeichen versteht.

Wieder zuhause, bereiten wir nun die Gartensaison vor. Außer einigen Nachtfrösten gibt es keinerlei Anzeichen von Winter mehr – und richtig Winter war es dieses Jahr ja überhaupt nicht.

Nach der Dürre haben wir nun Überschwemmungen – der See hat einen sehr hohen Wasserstand und an einigen Stellen hat er sich weit über seine übliche Uferlinie hinaus ausgebreitet, und teilweise sind auch die Waldwege überflutet.

Außerdem mussten im Wald viele Fichten gefällt werden, wegen Borkenkäfer-Befall, so dass entlang der Bingo-Runde – vor allem auf der linken Seite des Weges – einige Stellen jetzt völlig kahl sind. Du würdest den Weg kaum wiedererkennen.

Aber dazu dann nächstes Mal.

Am Ende des Weges

Lieber René,

dein Entschluss von uns zu gehen hat uns schwer getroffen und verwirrt.

Der erste Tag und die erste Nacht nachdem wir erfahren hatten was passiert war, waren am schlimmsten. Mein Hirn wollte nicht einsehen dass du nicht mehr nach Hause kommst. Immer wieder stand ich am Zaun und hielt Ausschau, überall wollte ich deine Jacke, dein Gesicht entdecken – und immer wieder die Enttäuschung, wie Messerstiche.

Ich habe deine Chats gefunden und lange darin gelesen, eine Erklärung gesucht – und nicht gefunden. Wie du ganz richtig schreibst, verstehe ich nicht. Es ist zu schwer.

Aber ich verstehe dass deine Entscheidung seit langem feststand, und du dich gründlich vorbereitet hast, recherchiert, geplant, so dass du nicht überleben konntest. Du hast alles getan deinen Plan vor uns zu verbergen, und auch niemandem sonst eine Chance gelassen dich zu hindern. Soweit sehe ich es ein, und respektiere es – auch wenn ich es noch lange Zeit nicht akzeptieren können werde.

Ich bin unendlich müde und erschöpft, konnte aber nicht mehr als ein, zwei Stunden ein wenig dösen. Sobald ich die Augen schloß, kamen die Sorgen. Wo bist du? Hast du Angst? Tut es weh? Also tappte ich im Dorf umher, ein wenig ziellos, nur auf der Suche nach traumlosem Schlaf – vergeblich.

Heute haben wir dich besucht, im Aufbahrungsraum. Mama, ich, deine beiden Schwestern. Es war gut dich zu sehen. Es sah aus als ob du schläfst, wie immer. Du schläfst gern lange. Wir lassen dich schlafen.

Nun weiss ich wo du bist. Keine Spur von Schmerz oder Angst in deinem Gesicht, eher beinahe ein Lächeln. Keine Gefahr. Das ist besser, nun haben sich meine Sorgen beruhigt, und die Verwirrung klart sich allmählich auf. Statt dessen hat sich eine tiefe Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit wie ein schwerer Schleier über mich gelegt.

Ich möchte traurig sein, es fühlt sich im Moment gut und richtig an.

Ich bin dankbar für diese vierzehn Jahre, aber ich wünsche mir mehr Zeit mit dir. Ich möchte noch lange weiter mit dir reden, es gibt noch viel zu erzählen und zu debattieren.

Ich habe mich deshalb entschlossen dir immer mal ein paar Zeilen zu schreiben, über uns, was wir so machen, wie es uns geht und was in der Welt so passiert – ich weiss dass dir das unlogisch und irrational vorkommen wird, aber so kann ich dir wenigstens mitteilen was du alles noch hättest miterleben sollen.

Dein Papa

Dags för några förändringar

So far, this blog has been written in a single language, which simply isn’t my reality. Fact is, my daily reality comes in at least three different languages.

Därför ska det nu skrivas på olika språk här, lite beroende på temat. Det kan förstås bli lite blandat här och där, så att alla har något att läsa – men varje tema kommer nog ha ett primärt språk, för det är just så jag har det.

Außerdem bin ich dabei das Erscheinungsbild und die Struktur des Blogs ein wenig zu überarbeiten, damit die Inhalte besser herüberkommen – vor allem auch auf kleineren Bildschirmen.

Schrumpfende Hunde

Dass Masha nach wie vor schnell wächst, merke ich vor allem daran dass alle anderen Hunde immer kleiner zu werden scheinen.

Es ist gerade mal vier Monate her dass sich Masha und Nachbar’s Nemo zum ersten Mal gegenüber standen, und da waren sie in etwa gleich groß. Inzwischen ist Nemo zu einem winzigkleinen Hündchen geschrumpft, kaum größer als Masha’s Kopf. Erst wenn sie sich flach vor ihm auf den Boden legt, sind sie etwa auf gleicher Augenhöhe. War er denn schon immer so klein? frage ich sein Frauchen ungläubig. Gibt’s doch gar nicht.

Ein anderer Hund dem wir regelmässig begegnen ist ein dreijähriger, deutlich übergewichtiger schwarzer Labrador Retriever. Als Masha zum ersten Mal mit ihm spielte, konnte sie aufrecht unter ihm durchlaufen. Ich hatte ihn immer als Anhaltspunkt für Masha’s zukünftige, endgültige Größe genommen, aber statt dessen ist er nun auf ihre Größe zusammengeschrumpft – jedenfalls was Höhe und Länge betrifft. Er ist allerdings erheblich dicker und runder als Masha, und fast doppelt so schwer.

Inzwischen hat Masha das Schwimmen für sich entdeckt.

Ja, ich weiß, es ist Januar und an manchen Tagen bedeckt eine dünne Eisschicht den See – aber das schreckt sie nicht ab. Vielmehr war es so dass sie immer nur so weit ins Wasser ging wie sie Boden unter den Füßen hatte.

Wir sind oft mit Bamse am See, und Bamse ist ein begeisterter Schwimmer, solange die Herausforderung stimmt. Ein Stock, kaum fünf Meter vom Ufer entfernt, bringt bestenfalls ein Stirnrunzeln und gelangweiltes Gähnen. Wirft man den Stock aber mit aller Kraft weit hinaus auf den See, dann ist der Große sofort im Wasser und rettet den Stock.

Dabei arbeiten die beiden Hunde meist zusammen. Bamse schwimmt hinaus und holt den Stock zurück bis er wieder Boden unter den Pfoten spürt, und übergibt ihn dort Masha, die ihn weiter zurück an Land transportiert.

Vor ein paar Tagen änderte sich diese Routine ganz plötzlich.

Der Stock platschte weit draußen ins Wasser – und alle schauten zu Bamse. Der machte drei Schritte in Richtung Wasser, und hatte das Ufer gerade verlassen als plötzlich ein kleiner, brauner Torpedo an ihm vorbeisauste, schnurgerade auf den Stock zu, den ganzen Weg hin, eine Kehrtwende auf der Stelle mit rotierendem Schwanz und Stock im Maul, und wieder zurück bis ans Ufer.

Masha total begeistert von sich selbst, und Bamse, am Ufer erstarrt, den Blick aufs Wasser geheftet, verwirrt. Was ist denn nun los? Und wo ist der Stock hin?

Noch einmal zum Mitschreiben. Den Stock wieder raus aufs Wasser, Bamse schaut hinterher, und wieder schießt Masha an ihm vorbei, holt den Stock und liefert ihn bei mir ab. Wieder ein Freudentanz von ihr, und ein verwirrter Blick von Bamse. Hä? Langsam und hörbar klicken die Zahnrädchen in seinem großen Kopf…Skepsis in seinem Blick. Was ist das für ein Hund, und was habt ihr mit Masha gemacht?

Und noch einmal. Masha will gar nicht aufhören. Bamse wendet sich ab, trottet ein paar Meter vom Ufer weg und setzt sich, starrt in die Ferne.

Auch er geschrumpft, der große Golden Retriever der seiner kleinen Masha immer so bereitwillig und geduldig die Stöcke aus dem Wasser holte. Jetzt schwimmt sie ihm davon. Wirft ihn um wenn sie ihn in ihrer Begeisterung anspringt. Holt ihn ein wenn er in seinem eleganten Galopp über die Wiese donnert, beißt ihm in den Hintern, und grinst ihn an: Na, was jetzt, Großer? Spielst du noch mit?

Ich muss lachen – vor allem über ihr Augenzwinkern. Sie zwinkert nämlich mit beiden Augen, aber nicht gleichzeitig, sondern abwechselnd. Das ist ansteckend – ich habe mich schon ein paar Mal selbst dabei ertappt es ihr als Antwort nachzumachen, woraufhin sie jedesmal meine Nase mit ihrer anstupst.

Was sage ich da? Meine Nase mit ihrer…? Ja, tatsächlich. Offenbar bin ich auch geschrumpft.

2020 AD

Ein gewisser Vierzehnjähriger versucht mir weiszumachen dass in ein paar Tagen ein neues Jahrzehnt der Zeitrechnung AD (anno domini) beginnt, und so klingt es tatsächlich auch in den Medien.

Nun kennt die Zeitrechnung AD aber kein Jahr 0 – das erste Jahrzehnt umfasste also nicht die Jahre 0 bis 9, sondern 1 bis 10.

Das zweite Jahrzehnt AD begann demnach mit dem Jahr 11 und endete mit dem Jahr 20, und so weiter – und folglich begann das laufende zweihunderterste Jahrzehnt AD mit dem Jahresanfang 2011 und endet am 31.12.2020.

Das neue Jahrzehnt AD beginnt daher erst am 01.01.2021. Mathematisch gesehen also, aber wen kümmert das schon…schliesslich feierten wir den Anfang des dritten Jahrtausends AD auch ein Jahr zu früh.

Und genau genommen begann die Zeitrechnung AD auch nicht mit dem Jahr 1, sondern mit dem Jahr 532 – und auch diese Zahl war seinerzeit einfach eine Behauptung die auf einer (vermutlich recht guten) Schätzung beruhte.

Wenn die Behauptung dass das laufende Jahrzehnt AD in der kommenden Woche zu Ende geht also falsch ist, warum ist sie dann so relevant?

Jahreszahlen-Mystik im Zeichen der Hoffnung? Können wir die zermürbende Gegenwart endlich hinter uns lassen, und mit der Zukunft anfangen in der es uns allen und unserer Welt besser ergehen wird?

Konnten wir das jemals zuvor?

Oder ist es vielmehr die Suche nach einem Abschluß, nach Distanz, um zurückblicken und reflektieren zu können, das Erlebte zu begreifen und Sinn darin zu finden? Begreifen mittels Zuordnen eines Begriffs – ”die 2010er” also?

Das trifft wohl eher den Kern der Sache – und in diesem Sinne bin ich gewillt über die mathematischen Feinheiten hinwegzusehen und den zurückliegenden zehn Jahren einen Namen zu geben und sie damit ein bisschen weiter von uns wegzurücken.

Mögen sie lehrreich sein und Staub ansetzen, die 2010er.

Advent

Es ist Advent – der Endspurt zur Wintersonnenwende hat begonnen.

Der November war der trübste in unserer Gegend seit es Aufzeichnungen darüber gibt. Fünfzig bis sechzig Sonnenstunden sind der Durchschnitt für diesen Monat – dieses Mal gab es nur zehn.

Aber kaum war der Monat zuende, brach die dichte Wolkendecke auf und die Sonne kam heraus, und es wurde ein Bilderbuch-Adventssonntag: Windstille, klare, eiskalte Luft und eine dünne Schicht knirschenden Schnees unter den Stiefeln.

Die alte Eisenbahnbrücke im Hinsaryd Göl – mal im richtigen Licht

Plötzlich war die Landschaft überhaupt nicht mehr grau und trist, sondern richtig einladend – und so wurde der traditionelle Adventsspaziergang ein ausgedehnter solcher.

Auf dem Heimweg trafen wir dann auch noch auf Bamse, und die Hunde tobten noch eine Weile am – und im – Wasser herum. Natürlich gelang es dem Großen nicht die ins Wasser geworfenen Schneebälle zu apportieren. Egal wie sicher er sie aufsammelte, waren sie doch bei der Landung immer auf geheimnisvolle Weise verschwunden. Ein Menschen-Scherz, den er einfach nicht durchschaute. Aber Spaß hat’s ihm trotzdem gemacht, und reichlich Lob und Belohnungshäppchen gab es ja auch.

Mascha scheut zwar nicht das Wasser, will aber immer noch Boden unter den Füßen haben. Außerdem holt Bamse ja jedes unerreichbare Spielzeug aus dem Wasser und bringt es zu ihr – ein richtiger Held und Kavalier.

Am Nachmittag war es dann soweit: Zeit den Stollen anzuschneiden.

Unser traditioneller Marzipan-Stollen

Diesen hatte ich schon Anfang November gebacken, und dann durfte er noch ein paar Wochen reifen. Rezepte dafür gibt’s ja jede Menge, unser hauseigenes behalte ich deshalb für mich. Aber von seinem Geschmack darf ich ruhig schwärmen…darauf freue ich mich jedes Jahr wieder.

Aber ein anderes Rezept kann ich mal zum Besten geben, nämlich gegrillte Hühnerbruststreifen als besondere Belohnungen für den Hund.

Eigentlich ist das gar kein Rezept – ich schneide einfach ein Hühnerbrustfilet in Streifen und grille diese eine Viertelstunde im Ofen, und anschließend trockne ich sie in der Heißluft bei etwa 120°C für weitere 15 bis 20 Minuten. Das Resultat sind dann weiche, aber dennoch trockene kleine Stückchen, die man ganz leicht mit den Fingern zerteilen kann.

Gegrillte Hühnerbrust – ein Snack für Hund und Mensch

Damit habe ich den Rückruf-Doppelpfiff für Masha – und neuerdings auch Bamse – absolut unwiderstehlich gemacht. Und das Gute dabei ist: die schmecken nicht nur dem Hund, sondern seinem Menschen ebenso – und sind vielseitig verwendbar (z.B. im Salat, oder als Brotbelag, oder als Fingerfood mit Chili-Dip).

Im Kühlschrank halten sie sich eine gute Woche – vorausgesetzt man hält sie trocken…und von Hunden fern. Fallen sie einem nämlich in der Gegenwart des Hundes aus der Hand, erreichen sie niemals den Boden 😉